Futter für die Ohren mit Jenny Lewis, Bonaparte, The Head And The Heart, Small Feet und Delta Sleep


Jenny Lewis Red Bull & Hennessy Review Kritik

Jenny Lewis feiert ihr neues Album mit viel Prominenz. Foto: Warner Music/Autumn de Wilde

Persönlich bin ich ja der Ansicht, dass Red Bull grundsätzlich nur in Kombination mit Wodka verkauft werden sollte. Da Cognac pur aber auch ein fragwürdiges Vergnügen ist, kann man die Mischung Red Bull & Hennessy wohl ebenfalls gerade noch durchgehen lassen. Erst recht, wenn damit die neue Single von Jenny Lewis gemeint ist. Im Song (****) konkurrieren ihre Stimme und ein sehr prominentes Schlagzeug um die Rolle im Rampenlicht, wobei Letzteres natürlich spätestens im Refrain keine Chance mehr hat. Im Video spielt nicht nur Hollywood-Star Jeff Goldblum mit, sondern auch eine erlesene Reihe von Indie-Größen wie Beck, Danielle Haim, Mac DeMarco oder St. Vincent. Sie alle waren im Februar bei „On The Line Online — The Three Hour Listening Party & Fundraiser” dabei. Denn Red Bull & Hennessy ist natürlich dem gerade erschienenen Album On The Line entnommen, das beispielsweise von Pitchfork als das beste in der Karriere von Jenny Lewis gelobt wurde: Ihr viertes Album enthalte „einige ihrer stärksten Songs, die ergreifend gesungen und mit bissiger Detailgenauigkeit erzählt sind“, heißt es da. In der Tat erweist sich das Zusammentreffen von kalifornischem Hang zur großen Geste und einer sehr spürbaren Authentizität hier als sehr gelungener Cocktail.

Zwei Stargäste gibt es auch auf der neuen Single von Bonaparte. Farin Urlaub und Bela B. von den Ärzten wirken auf Big Data (***) mit. Es ist der zweite Vorbote für das Album Was Mir Passiert, das am 14. Juni erscheinen wird. „Hätte ich doch 1984 in Mathe aufgepasst“, ist nur eine von vielen cleveren Zeilen darin, der Sound ist so 2-Bit, wie es der Songtitel andeutet, und so irre, wie es die beiden Gäste vermuten lassen. Dass neuerdings auf Deutsch gesungen wird, ist die auffälligste Neuigkeit, nicht ignorieren sollte man indes auch die Tatsache, dass bei Bonaparte (nicht nur im Albumtitel) jetzt der Singular gebraucht wird. Was einst als multinationales Kollektiv begann, ist beim siebten Album bloß noch die Marke, unter der Tobias Jundt seine Musik unters Volk bringt. Empörend ist dieser Wandel natürlich in keiner Weise, schließlich war er stets die treibende kreative Kraft. Zudem ist sowohl der Wille zur Kooperation erhalten geblieben als auch der Blick auf die Musikwelt jenseits etablierter Szenen. Ein großer Teil der Platte entstand an der Elfenbeinküste. „Was ich in Abidjan erlebt habe, war wie ein Katalysator, eine überwältigende Erfahrung. Von der dortigen Musikszene geht eine wahnsinnige Energie aus“, sagt Tobias Jundt. „So ähnlich hab ich das vor 12 Jahren gespürt, als ich das erste Mal in Berlin angekommen bin“, meint der gebürtige Schweizer. Mit der Songwriterin Fatoumata Diawara und dem Streetstyle-Rapper Bop de Narr gibt es auch zwei afrikanische Gäste auf dem Album, außerdem ist auch Sophie Hunger mit von der Partie. Das dürfte wieder kunterbunt werden – am 19. November ist dann Tourauftakt in Leipzig.

Dort waren Small Feet gerade erst zu Gast, die Station im Horns Erben war das erste ihrer drei Deutschlandkonzerte. Die Schweden rund um Sänger Simon Stålhamre haben Ende März ihr Album With Psychic Powers veröffentlicht. Wie das klingt, zeigt die Single Masquerade (***1/2) sehr typisch. Es gibt Folkrock, der nicht weit weg ist von Neil Young, allerdings auf dem zweiten Album noch etwas freigeistiger interpretiert wird. Einen schönen Kontrast zum Retro-Sound bietet das Video, in dem sich zwei Partnersuchende gleich beim ersten Date in der Bar anzeigen lassen können, wie ihr gemeinsames Kind aussehen wird. „Ein kleines Wunderwerk“, hat Sounds & Books die in Stockholm aufgenommene Platte genannt, das erscheint angesichts dieser Kostprobe sehr zutreffend. Zweimal gibt es im Frühjahr noch die Chance, Small Feet bei uns live zu sehen: Am 15. April im Art Stalker (Berlin) und am 16. April im FZW (Dortmund).

Wo wir gerade bei Folkrock sind: The Head And The Heart werden am 17. Mai ihr neues Album Living Mirage vorlegen und haben mit der Single Missed Connections (***1/2) bereits einen ersten Vorboten am Start. Vor Beginn der Aufnahmen im Joshua Tree hat die Band einen ausgiebigen Prozess der Selbstreflexion durchlaufen, einschließlich einiger Umbesetzungen. So hat sich Gitarrist und Sänger Josiah Johnson verabschiedet, er wurde durch Matt Gervais ersetzt, den Ehemann von Violonistin und Sängerin Charity Rose Thielen. Zudem ist Keyboarder Kenny Hensley zurückgekehrt. Bassist Chris Zasche nennt diese Veränderungen die „Wiedergeburt, die Suche nach dem Geist der Band“. Dass darin allerdings auch Elemente von „schwere Geburt“ stecken, zeigt die Aussage von Sänger Jon Russel: „Wir haben noch nie so viel Arbeit in ein Album gesteckt.“ Der Sound scheint dabei näher an Pop gerückt zu sein. Das liegt wohl nicht nur am Sänger (die Stimme von Jon Russel hat weiterhin beträchtliche Ähnlichkeit mit der von Brandon Flowers), sondern auch an den Produzenten Tyler Johnson und Alex Salibian, die zuletzt etwa Harry Styles und Sam Smith zu ihrer Kundschaft zählten. Auch das Thema von Missed Connection passt: Der Song erzählt davon, wie Jon seine Freundin kennenlernte, von dem Hoffen und Bangen und dem folgenden Glück – The Head And The Heart sehen dahin eindeutig auch eine Parallele zum neuen Kapitel ihrer Bandgeschichte.

Nicht mehr weit hin ist es bis zum diesjährigen Record Store Day, der am 13. April in einer Musikhochburg wie Brighton sicher noch etwas ausgiebiger gefeiert wird als andernorts. Dort sind auch Delta Sleep zuhause, die schon jetzt ankündigen, was sie zu diesem Anlass geplant haben. Mit Ghost City Rarities wird eine exklusive 12″-EP mit vier Songs auf Big Scary Monsters erscheinen. Sie interpretieren darauf einige Stücke der aktuellen LP neu, bei zwei Songs wird der Gesang vom japanischen Math-Rock-Trios Tricot übernommen, so auch bei Sultans Of Ping (***1/2), das es nun schon vorab zu hören gibt. Den Zauber dieses Lieds verstärkt das fast noch und zur Idee von Delta Sleep, die Songs auf Ghost City bloß als Momentaufnahmen zu betrachten, passt es natürlich auch wunderbar. Auch auf der EP vertreten sein werden die Demos zu den Singles File und Sans Soleil. Ende April sind Delta Sleep dann in Deutschland unterwegs, es gibt vier Konzerte gemeinsam mit Mineral.

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