Durchgelesen: Christa Maerker – „Marilyn Monroe und Arthur Miller“


Autor Christa Maerker

Marilyn Monroe und Arthur Miller Christa Maerker Kritik Rezension

In einer Doppel-Biographie erzählt Christa Maerker die Geschichte von Marilyn Monroe und Arthur Miller.

Titel Marilyn Monroe und Arthur Miller. Eine Nahaufnahme
Verlag RoRoRo
Erscheinungsjahr 1997
Bewertung

Man kann sich heute kaum vorstellen, was das für eine Nachricht war. Prominenz, Sex, Betrug, Politik – alles dabei. Als der Schriftsteller Arthur Miller 1956 die Schauspielerin Marilyn Monroe heiratete, konnte die US-Presse (egal, ob seriös oder Boulevard) ihr Glück wohl kaum fassen. Wenn Noam Chomsky plötzlich etwas mit Angelina Jolie anfangen würde, wäre man nicht einmal nahe dran, um einen Vergleich mit heutigen Maßstäben zu geben.

Die Journalistin Christa Maerker zeichnet die Geschichte des Paares in Marilyn Monroe und Arthur Miller. Eine Nahaufnahme nach. Es ist allerdings nicht nur der Faktor Prominenz, der dabei die Faszination ausmacht. Kopf trifft Körper, Intellekt trifft Erotik, ein Linksintellektueller, der vom Geheimdienst beobachtet wird, trifft die Sexbombe, deren Foto im Spind so vieler Soldaten in Korea hängt – Miller und Monroe versuchten die Vereinigung von scheinbar Unvereinbarem. Ihre Beziehung symbolisiert zudem die Frage, wie das Amerika der McCarthy-Ära sein will: Schreibtisch oder roter Teppich, Ostküste oder Hollywood, grüblerisch oder glamourös, prüde oder liberal, bigott oder modern.

Als sie sich 1951 erstmals treffen, hat Arthur Miller gerade nach vielen erfolglosen Jahren seinen ersten Ruhm eingefahren; Marilyn Monroe war zwar schon in mehreren Filmen zu sehen, ist aber noch weit davon entfernt, ein großer Star zu sein. Die Wucht dieser Begegnung ist einer der stärksten Momente des Buchs: Sie – die ihren Vater nicht kennt und von ihrer Mutter früh zu Verwandten gegeben wurde – sucht eine Vaterfigur und will nicht nur als Körper, sondern auch als denkender Mensch gesehen werden. „Sie fühlt sich erkannt und trotzdem geduldet“, fasst die Autorin das lang ersehnte Gefühl zusammen, das ihr Arthur Miller zu geben vermag. Er ist einfach betört von dieser Frau und reagiert damit genau wie alle Männer in diesem Buch. „Ich sah meinen Körper nicht als etwas an, das mit Sex zu tun hatte. Er war ein Freund, der auf geheimnisvolle Weise in mein Leben getreten war“, wird Marilyn Monroe hier zitiert mit der Erinnerung an den Moment, als ihr erstmals klar wurde, welche Wirkung ihr Äußeres auf Männer hatte.

Mit viel Einfühlungsvermögen zeichnet Christa Maerker zunächst das Entstehen dieser Liebe nach, dann gibt es eine Rückblende auf das Leben der beiden vor ihrer ersten Begegnung mit ausführlicher Berücksichtigung von Kindheit und Jugend. Anschließend greift sie den Faden wieder auf und erzählt die Geschichte dieser Liebe weiter, die erst ein Flirt ist, dann eine Affäre, dann eine viereinhalb Jahre währende Ehe und schließlich ein Fiasko. Was den Kitzel der frühen und die Tragödie der späten Jahre (inklusive Fehlgeburten, Depressionen, Alkohol- und Tablettensucht) ausmacht, schildert die Autorin sehr eindrücklich. Als sie sich kennen lernen, fehlt Marilyn Monroe noch die Anerkennung als Schauspielerin, Arthur Miller ist ein verheirateter Familienvater: Sie ist voller Ängste, er ist voller Hemmungen. Dieses Muster bleibt freilich auch erhalten, als sie verheiratet sind. Was ihr im Weg steht, sind ihre Minderwertigkeitskomplexe, was ihm im Weg steht, sind Konventionen.

Die Paar-Biographie lebt von dieser Reibung und der geschickten Arbeit mit Rückblenden und Zeitsprüngen, hat aber auch ihre Schwächen. Dazu zählt vor allem Christa Maerkers Neigung zum Sentimentalen und Melodramatischen, was zwar manchmal den Lesespaß erhöht, aber auch für einige Ausrutscher sorgt. Die Autorin hat eine unverkennbare Sympathie für ihre Protagonisten und hätte ihnen ohne Zweifel eine glücklichere Ehe und sogar ein Happy End gewünscht. Das ist nicht nur irritierend in einem Sachbuch, sondern beißt sich auch mit dem an anderer Stelle gezeigten Anspruch der kritischen Überprüfung und neutralen Einordnung. Christa Maerker hat schließlich viele Statements aus Interviews und aus Arthur Millers Autobiographie zusammengetragen und gleicht sie immer wieder ab mit den Fakten aus anderen Quellen, um dem Hang zur Legendenbildung, Dramatisierung und Rücksichtnahme etwas entgegenzusetzen, der nun einmal unvermeidlich ist, wenn es um Prominente geht.

So entsteht ein erhellendes Buch über ein faszinierendes Paar und über eine Liebesgeschichte, die selbst für Hollywood zu schön gewesen wäre: Nicht einmal ein Jahr nach der Scheidung ist Marilyn Monroe tot. Arthur Miller heiratet erneut, versucht die Ehe mit der Frau des Jahrhunderts (so der Titel einer hier zu den Quellen gehörenden Marilyn-Monroe-Biographie)  in seinem literarischen Werk halbherzig zu rechtfertigen und zu verklären, und bleibt 40 Jahre lang bei seiner dritten Ehefrau, bis zu deren Tod 2002.

Das beste Zitat ist eine Weisheit von Yves Montand, der ebenfalls eine Liaison mit Marilyn Monroe hatte: „Jeder Narr keine eine Frau verführen. Aber mit ihr zu brechen, das ist die große Kunst.“

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