Durchgelesen: Luciano Canfora – „Caesar“


Die Biographie wird eher Quellenkritik als Lebensbeschreibung.

Autor Luciano Canfora
Titel Caesar. Der demokratische Diktator
Verlag C. H. Beck
Erscheinungsjahr 1999
Bewertung **1/2

Luciano Canfora weiß, mit wem er sich auf diesem Terrain misst. Die angesehensten Historiker haben Caesars Wirken analysiert und ihm die Romanisierung des keltischen Europas und die Entstehung einer universalen Monarchie im Alten Rom zugeschrieben. Sie haben längst erkannt, dass seine Machtbasis zunächst die Partei der Popularen war, nach dem Gallien-Feldzug dann die eigenen Legionen.

Auch viele großer Herrscher haben sich mit Caesars Leben beschäftigt. Napoleon Bonaparte und Napoleon III., Karl V., Heinrich IV., Ludwig XIV, um nur einige zu nennen. Canfora weiß auch, dass die Überlieferung „eigentlich schon von Anfang an“, also in Caesars commentarii manipuliert ist. Er wagt sich dennoch in dieses Gebiet – und er darf es tun, weil er ein ausgezeichneter Kenner der antiken Texte ist.

Dies ist die Stärke von „Caesar. Der demokratische Diktator“, aber auch seine Schwäche. Denn öfter hat das Buch mehr von einer ausführlichen Quellenkritik als von einer Lebensbeschreibung.

Thematisiert wird zuerst der Zerfall der Römischen Republik, dann erst die Person Caesars. Der Leser erfährt deshalb eher, was Caesar tat und weniger, wer Caesar war. Dank Canforas exzellenter Kenntnis und Darstellung der Quellenlage werden dafür aber auch Caesars Motive klar.

Für Lateiner ist diese anspruchsvolle Lektüre eine helle Freude, für den historischen Laien hingegen ein schwerer Brocken (trotz des vorzüglichen Anhangs mit Kurzbiografien der wichtigsten Personen aus dem Umfeld Caesars, einer Chronologie und einem Glossar). Anschaulich oder gar populär ist diese Biografie nicht. Canfora überzeugt stattdessen vor allem dann, wenn er bewertet und einordnet. So legt er aktuelle Fragen und Streitfälle der Forschung dar und interpretiert sie streng und schlüssig anhand der Quellen.

Manchmal schweift er allerdings auch extra vom Thema ab, um seine Ansichten zu diesen Problemen darlegen zu können. Canfora will einige Male lieber diskutieren als schildern. Nicht nur dann fragt man sich, ob die Biografie eigentlich die richtige Form für die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit ist. Hätte er stattdessen ein Handbuch über die Geschichte Roms zur Zeit Caesars geschrieben, hätte man an diesem Werk kaum etwas auszusetzen.

Beste Stelle: „Caesars außergewöhnliche Fähigkeit bestand darin, auf beiden Ebenen zu agieren: als geschickter Parteiführerim politischen Tageskampf und als weitsichtiger Gesetzgeber. Eine Mischung aus Kleingeisterei und Größe.“

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