Draufgeschaut: Tod in Venedig


Film Tod in Venedig

Tod in Venedig Film Kritik Rezension

Gustav von Aschenbach (Dirk Bogarde) will in Venedig ausspannen.

Produktionsland Italien
Jahr 1971
Spielzeit 130 Minuten
Regie Luchino Visconti
Hauptdarsteller Dirk Bogarde, Björn Andrésen, Silvana Mangano, Romolo Valli
Bewertung

Worum geht’s?

Wohlhabend, gebildet, geachtet: Professor Gustav von Aschenbach hätte allen Grund, es sich gut gehen zu lassen, doch stattdessen ist der Komponist abgespannt und entkräftet. Sein Arzt empfiehlt ihm einen Urlaub in Venedig. Doch bei der Ankunft erweist sich dies als wenig hilfreiche Idee. Zum einen scheint in der Stadt ein Cholera-Ausbruch kurz bevorzustehen, was den Besucher aus Deutschland gerade wegen der scheinbaren Gelassenheit der Einheimischen zutiefst beunruhigt. Zum anderen begegnet er im Hotel dem Sohn einer polnischen Adelsfamilie, der ihn in den Bann zieht. Er sucht die Nähe des Knaben bei jeder Gelegenheit und überall in der Stadt – und blendet dabei die Gefahr durch die drohende Seuche zunehmend aus.

Das sagt shitesite:

Die Verfilmung der Novelle von Thomas Mann nimmt sich erzählerisch einige Freiheiten, ist ästhetisch und im Geiste aber sehr nah an der Vorlage. Der Anspruch, ein eigenständiges Kunstwerk zu schaffen, ist dabei unverkennbar, etwa durch den sehr prominenten (und manchmal enervierenden) Einsatz der Musik von Gustav Mahler. Den Aufenthalt des Komponisten in Venedig gliedert der Film in drei Phasen: Orientierung im Hotel und in der Stadt, Fixierung auf den Knaben, Verzweiflung. In den ersten Szenen wird seine Autorität verunsichert, er wird lächerlich gemacht. Figuren wie der Clown, Geck und Narr begegnen ihm auch danach, und nicht nur der Zuschauer ahnt, dass er in ihnen sein Spiegelbild findet.

Das führt zum größten Problem von Tod in Venedig: Der Film zeigt die Banalität von Urlauben und die Amüsiersucht von Urlaubern, er gibt die überreizte Stimmung in der schwülen Lagunenstadt wieder, immer wieder auch durch lange Passagen ohne Dialog. Daraus entsteht zwar ein sehr offensichtlicher künstlerischer Effekt, aber auch ein beträchtliches Maß an Ereignislosigkeit. Mit anderen Worten: Es gibt sehr viel Atmosphäre und sehr wenig Handlung, in Summe also reichlich Langeweile.

Auch der Konflikt, den Gustav von Aschenbach mit sich vor allem in Form von Selbstgesprächen ausficht, kann daran wenig ändern: Er begehrt den Jungen und er leugnet doch sein Begehren. Er kämpft dagegen an, dass dieses Leugnen keine Wirkung zeigt, schließlich gibt er ihm nach. Sein Kampf richtet sich dabei nicht nur gegen das Stigma einer homoerotischen Beziehung zu einem Jungen, sondern auch gegen sein Selbstbild – die Verurteilung, die eine so leidenschaftlichen Zuneigung zu einem Kind verlangt, spricht er auch gegen sich selbst aus.

Noch am spannendsten ist die Frage. wie die Neigung des Musikers sein Werk beeinflusst oder sogar prägt. Die Ahnung, dass seine nicht opportunen Gelüste vielleicht auch eine wichtige Quelle seiner Kreativität sind („Das Böse ist eine Notwendigkeit. Sie ist das Brot des Genies“, sagt ihm sein Kompagnon Alfred bei einer der Rückblenden auf die Zeit in München) ist das einzige Element, das in Tod in Venedig für etwas Aufregung sorgt.

Bestes Zitat:

„Auf der ganzen Welt gibt es nichts Unvollkommeneres als das Alter.“

Szenen aus dem Film.

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