Durchgelesen: Maike Wetzel – „Lange Tage“


 

Maike Wetzels Geschichten haben keinen Anfang und kein Ende.

Autor Maike Wetzel
Titel Lange Tage
Verlag Collection S. Fischer
Erscheinungsjahr 2003
Bewertung ****

Nach ihren mehrfach ausgezeichneten „Hochzeiten“ legt Maike Wetzel mit „Lange Tage“ erneut eine Sammlung von Erzählungen vor. Wieder haben ihre Geschichten keinen Anfang und kein Ende. Sie passieren einfach, und dann sind sie passiert (im wahrsten Wortsinne).

Nicht nur diese Technik lässt an Judith Hermann denken. Wo die in „Sommerhaus, später“ das Leitmotiv der verpassten Chance variiert hatte, dreht sich in Maike Wetzels „Lange Tage“ alles um Kommunikation, die am Gegenüber vorbeiläuft. Hilflosigkeit der Protagonisten ist nicht selten das Resultat.

Doch im Gegensatz zu Judith Hermann sind Personen, Themen und Schauplätze hier alltäglicher, bodenständiger – und berühren deshalb mehr. Zu lieben fällt den Figuren manchmal zu leicht – umso schwerer ist es für sie, dabei glücklich zu werden.

In Maike Wetzels Charakteren schlummern Euphorie und Egoismus, sie stecken aber auch voller Angst und Unsicherheit. In den Erzählungen müssen sie sich entscheiden, wen sie mitnehmen, und wen sie am Rand des Weges liegen lassen. Man nennt das wohl: Erwachsenwerden.

Beste Stelle: „Ich habe sie nie zusammen gesehen, ich habe sie nur geträumt, Flip und Karla. Aber das war schwerer auszuhalten. Wenn man träumt, kann man die Augen nicht mehr schließen.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.