Durchgelesen: Stuart David – „Peacocks Manifest“


 

Stuart David entpuppt sich als Meister des subtilen Humors.

Autor Stuart David
Titel Peacocks Manifest
Verlag Eichborn
Erscheinungsjahr 2003
Bewertung ***1/2

Dass Stuart David ein hervorragender Geschichtenerzähler ist, ahnte man bereits. Immerhin hat der Schotte die unersetzlichen Belle and Sebastian gegründet und in dieser Band einst Bass gespielt. In deren Songs wie „The stars of track and field“, „Me and the major“ oder „It could have been a brilliant career“ steckte schon immer nicht nur eine bezaubernde Folkpop-Herrlichkeit, sondern auch eine ganze Menge lyrisches Potenzial.

Inzwischen hat Stuart David die Band verlassen und veröffentlicht nun seinen zweiten Roman. Das 2002 erschienene Debüt „Wie Nalda sagt“ brachte die Times schon zur Vermutung: „Pop music’s loss could well be literature’s gain.“ Dafür liefert Stuart David nun mit „Peacocks Manifest“ ein paar weitere Argumente. Wie im Vorgänger (und in den Songs von Belle and Sebastian) erweist sich der 34-jährige Schotte als exzellenter Beobachter und Meister des subtilen Humors.

Schon die Idee ist grandios: Ein Glasgower Ganove namens Peacock Johnson hat zwar keine Ahnung vom Musikgeschäft, aber er ist sich sicher: Eine Dance-Version von Glen Campbells „Rhinestone cowboy“ muss ein Riesenerfolg werden. Mit seinem genialen Plan macht er sich auf nach Amerika, um dort mit der Hilfe von Evil Bob den ultimativen Hit auf Platte zu pressen.

Weil das nicht so einfach ist, wie die beiden dachten, müssen sie quer über den Kontinent fahren. Schließlich kommt Peacocks Frau hinzu. Auch sie träumt den amerikanischen Traum – und macht das Chaos perfekt.

Der Autor nennt sein Werk eine „Roadnovel“ und zeigt darin Bilder von Amerika, die verstehen lassen, warum Peacock genauso fasziniert wie abgestoßen von diesem Land ist. Davids Sprache ist vollkommen unprätentiös, die Handlung nicht einmal sonderlich spannend. Doch seine Charaktere sind solch sympathische Verlierer, dass man unbedingt wissen möchte, was ihnen als nächstes passiert. Am Ende siegt natürlich die Liebe (auch die Liebe zur Musik). Und wie in seinen Songs erweist sich Stuart David auch hier als Moralist wider Willen.

Beste Stelle: „Ich fühlte mich ein bisschen wie mein Onkel Tam. Oder wie ich meine, dass er sich gefühlt haben mag an dem Tag, als er sich für immer in die Scheiße geritten hat. Wenigstens, so lange er unterwegs war.“

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