Futter für die Ohren mit Blood Red Shoes, Franz Ferdinand, Metronomy, Sparkling und Animal Collective


Blood Red Shoes Morbid Fascination

Blood Red Shoes haben sich von Serienkillern inspirieren lassen. Foto: verstaerker.com

Laura Mary Carter und Steven Ansell spielen seit 17 Jahren gemeinsam als Blood Red Shoes, ihr sechstes Studioalbum Ghosts On Tape (erscheint am 14. Januar 2022) bringt aber zwei Premieren mit sich. Zum einen kann man die von Tom Dalgety (Pixies, Royal Blood) produzierte Platte tatsächlich als Konzeptalbum betrachten, und zwar über ein durchaus abseitiges Thema: Serienmörder. Das hat damit zu tun, dass beide große Fans von True-Crime-Formaten sind, aber auch eine generelle Vorliebe für das Düstere haben, wie Ansell erklärt: „Dieses Album ist eine Einladung. Wir wollen damit sagen: Das ist unsere Welt, das sind unsere dunkelsten Gedanken und Gefühle – unsere Geister – die wir auf Band festgehalten haben. Ihr seid willkommen, euch uns anzuschließen. Kommt und umarmt das Fremde!“ Passend dazu heißt die erste Single Morbid Fascination (***1/2). Ein schroffes Keyboard-Riff prägt den Song ebenso wie ein tatsächlich morbides, träges Rhythmus-Fundament im Stile beispielsweise der White Lies. Auch der Gesang trägt natürlich zu einer doppelbödigen Stimmung zwischen Flirt und Bedrohung, Eruption und tief sitzendem Selbsthass bei. Die zweite Premiere für das Duo ist die Herausforderung, mit einer Pandemie klar kommen zu müssen. Ghosts On Tape wurde schon im März 2020 aufgenommen, lag seitdem aber auf Eis, weil keine Normalität und vor allem keine Möglichkeit zum Touren absehbar war, die für diese Band so elementar ist. Laura-Mary Carter hat zuletzt unter anderem den Podcast „Never Meet Your Idols“ gestartet und die am 3. Dezember erscheinende Soloplatte Town Called Nothing gemacht, Steven Ansell hat derweil elektronische (!) Musik beispielsweise für Circe, ARXX, Aiko und XCerts produziert. Im Sommer brachten Blood Red Shoes zudem die EP Ø heraus. Jetzt hoffen sie, dass die Welt bereit ist für Ghosts On Tape, auch im Live-Format: Im Rahmen der Europatournee sind im Februar 2022 auch Shows in Köln, Hamburg, Berlin und München geplant.

Noch ein bisschen länger währt bereits die Karriere von Franz Ferdinand, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiern. Die große Sause zum Jubiläum – in Form des Best-Of-Albums Hits To The Head, das am 11. März 2022 erscheint, und einer begleitenden Tour, die sie unter anderem am 1. Mai nach Leipzig führen wird – haben auch sie aus bekannten Gründen aufs neue Jahr verlegt. Dafür gibt es jetzt mit der Single Billy Goodbye (***1/2) aber bereits einen der beiden gemeinsam mit Stuart Price produzierten neuen Songs, die auf den Greatest Hits zu hören sein werden. In dem Song stecken mehr (nicht immer ganz schlüssig verknüpfte) Ideen, als manch andere Band in diesem Stadium ihrer Karriere mit viel Glück noch für ein gesamtes Album aufbringen kann. Die Strophe verbreitet den naiven Optimismus von Seventies-Boybands, auch Rockabilly scheint hier nicht nur die Frisur von Alex Kapranos beeinflusst zu haben. Dazu gibt es Elektronik, Wahnsinn, Coolness und natürlich Tanzbarkeit, von der sich die Partygäste im Videoclip gerne anstecken lassen. Über die Zusammenstellung der 20 Lieder für die Werkschau von Franz Ferdinand sagt Frontmann Alex Kapranos: „Es ist dasselbe, wie wenn man eine Setlist für ein Festival schreibt: Man will die Songs spielen, von denen man weiß, dass die Leute sie hören wollen. Die Hits. Bring die Hits in den Kopf! In das Herz! In die Füße! Das bedeutet offensichtliche Singles, aber auch Songs, von denen man weiß, dass sie sowohl für die Band als auch für das Publikum eine besondere Bedeutung haben, beispielsweise Outsiders.“ Die Sammlung der Hits To The Head wird mit Liner Notes von JD Beauvallet (Les Inrockuptibles) und exklusiven Fotos im Booklet als CD, Deluxe-CD, Doppel-LP und Kassette sowie diversen limitierten Formaten erhältlich sein.

Mit Franz Ferdinand haben Sparkling aus Köln neuerdings ein verbindendes Element: Ihre EP This Is My Life / Das ist mein Leben / C’est Ma Vie, die im Frühjahr 2022 auf Moshi Moshi Records erscheint, wurde unter anderem von Joe Goddard (Hot Chip) produziert, der bekanntlich auch schon für die Schotten tätig war. Das ist ein weiterer internationaler Ritterschlag für Levin Krasel, Leon Krasel und Luca Schüten, die zuletzt für das Album I Want To See Everything (2019) unter anderem im UK schon viel Lob erhalten hatten und beispielsweise eine Maida Vale Session für BBC Radio 1 spielen durften. Die Vorab-Single C’est Ma Vie (****) zeigt das Trio in weiterhin starker Form: Im Song sprechen sie sich selbst Mut zu, ohne dabei zu ignorieren, dass Zweifel, Fehler und Krisen zum Leben gehören. Der Sound ist entsprechend mitreißend, der Text in den richtigen Momenten plakativ – und dass sie das alles im Video gleich in drei Sprachen in die Welt hinausschreien, wirkt erstaunlicherweise nicht affektiert, sondern authentisch und befreiend.

Animal Collective packen zwar nicht drei Sprachen in einen Refrain, aber zwei Tracks in einen Song. Die neue Single Prester John (****) besteht aus zwei Teilen, einem von Avey Tare und einem von Panda Bear. Das fügt sich – wie bei diesem Quartett, das von Deakin und Geologist komplettiert wird, nicht anders zu erwarten – überaus harmonisch zusammen und entwickelt sich von entspannt über betörend bis hin zu rätselhaft. Das Video (Regie: Jason Lester), das Animal Collective mal in einer Höhle, mal unter Wasser, mal in einem Urwald zu zeigen scheint, passt ebenfalls perfekt zu dieser Atmosphäre. Prester John ist der erste Ausblick auf das neue Album Time Skiffs, das als Nachfolger von Painting With (2016) mit insgesamt neun Songs am 4. Februar erscheinen wird.

Auch Metronomy kehren im neuen Jahr mit einem neuen Werk zurück (ihr siebtes Studioalbum Small World ist für 18. Februar 2022 angekündigt). Mastermind Joseph Mount hat für den ersten Single-Vorboten den naheliegenden Titel It’s Good To Be Back (****) gewählt. „Ein Teil von mir dachte: ‚Was ist die lahmste Plattitüde, die die Leute nach den letzten zwei Jahren sagen werden?‘, aber gleichzeitig dachte ich daran, wie wahr es ist und wie es sich anfühlen könnte, Dinge wieder zu tun“, erklärt er dazu. Er muss sich keineswegs entschuldigen bei einem Song, der so mitreißend, ansteckend und clever ist. Auch das Video des Regie-Duos Dreamjob zeigt, wie wundervoll Metronomy hier mit den Routinen des Lebens im Allgemeinen und des Bandlebens im Besonderen spielen: Sie müssen immer wieder denselben Parcours durchlaufen und dabei so tun, als hätten sie mächtig Spaß dabei – bis sie sterben und alles wieder von vorne losgeht.

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