Futter für die Ohren mit Art Brut, Mariah Carey, Lina, Tin Tin und Kati von Schwerin


Lina-Larissa Strahl Rebellin

Mit 20 legt Lina schon ihr drittes Album vor. Foto: Add On Music/Anne Wilk

„Richtig hohe Wellen / schlagen nur Rebellen“, hat Lina erkannt. Das scheint das Motto fürs dritte Album der 20-Jährigen zu sein. R3BELLIN wird die Platte heißen, die am 9. November erscheint. Natürlich wird man vom einstigen Kinderstar (sie spielte früher die Bibi in den Biba & Tina-Kinofilmen) nicht plötzlich Protestsongs à la Billy Bragg oder vertonten Widerstand im Stile von Rage Against The Machine erwarten. Die erste Single Rebellen (***) zeigt allerdings, dass der Sound von Lina, der schon auf dem Vorgänger Ego erstaunlich zeitgemäßen (und erwachsenenkompatiblen) Pop bereit hielt, zumindest etwas härter geworden ist und dass sie im Text („Sei gefälligst gefährlich“) und in der Optik (das Video verweist unverkennbar auf Mad Max) auch ein bisschen Lust auf Provokation hat. Mutig und laut war sie stets, auch das Bekenntnis zur Individualität war schon immer wichtiger Teil ihrer Songs – dieses Element steht jetzt noch stärker im Vordergrund. „Rebellion beginnt im Herzen. Ich möchte jeden darin bestärken, so zu sein, wie er sein möchte“, sagt Lina – nicht die schlechteste Botschaft an ihr (wohl auch langsam in ein rebellisches Alter kommendes) Publikum, wenn im Frühjahr die nächste Tour ansteht.

Mit GTFO gab es vor ein paar Wochen schon einen ersten Vorgeschmack auf das neue Album von Mariah Carey, nun lässt die Sängerin, die mit 18 Nummer-Eins-Hits die erfolgreichste Solokünstlerin aller Zeiten in den USA ist, mit With You (***1/2) die erste offizielle Single folgen. Während das Video in jeder Sekunde schreit „Schaut mal, wie schlank, glatt und jugendlich ich mit 48 noch/wieder aussehe!“, ist das Lied, das Mariah Carey gerade erst bei den American Music Awards der Welt präsentiert hat, erfreulich weit weg vom immer nackteren, immer schrilleren Female-Pop-Mainstream. Den Beat kann man fast gar nicht als solchen bezeichnen, die Klavierakkorde sind bloß hingetupft, selbst der Refrain verkneift sich jede Art von Aufdringlichkeit, dafür darf die makellos Stimme strahlen. Und darum geht es bei ihr ja. Das klingt fast, als könnte ihr anstehender 15. Longplayer ein stilvolles Alterswerk werden.

Ebenfalls die erste Auskopplung der anstehenden neuen Platte gibt es seit Freitag von Kati von Schwerin. Bei ihr steht mit Inspired By The Riot zwar erst das zweite Album an, die Vorfreude ist vielerorten dennoch groß. „Man fühlt sich von ihnen so sehr gemeint, dass es fast schmerzt“, hat Linus Volkmann über die neuen Lieder der 1983 geborenen Wahl-Berlinerin geschrieben. Welche Wirkung das erzielen kann, zeigt das brandneue The Power Above (***): Es gibt eine Folk-Basis, getragenes Tempo und einen Gesang, der niemals hysterisch oder ekstatisch klingt, trotzdem ein aufwühlendes Bekenntnis dazu wird, nicht einzuknicken und sich allen Kämpfen des Lebens zu stellen.

Ihre erste Single überhaupt haben Tin Tin am 5. Oktober veröffentlicht. Glück (**1/2) ermahnt dazu, nicht in Grübeln (oder gar Routinen) zu verfallen, sondern die schönen Dinge des Lebens dort zu erkennen, wo sie sind. Entsprechend fluffig klingt die Musik, mit der das Duo aus Leipzig (Jacob Feustel und Sebastian Schütze) die Frage aufwirft, ob es wirklich eine Schnittmenge aus Drangsal, Münchner Freiheit, Von wegen Lisbeth und Stereo Total gibt. Im November soll eine EP mit dem verheißungsvollen Titel Aperitif folgen.

Zum Schluss noch ein paar sehr geschätzte Veteranen. Schon mit dem umwerfenden Vorab-Track Wham! Bang! Pow! Let’s Rock Out! haben Art Brut dafür gesorgt, dass man jede Sekunde verflucht, die noch zwischen Jetzt und dem Erscheinen ihres gleichnamigen fünften Studioalbums (kommt am 23. November heraus) liegt. Mit Hospital! (***1/2) gibt es nun einen weiteren Appetizer, der glücklicherweise nicht nach Krankenhausessen schmeckt, sondern nach Pizza und Alkopop. Die Geschichte dahinter ist nur halb so lustig: Das Lied entstand, als Frontmann Eddie Argos nach einer OP mit etlichen Komplikationen vier Wochen lang in einem deutschen Krankenhaus bleiben musste. „Es war der würdeloseste Monat meines Lebens“, sagt er rückblickend. Gut, wenn man so feine Songs (und so lustige Videos) daraus machen kann.

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