Dude York – „Falling“


Künstler Dude York

Dude York Falling

Die Teenagerjahre von Dude York waren prägend für „Falling“.

Album Falling
Label Hardly Art
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

Auf dem Cover von Falling, dem vierten Album von Dude York, ist eine zerstörte Torte zu sehen, die einen Sturz nicht überlebt hat. Schlägt man das Booklet auf, begegnet man hingegen Konfetti, das lustig herab rieselt. Das sind tatsächlich Metaphern für die Idee, die das Trio aus Seattle hier in den Mittelpunkt stellt. “Es gibt zwei Arten, wie Dinge herunterfallen können. Sie können abstürzen und kaputt sein, oder sie können sanft herabschweben wie eine Feder und intakt bleiben“, sagt Sängerin Claire England.

Rund um dieses Leitmotiv und unterstützt von Produzent Patrick Brown entstehen klasse Lieder wie Unexpected (mitreißend und straight), Should’ve (ziemlich genau in der Mitte zwischen Bleached und Sleater Kinney, also an einem sehr guten Ort) oder Falling (packend und niedlich). Der Titelsong nimmt „Falling“ natürlich auch in der Bedeutung wie in „falling in love“ in den Blick, es geht um eine frische, überraschende Liebe, in der jede Kleinigkeit des Gegenübers interessant ist und bedeutend wird. „We used to like all the same shit / do you think we’d be friends in 2006?”, heißt eine der extrem putzigen Zeilen darin. „Ich fing an mir vorzustellen, wie es sein würde, wenn Leidenschaft mit Pragmatismus einherginge“, erklärt England, die also einerseits nicht das Klischee aus Powerballaden und RomComs bedienen möchte, andererseits in diesem Lied große Lust darauf artikuliert, sich tatsächlich in diese Hoffnung von wolkenlosem Glück fallen lassen zu können.

Was dabei auffällt: All diese Lieder werden von Claire England gesungen. Auf Sincerely (2017) hatte sie nur zwei Stücke gesungen, hier ist sie bei sieben Liedern tonangebend, also beim Großteil der Songs. Die Rolle von Peter Richards (Gitarre) ist damit etwas weniger prominent geworden, das Zusammenspiel der Stimmen ist aber weiter eine große Stärke von Dude York, ebenso wie der Mix der drei Charaktere innerhalb dieses Trios. “Wir haben alle sehr unterschiedliche musikalische Einflüsse, und wenn wir die miteinander austauschen, kommt etwas sehr Einzigartiges dabei heraus“, meint Peter Richards. Man kann das in der Bandbreite von Falling, das in San Francisco entstanden ist, gut erkennen. Longest Time hat einen klasse Gitarrensound, ist trocken und Indie as fuck, weiß um die Stärke von plakativen Zeilen wie „This time I won’t be scared of love“, wird aber trotzdem edgy. In How It Goes lässt das Schlagzeug aufhorchen, der Gesang bleibt hier hingegen fast dezent. Let Down bewegt sich in die Nähe von Lo-Fi-Ästhetik, Doesn’t Matter überrascht mit Bongos und vielen anderen akustischen Instrumenten.

„Viele der Songs, die auf bewusste oder unbewusste Weise zu Referenzpunkten für diese Platte geworden sind, unterteilen die Welt ziemlich klar in schwarz und weiß, und so etwas spricht dich an, wenn du 14, 15, 16 oder 17 bist. Ich denke, die Leute, die sich voller Nostalgie an diese Songs erinnern, entdecken gerade etwas mehr die Grauzonen“, umschreibt Drummer Andrew Hall den Kontext von Falling. Auch Claire England betont die Bedeutung der Phase der eigenen musikalischen Sozialisation – die letztlich auch dafür ausschlaggebend war, dass sie bei Dude York nun noch mehr ins Rampenlicht gerückt ist. „Ich bin mit viel Pop-Punk und Alternative Rock aufgewachsen, bei dem es fast immer nur Frontmänner gab. Ich habe da eine Lücke gesehen, und die will ich nun selbst füllen“, sagt sie. „Ich will das Gefühl einfangen, das ich hatte, als ich mich in Musik verliebt habe.“

Man hört das gut in I’m The 1 4 U, dessen Sound so schamlos offensiv ist wie dieses Versprechen im Titel. 0:15 hat viel Charme, Making Sense beginnt sehr reduziert und entwickelt dann viel Druck. Box lässt sehr deutlich an The Cure denken, im Sound ebenso wie im romantischen Taumel der Zeile „I’ll never love again.“ Only Wish lebt unter anderem von seinem Harmoniegesang, einem dominanten Bass und Gitarren, die sich ein bisschen Atonales gönnen – das alles scheint an Weezer geschult zu sein. Den Abschluss von Falling macht DGAFAF (I Know What’s Real), was sich als sehr runde Sache erweist: Es ist kein spektakulärer Schlusspunkt, sondern die Quintessenz dessen, was Dude York auch in den zwölf Liedern zuvor schon ausgezeichnet hat.

Sehr putzig ist auch das Video zu Falling geworden.

Dude York bei Bandcamp.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.