Draufgeschaut: Sechzehneichen


In ihrem schicken neuen Haus fühlt sich Laura (Heike Makatsch) mit Nils (Mark Waschke) nicht wohl.

In ihrem schicken neuen Haus fühlt sich Laura (Heike Makatsch) mit Nils (Mark Waschke) nicht wohl.

Film Sechzehneichen
Produktionsland Deutschland
Jahr 2012
Spielzeit 90 Minuten
Regie Hendrik Handloegten
Hauptdarsteller Heike Makatsch, Mark Waschke, Sandra Borgmann, Marc Hosemann, Lavinia Wilson, Anatole Taubman, Stefanie Stappenbeck, Alexander Beyer, Jonas Nay
Bewertung

Worum geht’s?

Familie Eichhorn hat genug vom Leben in der Großstadt. Die kleine Tochter Fanny soll behütet aufwachsen, ihre Mutter Laura wird in der urbanen Hektik von einer gefährlichen Allergie geplagt und ihr Mann Nils kann sich einen repräsentativen Wohnsitz irgendwo auf dem Lande gut vorstellen. Deshalb kaufen die Eichhorns ein Haus in Sechzehneichen, einer exklusiven Wohnsiedlung, die von der Außenwelt abgeschirmt wird, viel Komfort und herrliche Landschaft bietet. Doch die Nachbarn dort haben ihre ganz eigenen Vorstellungen vom Zusammenleben. Insbesondere Laura ist schnell befremdet vom Zwang, alles und alle innerhalb des elitären Zirkels von Sechzehneichen gut finden zu müssen.

Das sagt shitesite:

Ästhetisch ist Sechzehneichen ein Hochgenuss. Das Ensemble ist formidabel, und die Schauspieler glänzen hier fast durchweg in erster Linie dadurch, mit welcher Beiläufigkeit sie ihren Figuren eine eindrucksvolle Authentizität zu verleihen vermögen. Dazu ist das Werk von Regisseur Hendrik Handloegten (Ein spätes Mädchen, Fenster zum Sommer) in seinem künstlerischen Mut und Anspruch – zumal für einen Fernsehfilm – herausragend und entwickelt eine sehr eindrucksvolle dramaturgische Beschleunigung.

Trotzdem überzeugt Sechzehneichen nicht komplett. Der Mix aus Thriller-, Drama- und Horrorelementen ist nicht immer vollends gelungen. Mal soll es um Venusfallen gehen, dann um Gehirnwäsche oder Gruppenzwang; ein Kind verschwindet, im Fernsehen laufen plötzlich Privatpornos der Nachbarn, ein Halbstarker träumt von einem Massaker – das ist letztlich ein bisschen viel des Guten und vor allem viel Durcheinander.

Ein Problem ist vor allem die Figur des Nils: Er will zu Beginn offensichtlich in jeder Beziehung ein Musterknabe sein und zieht seiner Familie zuliebe aufs Land. Dann lässt er sich aus kaum nachvollziehbarem sexuellen Begehren in einen Männerclub hineinziehen, dessen Vorgaben er schließlich alles unterordnet, an erster Stelle die Eigenständigkeit seiner Frau. Das ist kaum überzeugend, zudem führt die inszenierte Verführung, die Nils in den Männerclub locken soll, hinsichtlich der eigentlichen Aussage von Sechzehneichen in die Irre.

Denn was hier wirklich thematisiert wird, sind Kontrollwahn, Perfektionswahn und Effizienzwahn, die in dieser elitären Siedlung herrschen. Die Eichhorns landen in einer Gemeinschaft, in der nur eins verlangt wird: Konformität. Dass es ausschließlich die Männer sind, die dieses Ziel definieren, ist bezeichnend. Keiner von ihnen muss seine Position rechtfertigen, keiner von ihnen hat ein sichtbares Verdienst vorzuweisen, dennoch maßen sie sich alle an, ihre Frauen zu dominieren und die Regeln des Zusammenlebens in der Siedlung im Alleingang zu bestimmen. Dass die Konformität zudem reiner Selbstzweck ist und keinerlei ideologischen Überbau kennt, stellt die Legitimität dieser Ordnung erst recht in Frage.

Das sind spannende Themen, doch kann der Plot letztlich nicht mit seiner filmischen Umsetzung mithalten. Sechzehneichen endet irgendwo zwischen Die Welle ohne Politik und Eyes Wide Shut ohne echtes Begehren.

Bestes Zitat:

„Die Leute hier sind die Oberfläche.“

Der Trailer zum Film:

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