Durchgelesen: John Grisham – „Das Komplott“


"Das Komplott" ist spannend, politisch und wütend.

„Das Komplott“ ist spannend, politisch und wütend.

Autor John Grisham
Titel Das Komplott
Originaltitel The Racketeer
Verlag Heyne
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung

John Grisham ist Anwalt. Das hat ihm nicht nur geholfen, einige der erfolgreichsten Justizthriller der Geschichte zu schreiben. Es bedeutet auch: Unrecht ist diesem Mann ein Dorn im Auge.

John Grisham ist Patriot. Er identifiziert sich mit den USA so sehr, dass er einst für die Demokraten im Repräsentantenhaus von Mississippi gesessen hat und in Büchern wie Die Akte immer wieder die wahren amerikanischen Werte hochgehalten hat. Das bedeutet auch: Wenn dieses Land vor die Hunde geht, dann fühlt er sich ganz persönlich betroffen.

Die Kombination aus beidem ist der Treibstoff für seinen neusten Bestseller. Das Komplott ist sagenhaft spannend und voller spektakulärer, intelligenter Volten. Es ist aber auch ein Buch mit der klaren Botschaft: In diesem Land (und insbesondere in diesem Justizsystem) läuft einiges schief, und ich habe keine Lust, mich einfach damit abzufinden.

Der Roman erzählt die Geschichte von Malcolm Bannister. Er ist 43 Jahre alt, schwarz, sitzt seit fünf Jahren im Gefängnis und  hat fünf weitere Jahre in Haft vor sich. Seit er wegen eines Wirtschaftsdelikts verurteilt wurde, hat sich seine Frau scheiden lassen, hat er seinen Sohn nicht mehr zu Gesicht bekommen und seine Zulassung als Anwalt verloren. Das alles wäre schwer genug zu ertragen, wenn Bannister tatsächlich Geld gewaschen hätte, wie man es ihm vorwirft. Doch er ist unschuldig.

Als der Bundesrichter Ray Fawcett erschossen wird, sieht Bannister seine Chance gekommen, um endlich etwas an seinem Schicksal ändern zu können: Durch Knastbeziehungen kennt er die Identität des Mörders – ganz im Gegenteil zum FBI, das bei den Ermittlungen völlig im Dunkeln tappt. Bannister will den Namen des Täters preisgeben, wenn er im Gegenzug frei kommt und ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen wird. Das große Feilschen zwischen Häftling und Ermittlern um einen solchen Deal wächst sich zu einer Intrige ungeahnten Ausmaßes aus.

Schon nach ein paar Seiten schafft es Grisham, dass man als Leser mit Malcolm Bannister fühlt. Ohne großes Pathos fängt er Einsamkeit und Monotonie des Gefängnisalltags ein, die um ein Vielfaches schlimmer werden durch den Gedanken, dass man all das nicht verdient hat. Seine Hauptfigur ist durch diese Erfahrung ein Schlitzohr ohne jeden Willen zur Nachsicht geworden: Bannister misstraut jedem, den er trifft. Er weiß, dass die Welt, die ihn umgibt, durch und durch korrupt und moralisch verkommen ist, und vom Staat will er erst recht nichts mehr wissen. Nur in einem Punkt kennt er Idealismus: Er will Wiedergutmachung für das, was ihm widerfahren ist.

Neben dem Reiz, den diese Entschlossenheit entwickelt, profitiert Das Komplott auch von seinem Umfang: Die Handlung nimmt schnell Fahrt auf, schon nach wenigen Seiten ist der Thriller ungemein komplex. Doch natürlich hat Grisham da sein Pulver noch längst nicht verschossen. Der Nervenkitzel für den Leser entsteht zu diesem Zeitpunkt und im weiteren Verlauf der Lektüre auch dadurch, dass man weiß, dass schon viel Überraschendes passiert ist in diesem Buch – und trotzdem noch ein paar Hundert Seiten folgen.

An einigen Stellen wird Grisham beinahe explizit politisch und liefert etliche Anspielungen auf die Wall Street, Kreditkartenleichtsinn, heikle Hypothekengeschäfte und andere treibende Kräfte der Finanzkrise. Auch Malcolm Bannister ist letztlich ein Opfer dieser Machenschaften (und seiner eigenen Gutgläubigkeit) geworden. Jetzt kennt er selbst keine Skrupel mehr und hat zudem gelernt, wie berechenbar die Gier der Menschen ist. Mit diesem Wissen spielt er alle gegeneinander aus, die ihm nicht gewachsen sind – sowohl auf Seite der Staatsgewalt als auch bei Gangstern, die für ihn zu Komplizen, Informanten oder Bauernopfern werden. Das Komplott erzählt damit nicht nur vom Kampf um Gerechtigkeit, sondern wird auch ein Buch gegen die Dummheit.

Bestes Zitat: „Während ich weggeführt wurde, warf ich einen letzten Blick zurück. Ich habe das hundertmal in Kinofilmen, TV-Serien und Fernsehübertragungen echter Verhandlungen gesehen – der letzte, verzweifelte Blick des Verurteilten. Was denkt man, wenn man den Gerichtssaal verlässt und weiß, dass man nicht mehr nach Hause gehen wird? Die Wahrheit ist, dass man viel zu durcheinander ist. Es gehen einem zu viele Gedanken durch den Kopf, man ist zu verängstigt, wütend und überwältigt von seinen Gefühlen, als dass man verstehen könnte, was da geschieht.“

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