Durchgelesen: Gwendoline Riley – „Cold Water“


„Cold Water“ ist ein Bild des düsteren, trotzigen Manchester.

Autor Gwendoline Riley
Titel Cold Water
Verlag Schöffling
Erscheinungsjahr 2002
Bewertung **1/2

Kritiker quer durch alle Medien haben dieses Buch gefeiert. Gwendoline Riley, bei Erscheinen ihres Debüts gerade 23 Jahre alt, hat allerlei Preise dafür bekommen. Einen „brillanten und wunderschönen Roman“ hat etwa die Times „Cold Water“ genannt.

Doch diese Euphorie speist sich in erster Linie aus Romantik. Man kann sehr schön morgens in einer Londoner Redaktion sitzen, am Nachmittag die Kinder vom Fußballtraining abholen und abends ins Klavierkonzert gehen und dabei zugleich fasziniert sein vom düsteren, trostlosen, trotzigen Manchester. Und von blutjungen Kellnerinnen und abgehalfterten Stammgästen in Kneipen, die genauso düster, trostlos und trotzig sind wie die Stadt – bloß ein bisschen weniger nass. Denn diese beiden Elemente speisen diesen Roman.

Weil es außer Manchester und seinem Nachtleben kaum etwas gibt auf diesen gut 150 Seiten, ist das für alle ein bisschen belanglos, die entweder geographisch oder von ihrem Lebensabschnitt her noch ein Stückchen näher dran sind an diesem Milieu und an dem, was die 20-jährige Protagonistin Carmel hier erlebt: Romanzen und Routine, Bedenken und Besäufnisse.

Die Stimmung ist gut getroffen, und Riley gelingt ein eindrucksvolles Bild der Stadt, die nicht zufällig die Smiths und Joy Division hervorgebracht hat. Es gibt zwar kein Ziel, keine Erkenntnis, keine Antwort. Aber zum Ende hin zumindest eine Erklärung für den Antrieb: Sehnsucht. Wie bei den Kritikern.

Beste Stelle: „Und dann erzählte er mir einen Witz. Und ich kann mich nicht daran erinnern. Wissen Sie, ich würde alles geben, wenn ich mich an den Witz erinnern könnte.“

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