Durchgelesen: Die Familie Mann – Ein Lesebuch


Autor Barbara Hoffmeister, Hans Wißkirchen

Die Familie Mann - Ein Lesebuch mit Bildern Barbara Hoffmeister Hans Wißkirchen Rezension Kritik

Weltliteratur und wenig Bekanntes vereint „Die Familie Mann – Ein Lesebuch mit Bildern“.

Titel Die Familie Mann – Ein Lesebuch mit Bildern
Verlag Rowohlt
Erscheinungsjahr 2001
Bewertung

2001 war ein besonderes Jahr für die Verehrer der Familie Mann. Damals jährte sich das Erscheinen der Buddenbrooks zum 100. Mal, zudem feierte Heinrich Breloers Film Die Manns – ein Jahrhundertroman seine Premiere. Bei Rowohlt wählte man eine sehr spezielle Form der Huldigung: Die Familie Mann – ein Lesebuch mit Bildern kombiniert eine von Barbara Hoffmeister zusammengestellte Sammlung von Texten verschiedener Familienmitglieder mit einer Kurzbiographie aus der Feder von Hans Wißkirchen.

Die Form des Bändchens überzeugt. Wißkirchen zeigt in seiner Familiengeschichte auf, warum Thomas Mann, seine Frau Katia, sein Bruder Heinrich und ihre Nachkommen schon zu Lebzeiten als „amazing family“ gefeiert wurden. „In dieser Familie gehen die private Geschichte und die große Geschichte des 20. Jahrhunderts eine ganz besondere Verbindung ein“, schreibt er. „Und dann kommt hinzu: Nirgendwo sonst finden sich in einer Familie des 20. Jahrhunderts so viele geniale und talentierte Männer und Frauen, die ihre Zeit mit den unterschiedlichsten künstlerischen Temperamenten in Worte gefasst und teilweise mitgestaltet haben.“

Ihre persönlichen Schicksale und Leistungen werden ein Spiegel der Weimarer Republik, des Exils, der Kriegs- und Nachkriegszeit. Die Biographie unterstreicht, dass die Manns eine sehr talentierte und lange Zeit sehr privilegierte Familie waren, zeigt aber – bei allem Traditionsbewusstsein, das nicht nur Thomas Mann stets vorlebte – auch überraschend moderne Züge. Die starke Rolle der Frauen ist so ein Aspekt, auch die Tatsache, dass man es hier mit einer beinahe globalen Familie zu tun hat, die zu den wichtigen Stationen ihres Lebens beispielsweise Lübeck, München, die Schweiz, aber auch Italien, Kalifornien, London und Brasilien zählt.

Wunderbar komplementär zu diesem Überblick verhält sich die Sammlung der Texte von Julia, Viktor, Heinrich, Thomas, Katia, Erika, Klaus, Golo, Monika, Michael und Frido Mann sowie Elisabeth Mann-Borgese. Vier Generationen der Familie kommen also zu Wort, zu den ausgewählten Texten (die manchmal nur in Auszügen aufgenommen wurden) zählen legendäre Werke wie Der Untertan oder Tod in Venedig, aber auch literarisierte Tagebucheinträge und transkribierte Interviews. Das Ergebnis ist so etwas wie eine kollektive Autobiographie.

Stets gibt es eine gute Einführung zu den Kapiteln mit zentralen Eckdaten zum Leben des jeweiligen Autors und Anmerkungen zu den ausgewählten Texten. Spannend wird das nicht nur wegen der Einblicke in Familienleben, Finanzen, Sympathien, Eifersüchteleien und Rituale der Familie, sondern auch wegen der Bezugnahme der verschiedenen Autoren aufeinander. Die lässt zum einen einen sehr produktiven Wettbewerb im Hause Mann erkennen und verdeutlicht zum anderen das immense Familienbewusstsein der Manns, die sehr zutreffende Einschätzung, dass man als Autor mit diesem Nachnamen Teil einer Qualitätsmarke von Weltrang war (und auch zu sein hatte). Nicht zuletzt macht das Lesebuch, gerade bei den weniger prominenten Autoren, Lust darauf, noch mehr von ihrem Werk zu entdecken.

Das beste Zitat liefert Monika Mann: „Ich möchte sagen, das Werk meines Vaters ist mehr vergeistigte Form als geformter Geist. Es ist nicht wahr, dass Leben und Werk zwei sind, sie sind – und gerade bei ihm – eins. War nicht – wie sein großes Epos – auch sein Leben von der Form beherrscht, so sehr, dass es gleichsam mehr gelebte Form als geformtes Leben war?“

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