The Social Network


Film The Social Network

Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg, rechts) und Sean Palmer (Justin Timberlake) machen aus Facebook einen Mega-Erfolg.

Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg, rechts) und Sean Palmer (Justin Timberlake) machen aus Facebook einen Mega-Erfolg.

Produktionsland USA
Jahr 2010
Spielzeit 121 Minuten
Regie David Fincher
Hauptdarsteller Jesse Eisenberg, Andrew Garfield, Justin Timberlake, Armie Hammer, Rashida Jones
Bewertung

Worum geht’s?

Mark Zuckerberg ist ein Computer-Wunderkind. Das Informatikstudium in Harvard langweilt ihn eher, stattdessen baut er lieber Internet-Seiten, die so erfolgreich sind, dass sie die Server der Uni in die Knie zwingen. Als seine Freundin mit ihm Schluss macht, stachelt ihn das besonders an und bringt ihn letztlich auf eine Idee, die ein Mega-Erfolg wird: Facebook. Studenten erstellen ihre Profile selbst, füllen sie mit Neuigkeiten und Bildern und sind dabei miteinander vernetzt. So kann man rausfinden, welche Hobbys und Freunde der Typ hat, der in der Vorlesung weiter vorne sitzt, und ob die süße Blonde aus der Mensa schon vergeben ist. Schnell findet Zuckerberg Mitstreiter und Investoren für die Seite, die rasant wächst. Allerdings gibt es bald auch Konflikte: Gleich mehrere Wegbegleiter der ersten Stunde verklagen Zuckerberg mit dem Vorwurf, er habe sie betrogen oder ihre Ideen gestohlen.

Das sagt shitesite:

Wie realistisch ist The Social Network? Leute, die es beurteilen können, sind geteilter Meinung. Mark Zuckerberg kommt als Charakter hier wohl etwas schlechter weg als in der Realität, die wichtigen Etappen in der Unternehmensgeschichte von Facebook sind aber offensichtlich recht faktentreu eingefangen. Letztlich ist die Frage auch irrelevant. Denn The Social Network behauptet nicht, eine Dokumentation zu sein, und ist als Wirtschaftskrimi ebenso gelungen wie als Porträt der zweiten Generation der New Economy und als Analyse sozialer Beziehungen im Zeitalter des Web 2.0. Selten ist es im Kino gelungen, ein so aktuelles Phänomen so vielschichtig, intelligent und ästhetisch stimmig auf die Leinwand zu bringen.

Zuckerberg ist hier ein beinahe autistisch anmutender Schnellsprecher: ehrgeizig, besessen, nur auf eine Idee fixiert und blind für die Bedeutung sozialer Kontakte. „Er ist im Tunnel“, sagen seine Mitbewohner, wenn er sich in einen Programmier-Rausch hineingesteigert hat – glaubt man dem Film, dann ist Facebook in den hier dargestellten Jahren für ihn zu einem eigenen Tunnel geworden. Jenseits der Wände dieses Tunnels gibt es nichts mehr, was ihn wirklich interessiert, und die Bedeutung seiner Mitmenschen schätzt er in erster Linie danach ein, wie groß der Beitrag sein kann, den sie für Facebook leisten.

Der Facebook-Gründer verkörpert damit einen schönen amerikanischen Topos der maximalen Entschlossenheit. Aber er ist kein knallharter Cowboy, kein mutiger Pionier und auch kein klassischer Selfmande-Man. Gebrochen wird seine Entschlossenheit in The Social Network durch das Wesen des Nerd: In Computerfragen sieht sich Zuckerberg als Gott, jenseits davon ist er ein Wicht. Zu seinen stärksten Antriebskräften zählt die Sehnsucht nach sozialer Anerkennung, nach Akzeptanz, nach Sympathie, nach Prestige. Zu den größten Erfolgsfaktoren von Facebook zählt der Wunsch verklemmter Studenten, vom Rechner aus mehr über ihre Kommilitonen zu erfahren. Dass am Anfang für diese Milliarden-Dollar-Erfolgsgeschichte die Tatsache steht, dass Zuckerberg von seiner Freundin verlassen wird und mittels Rache und Tratsch im Netz sein gekränktes Ego besänftigen will, ist hinsichtlich dieser Effekte ein netter Seitenhieb von The Social Network.

Diese Strategie subtiler Kritik wendet der Film auch an, um das Wesen sozialer Netzwerke insgesamt zu hinterfragen. „Du kannst nicht 500 Millionen Freunde haben, ohne dir ein paar Feinde zu machen“, lautete der Werbeslogan für The Social Network. Im Film geht das noch einen Schritt weiter: Facebook entsteht hier in gewisser Weise aus einem Kollektiv heraus, doch als es in juristischen Auseinandersetzungen später um die Urheberschaft geht, reklamiert jeder möglichst alles für sich alleine. Die ohnehin labile Freundschaft zwischen Zuckerberg und seinem Finanzier Eduardo Saverin wird pulverisiert, sobald Entscheidungen, Konflikte und Konkurrenz anstehen. Es gehört nicht viel Transferleistung dazu, um zu beurteilen, was dann von Freundschaften zu halten ist, die lediglich virtuell existieren.

Was Wettbewerb, Selbstinszenierung und die Verlagerung des Lebens ins Netz anrichten können, deutet der Film immer wieder an, und wie vor allem die sehr schlaue Schlussszene klarmacht, ist Zuckerberg hier zugleich Treiber und Opfer dieser Entwicklung. Selbst als Milliardär, selbst als Gewinner, selbst als umschwärmter Silicon-Valley-Gott kann er keine Spur von Gelassenheit oder gar menschlicher Größe zeigen. Und noch etwas zeigt The Social Network: In keinem Moment kann Zuckerberg seinen Erfolg, seinen Ruhm und seinen Reichtum genießen.

Bestes Zitat:

„Okay, du wirst später bestimmt mal ein sehr erfolgreicher Computermensch. Aber du wirst dein Leben lang glauben, dass die Frauen nicht auf dich stehen, weil du ein Nerd bist. Und ich möchte dir von ganzem Herzen mitteilen, dass das nicht der Fall ist. Es wird daran liegen, dass du ein Arschloch bist.“

Der Trailer zum Film:

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