Fatman


Film Fatman

Fatman Review Kritik

Der Weihnachtsmann (Mel Gibson) ist in der Sinnkrise.

Produktionsland USA
Jahr 2020
Spielzeit 100 Minuten
Regie Eshon Nelms, Ian Nelms
Hauptdarsteller*innen Mel Gibson, Marianne Jean-Baptiste, Walton Goggins, Chance Hurstfield
Bewertung

Worum geht’s?

Billy Wenan hat viel von dem, wovon andere Kinder träumen: ein großes Haus, reichlich Spielzeug, sogar eigene Bedienstete. Allerdings ist er kein allzu gut erzogener Junge. Er fälscht die Unterschrift seiner Oma, um damit Schecks auszustellen. Die Geschenke seines Vaters, die stets per Post eintreffen, weil der lieber mit seiner neuen Freundin durch die Welt jettet statt sich um seinen Sohn zu kümmern, wirft er achtlos in die Ecke. Und als ihm eine Klassenkameradin beim Wissenschafts-Wettbewerb der Grundschule den Sieg wegschnappt, droht er ihr mit Folter und tödlicher Rache an ihrer ganzen Familie. Am Heiligabend bringt ihm der Weihnachtsmann deshalb nicht die Geschenke, die Billy auf seinem Wunschzettel notiert hat, sondern das, was alle unartigen Kinder bekommen: ein Stück Kohle. Billy ist mächtig sauer und engagiert einen Profikiller mit dem Auftrag, den Weihnachtsmann zu töten. Der hat selbst noch eine Rechnung mit Santa Claus offen und willigt deshalb gerne ein. Allerdings muss er schnell feststellen: Der Weihnachtsmann ist gar nicht so leicht ausfindig zu machen – und er wird auch noch vom US-Militär beschützt.

Das sagt shitesite:

Der Weihnachtsmann wohnt am Nordpol. Er bringt die Geschenke, alle in einer einzigen Nacht, und reist dabei in einem Schlitten, der von Rentieren gezogen wird. Seine Elfen produzieren das Spielzeug, das sich die Kinder auf ihren Wunschzetteln notiert haben. Er weiß genau, welches Kind brav war und welches nicht. Und er freut sich, wenn man ihm ein paar Kekse hinstellt, während er in aller Heimlichkeit für die Bescherung sorgt. Dass Fatman all dies so ernst nimmt wie ein Kind, das tatsächlich an den Weihnachtsmann glaubt, ist die größte Stärke des Films. Es wird nicht hinterfragt, schon gar nicht karikiert. Stattdessen erfolgt ein Versuch, diese Ausgangssituation auf die Realität des 21. Jahrhunderts zu übertragen, mit ziemlich bizarren Ergebnissen.

So treffen wir auf einen Santa Claus (bürgerlich: Chris Cringle), der Sex hat, sich nachmittags in der Kneipe schon einen Schnaps genehmigt, auf seiner Ranch gerne Schießübungen auf leere Coladosen macht und sich boxend am Sandsack fit hält, um all den Stress zu bewältigen. Seine Arbeitsbelastung ist schließlich beträchtlich, sogar so groß, dass er ständig schlechte Laune hat und in eine Sinnkrise geraten ist. Erstens findet er kaum noch irgendwo echte, besinnliche Weihnachtsstimmung. Zweitens wird er von der Regierung bezahlt und hat das Kleingedruckte im Vertrag übersehen: Er bekommt einen Zuschuss für jedes Geschenk, das er ausliefert. Weil aber immer mehr böse Kinder bloß einen Kohlebrocken bekommen statt eines Geschenks, sinken seine Einnahmen und er kann kaum noch seine Kosten decken.

Mel Gibson hat sichtlich Vergnügen an dieser Rolle als leicht verbitterter Fatman, der wie ein Logistik-Unternehmer mit einem Heer an Elfen agiert und schließlich einen fragwürdigen Deal mit dem US-Militär eingehen muss, damit diese nicht ihre Jobs verlieren: Zwei Monate lang produzieren die Elfen nun Teile für Kampfflugzeuge statt Kinderspielzeug, in dieser Zeit wird die Fabrik am Nordpol streng bewacht. So kann es, als Auftragskiller Jonathan Miller den Weihnachtsmann tatsächlich aufgespürt hat, zu reichlich Geballer und sogar einem Massaker kommen, das man zu Beginn des Films beim besten Willen nicht hat kommen sehen.

Damit sind wir allerdings auch schon beim Problem von Fatman: Das Duo aus Eshom Nelms und Ian Nelms, das Drehbuch und Regie übernommen hat, verzettelt sich hier zwischen harter Action, zynischer Groteske, absurdem Trash und Komödie mit weihnachtlicher Botschaft. Es gibt einen starken Cast und ein paar gute Ideen wie die seltsame Vorliebe des Killers für kuschelige Hamster oder die liebevolle Ehefrau von Chris, die ihm auch dann tröstend zur Seite steht, wenn er beim Ausliefern der Geschenke mal wieder ein paar Schusswunden abbekommen hat. Es gibt sogar ein paar Seitenhiebe auf die Kommerzialisierung des Fests der Liebe und auf die US-Armee, deren Soldaten wortwörtlich zu dumm sind, einen Nagel in ein Brett zu schlagen, und deren Führungskräfte hier neidisch auf die perfekt organisierte und hoch motivierte Truppe aus Elfen schauen. Auch die Rolle der Kinder darf man hier als Gesellschaftskritik verstehen: Der 12-jährige Billy ist zwar ein durchtriebener Satansbraten, der glaubt, nur wie ein knallharter Geschäftsmann durchs Leben kommen zu können. Aber er ist eben auch das Opfer einer von Egoismus und Materialismus geprägten Gesellschaft der Erwachsenen.

Doch letztlich ist Fatman nicht mutig genug, um in irgendeinem der hier vermengten Genres zu überzeugen. Das liegt auch daran, dass es eben doch ein paar logische Probleme mit sich bringt, wenn man die Weihnachtsgeschichte wie eine Tatsache behandelt. Warum wird der Weihnachtsmann von der US-Regierung bezahlt, lebt aber in Kanada? Wer beliefert eigentlich all die anderen Kinder auf der Welt? Warum engagiert das US-Militär ihn und seine Elfen ausgerechnet, um wie in einer Billiglöhnerfabrik neue Teile für ein Flugzeug zu bauen, statt seine Superkräfte zum Erkennen der moralischen Reinheit jeder beliebigen Person zu nutzen, die viel wertvoller für die Regierung sein könnten? Keine dieser Fragen kann der Film schlüssig beantworten und letztlich nutzt er die Möglichkeiten nicht konsequent aus, die in seiner Grundidee angelegt waren. Immerhin: Fatman verschont sein Publikum mit irgendeinem Bezug auf Christentum und Religion.

Bestes Zitat:

„Nächstenliebe ist nichts, was man steuerlich absetzen kann.“

Der Trailer zum Film.

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