Durchgelesen: Haruki Murakami – „Gefährliche Geliebte“


„Gefährliche Geliebte“ ist lebendig – und hoch erotisch.

Autor Haruki Murakami
Titel Gefährliche Geliebte
Verlag btb-Verlag
Erscheinungsjahr 1992
Bewertung ****

Endlich, endlich darf auf dieser Seite auch einmal Marcel Reich-Ranicki auftauchen. Der fand nämlich, dass dieses Buch „ein hoch erotischer Roman“ ist, mit einer Liebesszene, wie er sie „seit Jahren nicht mehr gelesen“ habe. Das mit der Liebesszene lasse ich mal dahingestellt, da kenne ich mich nicht aus. Ein hoch erotischer Roman ist „Gefährliche Geliebte“ aber auf jeden Fall.

So sehr, wie sich die Hauptfigur Hajime in seiner Obsession für seine Jugendliebe verliert, so schnell taucht man sich in Murakamis Werk ein. Mindestens ebenso sehr wie die Liebe behandelt der Roman aber das Älterwerden, das Erinnern, Vergessen und Verdrängen.

Hajime weiß, dass er nicht aus seiner Haut kann, so sehr er sich auch bemüht. Er weiß, dass er eigentlich zufrieden und glücklich sein müsste, doch da ist stets dieser „Hunger“, den er nicht los wird. Dass er zerrissen ist, nicht aus Orientierungslosigkeit, sondern weil er genau weiß, was er will, macht die Figur so eindrucksvoll. Und lebendig.

Beste Stelle: „Das Gefühl, ihre Hand zu halten, hat mich nie wieder verlassen. Es war anders als bei jeder anderen Hand, die ich je gehalten hatte, anders als bei jeder Berührung, die ich je erlebt hatte. Es war lediglich die kleine, warme Hand eines zwölfjährigen Mädchens, aber diese fünf Finger, diese Handfläche waren wie eine Vitrine, die absolut alles enthielt, was ich wissen wollte – und was ich wissen musste. Indem sie meine Hand nahm, zeigte sie mir, was dieses ‚alles‘ war. Zeigte mir, dass es hier, in der realen Welt, einen solchen Ort gab.“

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