Draufgeschaut: The King’s Spech


König George VI. (Colin Firth) muss die Nation mit seinen Reden mitreißen - aber er stottert.

König George VI. (Colin Firth) muss die Nation mit seinen Reden mitreißen – aber er stottert.

Film The King’s Speech
Produktionsland Großbritannien, USA
Jahr 2010
Spielzeit 118 Minuten
Regie Tom Hooper
Hauptdarsteller Colin Firth, Geoffrey Rush, Helena Bonham Carter, Guy Pearce, Michael Gambon, Derek Jacobi
Bewertung

Worum geht’s?

Gestammel. Mehr ist nicht zu vernehmen, als der Herzog von York in einem Stadion eine Rede halten soll. Der zweitälteste Sohn von König George V. stottert, vor allem wenn er aufgeregt ist. Das könnte sich noch ertragen und kaschieren lassen bei einem zurückgezogenen Leben im Palast. Doch dann wird aus Albert, dem Herzog, plötzlich König George VI.: Sein Vater stirbt, und sein älterer Bruder verzichtet nach kurzer Zeit auf den Thron. George muss nicht nur die Würde des Hauses Windsor verkörpern, sondern sein Volk auch moralisch für den Krieg gegen Hitler-Deutschland rüsten. Der Sprachlehrer Lionel Logue scheint mit seinen unkonventionellen Methoden die letzte Hoffnung zu sein, um dem neuen König zu rethorischer Majestät verhelfen zu können.

Das sagt shitesite:

Es ist eine seltsame Diskrepanz, die The King’s Speech trägt. Zum einen wäre dieser Film, der letztlich von der Therapie einer Sprachstörung handelt, vollkommen uninteressant, wenn der Patient nicht ein Royal wäre. Zugleich wird hier ein uralter Topos aufgegriffen, der ebenfalls mit der Bedeutung des Adels eng verknüpft ist: Die Scham, die Albert fühlt, speist sich letztlich aus der Idee des Königsheils, der er nicht gerecht werden kann. Der Mann an der Spitze des Staates sollte ursprünglich von Gott gesegnet sein, und die körperliche und geistige Unversehrtheit war von jeher notwendige Bedingung, um diesen Anspruch glaubhaft zu machen.

Zum anderen lebt der Film davon, dass genau diese Konzepte pulverisiert werden. Albert hat zum Beginn nichts von einem Auserwählten. Im Gegenteil: Er ist bemitleidenswert, zurückgeblieben, eine Witzfigur. Wenn er bei einer Radioansprache das Mikrofon anschaut, dann scheinen ihn die erwartungsvollen Gesichter der ganzen Welt anzustarren, gierig wie hungrige Piranhas – und er kann nur kapitulieren.

Auch danach wird er wie ein Bürgerlicher betrachtet, und genau daraus erwachsen die Spannung von The King’s Speech und das herrlich amüsante Gezänk zwischen Patient und Therapeut. Weltgeschichte wird in The King’s Speech sehr gekonnt heruntergebrochen auf die Beziehung dieser beiden (von Colin Forth und vor allem Geoffrey Rush exzellent gespielten) Männer, und zugleich doziert der Film geschickt über den Unterschied zwischen Edelmut und Hochmut, Ehrenhaftigkeit und Etikette.

Albert spürt als König die riesige Last auf seinen Schultern und auf seiner Zunge: Von seinem persönlichen Auftritt hängt vielleicht der Fortbestand seines Geschlechts, der britischen Staatsform, der englischen Kultur ab. Lionel ficht das alles nicht an. Er ist eine grandios respektlose Figur, vollkommen überzeugt von der Wirksamkeit seiner eigenen Behandlung, und nicht im geringsten gewillt, irgendjemandem Privilegien einzuräumen. Am Ende von The King’s Speech ist er sogar der noch überzeugendere Aristokrat, auch wenn er nicht an einen Adel des Blutes glaubt, sondern an den Adel des Charakters.

Bestes Zitat:

“Wir können nur das Rechte tun, wenn wir das Rechte erkennen.”

Der Trailer zum Film:

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