Forkupines – „Here, Away From“


Künstler Forkupines

Forkupines Here, Away From Review Kritik

Reife und Frische vereinen Forkupines auf „Here, Away From“.

Album Here, Away From
Label Midsummer Records
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Sagenhafte 76 Monate haben Forkupines aus Braunschweig zwischen der Gründung ihrer Band im Frühjahr 2011 und der Veröffentlichung des Debütalbums im Herbst 2017 vergehen lassen. Natürlich waren Simon Skott (Gesang/Gitarre), Jens Kaufmann (Bass) und Christian Ermisch (Schlagzeug) in der Zeit dazwischen keineswegs untätig, unter anderem stehen zwei EPs und rund 150 Auftritte zu Buche – und schließlich ist das Trio ja nicht hauptberuflich als Band unterwegs. Trotzdem könnte man bei einer so langen Anlaufphase die Befürchtung haben, Forkupines könne auf dem Weg zum ersten Longplayer vielleicht die Unmittelbarkeit verloren gegangen sein.

Wie unbegründet diese Skepsis ist, macht Here, Away From bereits binnen weniger Sekunden klar. The Perfect Match eröffnet die Platte frisch, inspiriert und voller Überzeugung. Zugleich gibt der Song mit „We were the perfect match / that’s why we burned out“ schon ein lyrisches Leitmotiv der Platte vor: Es geht hier häufig, wie später beispielsweise auch in Paper Towns, um Gefühle, Versprechen und Beziehungen, die sich abnutzen (oder schon ohne die nötige Aufrichtigkeit begonnen wurden). Put Me Through behandelt eine Beziehung, die sich nicht retten lässt und womöglich nicht einmal gerettet werden sollte, und offenbart dabei viel Kraft und Energie, aber auch Wut und Reue, die freilich nie die Oberhand über das Geschehen gewinnen.

Crows lebt als zweites Stücke des Albums vom straighten Schlagzeug, auch aus der Gitarre spricht eine große Lust auf Rock, natürlich (nicht nur im Text) ohne den Macho-Stumpfsinn, den man manchmal mit diesen vier Buchstaben verbindet. Ohnehin zeigen Forkupines hier in vielen Momenten, dass sie die große Geste à la Biffy Clyro bestens beherrschen. Crosses, Gates And Debt beweist solch eine klasse Dramaturgie, ein Song wie The Good Fight steht Vorbildern wie Jimmy Eat World in nichts nach.

One By One reduziert etwas das Tempo, aber keineswegs die Leidenschaft, Wishful Drinking vereint Punch und Melodie, ist komplex und auf den Punkt, By The Sea setzt stärker auf die Wirkung des (Harmonie-)Gesangs, rund um die Erkenntnis „In the end, it’s my choice to be lonely.“ Die erste Minute von Everything I’ve Become verzichtet noch auf Gesang, aber schon da ist der Song hoch spannend. Als Simon Skott dann unter anderem die Zeile „I’d never thought that this is what I’d be at 23“ singt, sprechen daraus Reflexion, Ehrlichkeit und das (nicht nur im Emo) keineswegs selbstverständliche Bestreben, das eigene Verhalten und den eigenen Charakter immer wieder an den eigenen ethischen und moralischen Ansprüchen zu messen. Auch im Album-Schlusspunkt Stay The Night zeigen Forkupines rund um die Zeile „I have learned my lessons seven times“ ein weiteres zentrales Element ihres beträchtlichen Appeals: Sie zeigen Gefühle, aber das ist bei ihnen nicht wehleidig, sondern einfach Resultat daraus, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.

Für das Video von By The Sea haben Forkupines noch Futzi als Verstärkung geholt.

Website von Forkupines.

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