Durchgelesen: Louis Begley – „Mistlers Abschied“


Tod in Venedig? Louis Begley wandelt auf den Spuren von Thomas Mann.

Autor Louis Begley
Titel Mistlers Abschied
Verlag List
Erscheinungsjahr 1998
Bewertung ***1/2

Der Tod und Venedig sind zentrale Themen in Louis Begleys Roman. Denn Thomas Mistler, erfolgreicher Chef einer Werbeagentur, hat nur noch ein paar Monate zu leben, bis der Leberkrebs ihn besiegen wird. Die Zeit, die ihm bleibt, will Mistler in seiner Lieblingsstadt verbringen.

Und in Venedig wird er heimgesucht: von einem unstillbaren Hunger nach Leben, der ihn sich in eine Liebesaffäre stürzen lässt, und den Geistern der Vergangenheit, die ihn fast noch mehr umtreiben.

Wie eindringlich Begley beides zeigt, ist die Stärke dieses Buches. Mistler, der sich sehr gut kennt und von sich selbst behauptet, ein rationaler Mensch zu sein und nicht besonders am Leben zu hängen, giert nach jedem Tropfen unsinnigen Vergnügens. Noch rührender sind aber seine Versuche, etwas zu erreichen, was ihm Abenteuer mit jungen Frauen, geschäftlicher Erfolg und Macht über Andere nicht bieten können: Segen.

In der Stadt, in der Tizian und Tiepolo allgegenwärtig sind, überkommen ihn religiöse Horrovisionen, schreckliche Träume vom jüngsten Gericht und die Gewissheit, dass er nicht sterben darf, ohne noch ein paar Dinge zu klären. Die Beziehung zum verstorbenen Vater gehört dazu, zu alten Freunden und zum eigenen Sohn. Wie Mistler in einem Brief an Sam über seinen eigenen Schatten springt und im Angesicht des Todes seinen Stolz endlich fahren lässt, ist ein großer Moment.

Beste Stelle: „Aber wie würde Sam zumute sein, wenn er es erfahren hatte? Er brauchte dann vielleicht jemanden, an dem er sich festhalten konnte, jemanden, der nicht starb und nicht seine Mutter war. Einen Menschen, zu dem er nachts ins Bett kriechen konnte.“

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