Durchgelesen: Kathrin Passig, Aleks Scholz – „Lexikon des Unwissens“


Autoren Kathrin Passig, Aleks Scholz

Cover des Buchs "Lexikon des Unwissens" von Kathrin Passig und Aleks Scholz

Die großen Rätsel der Forschung versammelt das „Lexikon des Unwissens“.

Titel Lexikon des Unwissens. Worauf es bisher keine Antwort gab.
Verlag Rowohlt Berlin
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung

Meine drei liebsten Beiträge zur Kategorie „Unnützes Wissen“:

  1. Für das Substantiv „Synonym“ gibt es kein passendes Synonym.
  2. Im letzten Film von Marlene Dietrich, Schöner Gigolo, armer Gigolo, spielte auch David Bowie mit.
  3. David Hasselhoff hat in Österreich mehr Platten verkauft als Falco und in der Schweiz mehr als DJ Bobo.

Man könnte nun glauben, Kathrin Passig, Bachmann-Preisträgerin und Internet-Expertin, und Aleks Scholz, Astronom und ebenso wie Passig lange bei der «Riesenmaschine» aktiv, wollten sich mit diesem 2007 erschienenen Buch an den damals (und in abgeschwächter Form noch heute) beliebten Trend zur Sammlung allerlei unterhaltsamer Faktenschnipsel dranhängen. Dann hätte man allerdings falsch gelesen: Es geht hier nicht um unnützes Wissen, sondern um Unwissen. Also: um ungelöste Probleme, um ultimative Rätsel der Forschung und um den lästigen Effekt, das mit jeder neuen wissenschaftlichen Erkenntnis gleich wieder zig neue Fragen auftauchen. „Was wir wissen, ist ein Tropfen. Was wir nicht wissen, ist ein Ozean“, hat Isaac Newton dieses Verhältnis einmal zusammengefasst.

Einige der großen Fragen der Menschheit gehören in diesem Buch dazu (die Elementarteilchen und die Ursache für das Leben auf der Erde), auch etliche skurrile Anekdoten (die Diskussionen um die weibliche Ejakulation oder die Forschungen zum optimalen Trinkgeld-Betrag) und viele Bereiche, in denen man als Leser im höchsten Maße überrascht ist, dass deren Grundlagen tatsächlich noch nicht erforscht bzw. verstanden sind (etwa die Frage, wie genau Anästhesie eigentlich funktioniert, oder warum Klebstoff klebt).

„Das Lexikon des Unwissens ist das erste Buch, nach dessen Lektüre man weniger weiß als zuvor – das aber auf sehr hohem Niveau“, geben Kathrin Passig und Aleks Scholz dem Leser zu Beginn zum Geleit, und das ist nicht zu viel versprochen. Die 42 Themen sind durchweg anschaulich erklärt, unterhaltsam formuliert, und mit einem Hang zum Abseitigen recherchiert. Sehr hilfreich und lobenswert ist auch das kommentierte Verzeichnis ausgewählter Quellen, das die Autoren für all jene mitliefern, die weiter recherchieren möchten.

Manchmal will das Lexikon des Unwissens leider auch dort witzig sein, wo es gar nicht nötig wäre, weil die falschen Thesen, exotischen Klärungsversuche und historischen Denkfehler schon lustig genug sind. Ansonsten liefert das Buch aber Populärwissenschaft im besten Sinne (mittlerweile ist mit Das neue Lexikon des Unwissens übrigens bereits ein Nachfolger auf dem Markt).

Eine lohnende Lektüre wäre das Buch darüber hinaus auch für all jene Wissenschaftler, die ihre neusten Erkenntnisse allzu spektakulär verkaufen oder ihnen nicht genehme Theorien allzu vehement ablehnen. Denn die zahlreichen Irrtümer, Überraschungen und notorisch schwer zu knackenden Forschungs-Nüsse im Lexikon des Unwissens lehren so etwas wie Demut vor den Gegenständen, Lebewesen und Phänomenen, die da untersucht werden. Sie betonen eindrücklich die Vorläufigkeit allen Wissens und sie zeigen nicht zuletzt, wie winzig unsere Erkenntnis über die Welt nach wie vor ist. Vielleicht ist das sogar gut so. „Wenn wir alles wüssten, könnten wir das Leben nicht eine Stunde lang ertragen“, hat der französische Literatur-Nobelpreisträger Anatole France einmal gemeint.

Bestes Zitat: „Vielleicht sind offene Fragen einfach die Grundbausteine der Materie.“

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