Draufgeschaut: Whisky mit Wodka


Arno Runge (Markus Hering, links) wird als Ersatzmann für Schauspielstar Otto Kullberg (Henry Hübchen) engagiert.

Arno Runge (Markus Hering, links) wird als Ersatzmann für Schauspielstar Otto Kullberg (Henry Hübchen) engagiert.

Film Whisky mit Wodka
Produktionsland Deutschland
Jahr 2009
Spielzeit 104 Minuten
Regie Andreas Dresen
Hauptdarsteller Henry Hübchen, Corinna Harfouch, Sylvester Groth, Markus Hering, Valery Tscheplanowa, Peter Kurth, Karina Plachetka
Bewertung

Worum geht’s?

An der Ostseeküste dreht Regisseur Martin Telleck seinen neuen Film Tango für drei, eine Dreiecksgeschichte, die im Jahr 1928 angesiedelt ist. Sein Hauptdarsteller ist Otto Kullberg, beliebt beim Publikum, berüchtigt in der Klatschpresse und geschätzt bei den Kollegen nach erfolgreichen Jahrzehnten im Filmgeschäft. Doch als Otto Kullberg betrunken zu einem der ersten Drehtage erscheint, verlieren die Produzenten das Vertrauen in ihn. Sie engagieren den Theaterschauspieler Arno Runge als Backup. Er soll alle für Kullberg vorgesehenen Szenen ebenfalls spielen, damit man einen Ersatz hat, falls der Hauptdarsteller nicht in der Lage ist, die Dreharbeiten durchzustehen. Für Kullberg ist das nicht nur eine Konkurrenz, sondern eine Beleidigung: Die Dreharbeiten werden zu einer Tortur für sein Selbstvertrauen.

Das sagt shitesite:

Whisky mit Wodka ist ein großartiges Porträt eines Mannes, der der Leere entgegen blickt. Sein Beruf ist für Otto Kullberg sein Leben – wenn er keine Filme mehr machen kann, hat er nichts mehr. Er weiß, dass von ihm Eskapaden erwartet werden, er genießt die Flirts mit den deutlich jüngeren Kolleginnen und hat offensichlich niemals einen Anlass gesehen, am Set sein cholerisches Temperament zu zügeln. Doch während der Dreharbeiten in Mecklenburg erkennt er zum ersten Mal, dass er ein Auslaufmodell ist. Durch den Ersatzmann, der ihm zur Seite gestellt wird, ist nicht nur sein Ego strapaziert, sondern auch seine Männlichkeit, seine künstlerische Integrität und letztlich sein gesamtes soziales Leben gefährdet.

Noch viel mehr aber ist Whisky mit Wodka ein Film über das Filmemachen. Die Eitelkeiten, die Affären, die Wutausbrüche (Sylvester Groth schreit als Regisseur Martin Telleck ein großartiges „Ich bin kein Eimer, in den jeder scheißt!“) – all das wird hier wunderbar gezeigt, zugleich liebevoll, kenntnisreich und entlarvend, aber ohne jede Spur von eitlen Selbstreferenzen.

Ein Making Of dieses Films müsste ziemlich lustige Bilder ergeben wie Kameramänner, die Schauspieler filmen, die Kameramänner spielen. Mindestens so vielschichtig ist erfreulicherweise auch die Handlung, und das exzellente Ensemble scheint von der Möglichkeit, endlich einmal das eigene Metier darstellen zu können, eindeutig beflügelt worden zu sein. Andreas Dresen schafft es in Whisky mit Wodka, die Filmbranche zu überhöhen, indem er ihr den Spiegel vorhält – das ist eine ziemlich erstaunliche Leistung.

Bestes Zitat:

„Man wird nicht älter. Eines Morgens wacht man auf – und ist alt.“

Der Trailer zum Film:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.