Durchgelesen: Stefan Maelck – „Pop essen Mauer auf“


„Pop essen Mauer auf“ ist amüsant und hintergründig – aber auch selbstverliebt.

Autor Stefan Maelck
Titel Pop essen Mauer auf
Verlag RoRoRo
Erscheinungsjahr 2006
Bewertung ****

Kaum eine andere Spezies ist so selbstverliebt wie die des Musikliebhabers. Diese Erkenntnis scheint zunächst auch „Pop essen Mauer auf. Wie der Kommunismus den Pop erfand und sich damit selbst abschaffte“ zu bestätigen. Am Beginn erweckt Stefan Maelck den Eindruck, dass er hier einfach nur die Gelegenheit ergreifen will, endlich mal alles über Musik zu sagen, was er schon immer sagen wollte (und das ist eine Menge). Und endlich allen von der Großartigkeit seiner Helden zu erzählen, die bisher niemanden groß interessiert haben – aus gutem Grund.

Doch dann beginnt er, seine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte des Musikjournalisten Ludger Bauer, der die legendäre Hartholz-Akte findet und daraus schließt, dass in der DDR der Rock’n’Roll und so ziemlich alle anderen populären Musikstile der Nachkriegszeit erfunden wurden, und der sich auf die Suche nach den Leuten macht, die dahinter stecken.

Der Autor versteht es nicht nur famos, den staatstragenden Sozialismus-Kauderwelsch zu imitieren, wenn er aus der Akte zitiert. Er schafft es mit vielen Anspielungen auf Popkultur und Kalten Krieg auch schnell, eine Geschichte zu entspinnen, die ebenso amüsant wie hintergründig ist.
Die Idee mit Margot Honeckers Hüfttransplantation oder die Passage, in der erklärt wird, was die Puhdys mit „Street Fighting Man“ zu tun haben, sind einfach urkomisch.

Beste Stelle: „Bohlens Musik ist das Gegenteil dessen, worum es im Leben geht. Sie verneint Toleranz, Großzügigkeit, Sinnlichkeit und Lust, die einzige Tugend, die sie hat, ist Pragmatismus.“

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