Zwölf Winter


Film Zwölf Winter

Klaus Starck (Axel Prahl, rechts) und Mike Roth (Jürgen Vogel) rauben gemeinsam Banken aus.

Klaus Starck (Axel Prahl, rechts) und Mike Roth (Jürgen Vogel) rauben gemeinsam Banken aus.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2009
Spielzeit 89 Minuten
Regie Thomas Stiller
Hauptdarsteller Jürgen Vogel, Axel Prahl, Wotan Wilke Möhring, Matthias Koeberlin, Torsten Michaelis, Doreen Jacobi
Bewertung

Worum geht’s?

Kaum hat Mike Roth seine sechsjährige Haftstrafe wegen Bankraubs abgesessen, da will er schon wieder in das Geschäft einsteigen. Gemeinsam mit Klaus Starck, einem Kumpel aus dem Knast, startet er eine Serie, die enorm erfolgreich ist: Immer im Winter schlagen die beiden zu, bereiten alles akribisch vor, nehmen sich jeweils ein paar Banken vor und führen die Polizei mit dieser Methode insgesamt zwölf Jahre lang an der Nase herum. Doch die Ermittler kommen ihnen immer näher. Neue Methoden der Spurensicherung könnten den Bankräubern zum Verhängnis werden – und nicht zuletzt der Hang von Mike Roth, auf großem Fuß zu leben und den Spaß ebenso ernst zu nehmen wie die Vorsicht.

Das sagt shitesite:

Zwölf Winter, das die wahre Geschichte der Raubzüge der „Kanzler-Bande“ zwischen 1988 und 2001 erzählt, war ursprünglich als Zweiteiler gedacht und sollte insgesamt drei Stunden dauern. Dass die Spielzeit dann halbiert wurde, merkt man dem Film an, allerdings nicht in negativer Hinsicht: Nichts wirkt hier zusammengestückelt oder nicht ausgereift, dafür erkennt man aber, wie viel Zeit sich die Macher hier ursprünglich nehmen wollten, um ihre Figuren zu porträtieren und die Hintergründe zu beleuchten. Diese Zielsetzung ist jetzt zwar nur noch teilweise erreicht, aber nach wie vor wohltuend. Dazu kommt der beinahe dokumentarische Charakter dieses Krimis: Einer der beiden echten Täter hat beratend an Zwölf Winter mitgewirkt, auch die damals aktiven Ermittler haben ihren Sachverstand eingebracht.

Das macht aus Zwölf Winter einen sehr gelungenen, erstaunlich ruhigen Krimi. Die (ultimativ entschlossenen) Ermittler rücken erst vergleichsweise spät in den Mittelpunkt der Handlung, die (maximal männlichen) Gangster werden nicht als Action-Helden eingeführt, sondern als Leute, die lediglich ihrem Beruf nachgehen, auch wenn dieser Beruf eben gesetzlich verboten ist. Sie haben private Sorgen, eine kranke Frau, eine Freundin, die nicht warten will, bis der Liebste wieder aus dem Knast ist, oder sie müssen exorbitante Arztrechnungen bezahlen. Ihre Überfälle haben deshalb keinerlei Glamour, sondern bekommen eine fast spießige Pflichtmäßigkeit.

Passend dazu erwächst hier auch der Nervenkitzel aus einer ungewöhnlichen Situation: Mike Roth und Klaus Starck sind immer wieder kurz davor, aufzuhören, sich mit ihrer Beute zur Ruhe zu setzen und sich einen schönen Lebensabend im Ausland zu machen, aber immer wieder kommt irgendetwas dazwischen. Es ist nicht die Gier, die sie treibt, sondern die Notwendigkeit. Ob sie einen Schlussstrich ziehen, bevor ihnen irgendjemand etwas nachweisen kann oder sie von einem ihrer Helfer verraten werden, ist in diesem Film die weitaus spannendere Frage als die, ob die Polizei nicht doch irgendwann auf die Spur der Täter kommt und das Duo stellen kann.

Diese Konstellation sorgt in Zwölf Winter für ein doppeltes Spannungsverhältnis, das sich letztlich gegenseitig verstärkt: Das Netz der Ermittler zieht sich immer weiter zu, und gleichzeitig sind die Gangster permanent kurz davor, diesem Netz ein für allemal zu entschlüpfen. Das ist nicht spektakulär, aber ungemein clever und originell.

Bestes Zitat:

“Eines Tages kriegen sie uns vielleicht. Aber dann will ich noch anständig gelebt haben.”

Szenen aus dem Film:

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