Durchgelesen: Dieter Hägermann – „Karl der Große“


Dieter Hägermanns Buch ist Biographie und Handbuch in einem.

Autor Dieter Hägermann
Titel Karl der Große. Herrscher des Abendlandes
Verlag List
Erscheinungsjahr 2000
Bewertung ****

Der Klappentext macht stutzig. „Eine für lange Zeit gültige, große Gesamtdarstellung“, lobt da „Die Zeit“. Andererseits rühmt „Die Welt“ aber „eine brillante Karls-Biographie“. Womit haben wir es nun zu tun? Mit einem allgemeinen Handbuch der Karolingerzeit samt ihrer sozialen, wirtschaftlichen und politischen Strukturen oder mit einer Lebensgeschichte des Kaisers samt Schilderung seines Charakters, seiner Leistung, seines Privatlebens?

Der Autor gibt die einzig einleuchtende Antwort bereits im Vorwort: „Der Gegensatz von Struktur- und Personengeschichte ist ein künstlicher konstruierter. Während Vorgänge in der Natur sehr weitgehend immanenten Gesetzen folgen, die unabhängig vom Betrachter sind, handelt Geschichte letztlich vom Menschen und dessen freien Entscheidungen, soweit das Handeln in einem vorgegebenen Rahmen von Raum und Zeit überhaupt ‚frei‘ sein kann.“ Das Buch ist also sowohl ein erhellendes Handbuch der Merowinger- und Karolingerzeit als auch eine lesenswerte Vita Karls.

Eine Trennung von beiden wäre, wie Hägermann zeigt, nicht nur unsinnig, sondern auf Grund der knappen Quellenlage auch kaum machbar. Gerade angesichts dieser spärlichen Basis überrascht, wie anschaulich und lebendig das Bild ist, das „Karl der Große – Herrscher des Abendlandes“ letztlich zeichnet.

Daneben beeindruckt Hägermanns argumentative Stärke beim Eingehen auf aktuelle Streitfragen der Forschung, in denen ihm (völlig zu Recht) die Skepsis am Ende doch immer lieber ist als eine neue These. Auch wegen dieser Aktualität: eine unbedingt empfehlenswerte Biographie.

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