Draufgeschaut: Tron Legacy


Film Tron: Legacy

Tron Legacy Film Kritik Rezension

Sam Flynn (Garrett Hedlund) will seinen Vater zurück in die Realität holen.

Produktionsland USA
Jahr 2010
Spielzeit 127 Minuten
Regie Joseph Kosinski
Hauptdarsteller Jeff Bridges, Garrett Hedlund, Bruce Boxleitner, Michael Sheen, Olivia Wilde
Bewertung

Worum geht’s?

Kevin Flynn ist ein gefeierter Erfinder von Computerspielen. Mit seinen Programmierkünsten und kreativen Einfällen hat er nicht nur seine Firma ENCOM an die Spitze der Branche gebracht. Er setzt sich auch für einen offenen Austausch von Ideen in der Computerwelt ein und träumt von den unendlichen Möglichkeiten, die der Cyberspace eröffnen könnte. Eines Tages im Jahr 1989 verschwindet er allerdings spurlos. Zwanzig Jahre später ist sein Sohn Sam noch immer nicht über diesen Verlust hinweggekommen. Zu seinem Frust trägt nicht nur der rätselhafte Abschied seines Vaters bei, sondern auch die Entwicklung, die ENCOM in Abwesenheit des Firmengründers genommen hat: Die neuen Manager setzen eher auf Profitmaximierung statt auf Innovationen und einen fairen Umgang mit ihren Kunden. Als Sam von einem alten Freund seines Vaters eine mysteriöse Nachricht bekommt, kommt er dem Rätsel um das plötzlichen Verschwinden von Kevin Flynn schließlich auf die Spur: Seinem Vater ist es gelungen, als echter Mensch in die digitalen Netze zu gelangen. Dort lebt er nun in einer von ihm erdachten Welt – allerdings nicht als Herrscher, sondern als Gefangener seiner eigenen Schöpfung. Sam wagt ebenfalls den Sprung in diese virtuelle Welt, in der Hoffnung auf ein Wiedersehen.

Das sagt shitesite:

Wer hätte das gedacht? Gamer haben nicht nur Sinn für Ästhetik, sondern auch Interesse an der Welt jenseits des Bildschirms – und sogar eine politische Agenda. Das ist die größte Überraschung an Tron: Legacy, der Fortsetzung des 198er Science-Fiction-Klassikers Tron. Kevin Flynn wird hier nicht nur als ein Vorkämpfer für Open Access und Netzparität sowie als Aktivist gegen die Macht großer Konzerne und monopolistischer Netzwerke gezeichnet. Der Film stellt auch die Frage, was unsere Welt oder unser Zusammenleben ausmacht in einer Zeit, in der Computer längst ohne menschliches Zutun diese Welt prägen, etwa im Aktienhandel oder bei der auf Algorithmen basierenden Verbrecherfahndung.

Wer nun aber Philosophie erwartet, sieht sich getäuscht: Tron: Legacy spielt auf die Bedeutung der Religion an, in der Figur des Clu – ein programmiertes Alter Ego von Kevin Flynn, das die Aufgabe hat, eine perfekte digitale Welt zu erschaffen – könnte man eine Entsprechung von Nietzsches Über-Mensch sehen. Aber das Werk von Regisseur Joseph Kosinski ist eher Kino für die Augen (und die Ohren, dank des kongenialen Soundtracks von Daft Punk) als fürs Hirn. Die Handlung hat ebenso logische Schwächen wie die Figurenzeichnung. Dafür entschädigt aber eine sagenhafte Optik mit an Running Man erinnernden Actionszenen und einer enorm gelassenen Atmosphäre.

Die Geschichte von den Programmen, die sich gegen ihre User auflehnen und sich über ihre Schöpfer erheben, wurde in I, Robot oder AI – Künstliche Intelligenz schon deutlich besser und tiefgründiger erzählt. Wer aber wissen will, was Kino im technischen Sinne leisten kann, wer sich gerne an spektakulären Bildern berauscht und zwei Stunden todschickes Entertainment sucht, der ist bei Tron: Legacy genau richtig. Noch ein Pluspunkt: Die Vorlage muss man nicht kennen. Es gibt zwar einige Anknüpfungspunkte, aber die sind eher Schmankerl für die Insider als essentiell, um Plot und Konflikt folgen zu können.

Bestes Zitat:

„Er kann Unvollkommenheit nicht ausstehen. Und was ist unvollkommener als unsere Welt?“

Der Trailer zum Film.

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