Durchgelesen: Favel Parrett – „Jenseits der Untiefen“


Autor Favel Parrett

Jenseits der Untiefen Favel Parrett Kritik Rezension

Von einer Kindheit in Australien erzählt „Jenseits der Untiefen“.

Titel Jenseits der Untiefen
Verlag Hoffmann und Campe
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung

Favel Parrett, geboren 1974, erzählt in ihrem Debütroman aus dem Leben der Fischerfamilie Curren. Harry ist der jüngste Sohn und in gewisser Weise die Hauptfigur in Jenseits der Untiefen, Miles und Joe sind seine älteren Brüder. Seine Sommerferien verbringt Harry am liebsten, indem er Muscheln, Steine und Strandgut sammelt, Miles und Joe stürzen sich derweil mit ihren Surfbrettern in die Brandung. Es könnte eine Idylle sein – auch, weil Parrett in diesem Buch eine große Liebe zur Landschaft der tasmanischen Küste offenbart, in der sie selbst aufgewachsen ist, ohne auch nur in die Nähe der prahlerischen Schwülstigkeit aus Reiseführern zu kommen. Doch ihr Roman ist kein heiteres Sommerbüchlein, sondern düster, gefährlich und unberechenbar wie das Meer, das im Leben der drei Brüder die zentrale Rolle spielt.

Mit schnörkelloser Sprache und oft in sehr kurzen Sätzen erzählt Parrett ihre Mitte der 1980er Jahre spielende Coming-Of-Age-Geschichte, für die sie unter anderem mit dem Newcomer Of The Year Australian Book Industry Award ausgezeichnet wurde. Der schroffen Sprache steht eine große Emotionalität gegenüber: Es gibt kaum eine Figur in Jenseits der Untiefen, die nicht größtes Mitleid verdient hätte.

Denn beinahe alles erscheint bedrohlich in dieser Welt, vor allem für den empfindsamen und kränklichen Harry: Das Meer mit den gefährlichen Strömungen beim Tauchen, den unter Wasser versteckten Felsen, die das Surfen halsbrecherisch machen können, und mit Haien, die den Fischerbooten bedrohlich nahe kommen. Ein einsames Haus im Wald, in dem ein noch einsamerer alter Mann wohnt. Die Zukunft, in der ein sich jetzt schon andeutendes neues Zeitalter lauert, das alles Vertraute ausradieren könnte. Die eigene Vergangenheit, in der Geheimnisse über die Familie schlummern, die niemand anzusprechen wagt. Selbst das Zuhause, in dem es an vielem fehlt, nur nicht an schlechter Laune des Vaters.

Aus all dem macht Parrett einen rührenden und sehr originellen Roman über die Ohnmacht der Kindheit, die Verbundenheit zur Heimat und die Kraft der Bruderliebe.

Bestes Zitat: „Ein Haus. Ein Gehöft. Eine Familie. Ein Heim. Eingeklemmt zwischen Wald und Bergen und dem weiten kalten Himmel. Und wozu war es gut?“

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