Draufgeschaut: Sauna


Film Sauna

Sauna Film Kritik Rezension

Eine Sauna in einem abgelegenen Ort scheint magische Kräfte zu haben.

Produktionsland Finnland
Jahr 2008
Spielzeit 80 Minuten
Regie Antti-Jussi Annila
Hauptdarsteller Ville Virtanen, Tommi Eronen, Viktor Klimenko, Rain Tolk, Kari Ketonen, Sonja Petäjäjärvi
Bewertung

Worum geht’s?

Im Jahr 1595 ist der jahrelange Krieg zwischen Russland und Schweden endlich vorbei. Eine Kommission, bestehend aus Vertretern der beiden Reiche, soll nun festlegen, wo genau die neue Grenze zwischen den Nachbarländern verlaufen soll – und zudem genau diesen Grenzpfad im ehemaligen finnischen Gebiet markieren. Auf schwedischer Seite ist ein Brüderpaar dabei: Eerik hat jahrelang im Krieg gekämpft, Knut ist Kartograf und hofft, nach der Mission im Grenzland ein Studium beginnen zu können. Immer wieder kommt es zu Konflikten mit den russischen Vertretern der Kommission und zu gegenseitigen Provokationen, besonders brenzlig wird die Lage aber erst, als die kleine Gruppe in einem Dorf mitten in einem Sumpf ankommt. Der Ort ist nicht nur in keiner Karte verzeichnet und wird deshalb zum Zankapfel zwischen den beiden Reichen. An seinem Rand befindet sich auch ein strahlend weißes Gebäude. Die Bewohner geben es als Sauna aus, in der man sich von seinen Sünden reinwaschen könne. Dort scheinen sich in der Tat reichlich geheimnisvolle Vorfälle zu ereignen.
Das sagt shitesite:

Es ist schwer, für Sauna das passende Genre zu benennen: Von einem Historiendrama kann man nicht sprechen, weil der Umgang mit den geschichtlichen Fakten viel zu frei ist. Als Horrorfilm wurde das Werk zwar vermarktet, aber trotz einer sehr düsteren Grundstimmung und einiger sehr blutiger Szenen führt auch diese Kategorie in die Irre. Zutreffender wäre vielleicht die Bezeichnung als Psychogramm. Denn an erster Stelle erzählt Regisseur Antti-Jussi Annila hier davon, was der Krieg aus Menschen macht.

Personifiziert wird dieses Thema in der Figur von Eerik. Er ist ein Veteran des Krieges, hat es bis zum Dienstgrad eines Hauptmanns gebracht und, so lautet seine eigene Buchführung, auf dem Weg dahin 73 Menschen getötet. Der Frieden erscheint ihm bedrohlicher als die Aussicht auf noch einen Zweikampf oder eine weitere Schlacht: Eerik ahnt, dass die Welt für ihn keine Verwendung mehr hat, jetzt wo der Konflikt beendet ist, und er wohl auch nicht in der Lage sein wird, sich ein neues Leben aufzubauen. Er ist verroht, abgestumpft und sich all des Blutes, das an seinen Händen klebt, nur zu bewusst: „Das wichtigste in diesem Beruf ist, vergessen zu können“, sagt er an einer Stelle.

Gerade seine Sicht ist es, die in Sauna die psychologischen Zwänge deutlich werden lässt. Die Sieger des Kriegs teilen das ehemals finnische Gebiet rücksichtslos zwischen sich auf. Es wird als Lohn für die Opfer betrachtet, die sie während der Kämpfe erbracht haben. Die Landgewinne in Karelien werden damit auch zum Versuch, all den Grausamkeiten des Krieges eine nachträgliche Legitimation und sogar Sinn zu geben. Allerdings bleibt es schwierig für die ehemaligen Soldaten wie Eerik, darin eine wirklich angemessene Beute zu erkennen. Was die Kommission durchschreitet, ist schließlich Terra incognita, die ob ihrer Unwirtlichkeit den Krieg noch sinnloser erscheinen lässt: Während man noch um dieses Land kämpfte, wusste man nicht einmal, was es zu bieten hat, ob es dort Bodenschätze, Ackerland oder eifrige Steuerzahler gibt, oder ob es einfach bloß Pampa ist. Das ist ein interessanter Aspekt auch mit Blick auf heutige Streitigkeiten in Grenzregionen.

Auch aus dieser Erkenntnis erwächst das Misstrauen zwischen den Männern der Grenzkommission, nicht nur zwischen Schweden und Russen, sondern auch zwischen den Brüder Eerik und Knut. Unterstützt wird das von einer sehr prägenden Atmosphäre und einer Ästhetik voller Dunkelheit, Nebel und Feuchte, die durch die herausragenden Kulissen des Films wabert. So schafft Sauna – auch wenn es vor allem in der Mitte einige Längen gibt – eine Spannung aufrechtzuerhalten, die nicht so sehr aus der Handlung erwächst, sondern eher aus einem permanenten Gefühl der Beklemmung, für das es im Film keine einzige Minute des Ausweichens, der Entlastung gibt.

Bestes Zitat:

„Dreck ist das, was vom Leben bleibt. Er ist das Material des Lebens. Er ist das, woraus alles gemacht ist.“

Der Trailer zum Film.

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