Draufgeschaut: Voll frontal


Francesca (Julia Roberts) steht bald mit Calvin (Blair Underwood) vor der Kamera.

Francesca (Julia Roberts) steht bald mit Calvin (Blair Underwood) vor der Kamera.

Film Voll frontal
Produktionsland USA
Jahr 2012
Spielzeit 96 Minuten
Regie Steven Soderbergh
Hauptdarsteller David Duchovny, Nicky Katt, Catherine Keener, David Hyde Pierce, Julia Roberts, Blair Underwood, Brad Pitt
Bewertung

Worum geht’s?

Der Filmproduzent Gus will seinen 40. Geburtstag feiern. Eingeladen sind die verschiedensten Medienmenschen aus Los Angeles, die der Film am Tag der Party begleitet: Da gibt es den Filmkritiker Carl, der gerade gefeuert wird. Seine Ehefrau, eine Hollywood-Managerin, sich von ihm trennen will. Seine Schwägerin Linda, die als Masseurin halbwegs bodenständig ist, aber unter ihrem Single-Dasein leidet. Da gibt es den Nachwuchsstar Calvin, der demnächst mit der Filmdiva Francesca vor der Kamera stehen wird und sich auf seine Rolle vorbereitet. Und jede Menge Leute, die davon träumen, es in Hollywood ganz nach oben zu schaffen.

Das sagt shitesite:

Die Form ist nicht das Problem an Voll frontal: Dass Steven Soderbergh nach Blockbustern wie Oceans Eleven einen Ausgleich suchte, in dem er sich mehr künstlerische Freiheiten nehmen konnte, ist verständlich. Dass er auf ein Mini-Budget, Film-im-Film-Spielereien und Handkamera setzt, wenn er eine Hollywood-Satire (oder, wie er es nennt: einen „Film über Filme für Leute, die Filme lieben“) drehen will, ist nur konsequent. Mit seinem Debüt Sex, Lügen und Video hatte er schließlich bewiesen, dass er keine teure Produktion braucht, um einen schlauen Film abzuliefern.

Das Problem bei Voll frontal ist allerdings: Neben der Idee, dass sich eine Hollywood-Größe hier einmal richtig austoben kann, hat der Streifen nichts zu bieten. Der Film ist selbstverliebt, anstrengend, unausgegoren. Soderberghs Ruf ist mächtig genug, um Stars wie Julia Roberts, Brad Pitt oder David Duchovny für dieses Projekt anzulocken, doch ihre Auftritte sind (ebenso wie die des restlichen Ensembles) verschwendet.

Voll frontal ersäuft in einem wenig durchdachten und kaum erträglichen Schwall von Befindlichkeitsgelaber. Hitler, Porno und Rassismus werden gestreift, aber das bleibt Effektheischerei. Das Einzige, was hier wirklich intensiv behandelt wird, sind die Egos der Figuren: Voll frontal ist ein Stadl der Neurosen, in dem niemand mit Kritik klarkommt, jeder an Selbstüberschätzung leidet und in dem Political Correctness und Höflichkeit jede Form von echter Kommunikation erdrücken.

So entsteht das Bild von Hollywood als einer vollkommen gestörten Welt voller vollkommen gestörter Menschen, die sich affektierte Dialoge liefern und dazu verdammt sind, immer nur an der Oberfläche zu leben. Als Botschaft („Die Traumfabrik ist hässlich und kaputt, wenn man hinter die Kulissen blickt!“) ist das reichlich schlicht. Und als Kunstwerk bleibt Voll frontal halbherzig. Es gibt in diesem Film keine Geschichte, keinen Konflikt, weder Spannung noch Humor oder Melodrama; es gibt letztlich keine Idee, was der Film überhaupt will. Das ist zwar definitiv Anti-Hollywood. Aber leider auch Anti-Zuschauer.

Bestes Zitat:

„Ich glaube, sie ist der Meinung, dass alles und jeder gegen sie ist. Und das behindert sie am Glücklichsein.“

Der Trailer zum Film:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.