Draufgeschaut: Unsere Mütter, unsere Väter


Fünf Freunde genießen ihren letzten Abend, bevor sie sich der Realität des Kriegs stellen.

Fünf Freunde genießen ihren letzten Abend, bevor sie sich der Realität des Kriegs stellen.

Film Unsere Mütter, unsere Väter
Produktionsland Deutschland
Jahr 2013
Spielzeit 270 Minuten
Regie Philipp Kadelbach
Hauptdarsteller Volker Bruch, Tom Schilling, Katharina Schüttler, Ludwig Trepte, Miriam Stein, Mark Waschke, Christiane Paul, Sylvester Groth, Henriette Richter-Röhl, Götz Schubert, Bernd Michael Lade, Maxim Mehmet, Alina Levshin, Samuel Finzi
Bewertung

Worum geht’s?

Juni 1941: In Berlin stehen Wilhelm, sein jüngerer Bruder Friedhelm, Viktor, Greta und Charly am Beginn ihres Erwachsenenlebens. Die Fünf sind gemeinsam aufgewachsen und enge Freunde, doch statt gemeinsam ihre Jugend genießen zu können, werden sie durch den Krieg getrennt: Wilhelm und Friedrich müssen an die Ostfront. Charly, die heimlich in Wilhelm verliebt ist, meldet sich freiwillig als Krankenschwester und Viktor steht als Jude vor der Entscheidung, ob er aus seiner Heimat fliehen und dabei seine Eltern zurücklassen soll, während seine Freundin Greta von einer Karriere als Filmstar träumt. Der Fernseh-Dreiteiler begleitet die fünf Figuren bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, das viel später und ganz anders kommt, als es sich die fünf Freunde je hätten vorstellen können.

Das sagt shitesite:

Man kann diesem Dreiteiler einige Vorwürfe machen, und das ist ja auch reichlich geschehen. Nicht nur die Polen, sondern alle Gegner an der Ostfront sind in Unsere Mütter, unsere Väter wandelnde Stereotype: im Moment der Schlacht bloß fanatisches Kanonenfutter, nach dem Sieg tumb, betrunken und auf barbarische Weise rachsüchtig. Unrealistisch ist zudem, dass sich die Protagonisten im Durcheinander an der gut 1500 Kilometer langen Ostfront so oft begegnen. Auch die Tatsache, dass sie alle Bildungsbürger sind, ist nicht gerade repräsentativ für das damalige Deutschland.

Trotzdem ist jede der Figuren exemplarisch für je eine Art und Weise des Umgangs mit dem Krieg und dem Regime, und genau deshalb wird Unsere Mütter, unsere Väter letztlich doch zu einem wertvollen Porträt einer Generation. Alle glauben zu Beginn an ein schnelles Ende des Krieges und werden dann in einer Welt, in der – längst nicht nur an der Front – eine ungeheure Brutalität regiert, von seiner Macht eines Besseren belehrt: Wilhelm, der als Erzähler fungiert, wird erst zum Kriegsverbrecher, dann zum Deserteur, Charly zur Verräterin. Unsere Mütter, unsere Väter zeigt, wie der Gruppenzwang in der Truppe und an der Heimatfront funktioniert, er zeigt die Arroganz und den Rassismus vieler Deutscher und auch den im Nachhinein tragischen Zweckoptimismus der Juden.

Im deutschen Fernsehen wurde der Zweite Weltkrieg stilistisch noch nie so gezeigt, spektakulär und aufwendig wie US-Serien à la The Pacific. Wichtiger aber: Im deutschen Fernsehen wurde der Krieg auch inhaltlich noch nie so thematisiert, ohne Helden, ohne Ausreden, ohne Beschönigung. Nur zwei der fünf Hauptfiguren, nämlich Friedhelm und Viktor, haben zu Beginn wirklich ein Problem mit dem System und dem Krieg. Auch deshalb können bei diesen fünf Freunden Abstumpfung, Verbitterung, Apathie und Pflichtbewusstsein ihr Werk tun.

Jeder von ihnen hat dann im Verlauf der drei Teile, die mit Eine andere Zeit, Ein anderer Krieg und Ein anderes Land untertitelt sind, seinen Moment des Zusammenbruchs. Sogar Greta gibt in einem unbedachten Moment ihren Opportunismus auf und öffnet kurz die Augen für das Grauen, das ihre Traumwelt umgibt. Bei ihr gibt es – wie bei ihren Freunden – Phasen des unangebrachten Selbstmitleids, aber ganz am Ende wissen alle, dass sie keine Außenstehenden sind, sondern Akteure, Verantwortliche. Am Ende bleiben bloß Scham, Verzweiflung, Angst und (Ver-)Schweigen.

Bestes Zitat:

„Glaub mir: Der Krieg wird das Schlechteste in uns zum Vorschein bringen.“

Der Trailer zum Film:

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