Futter für die Ohren mit Lenny, den Wombats, Tim Kamrad, Jenny Hval und Janelle Monáe


Lenny Enemy Kritik Rezension

In ihrer tschechischen Heimat ist Lenny ein Megastar. Foto: Add On Music/Aneta Vrkotova

Als Song des Jahres 2017 wurde Hell.o in Tschechien gewählt, der Heimat von Lenny. Jetzt folgt mit Enemy (**) eine neue Single. „Ich bin davon überzeugt, dass jeder seine eigene Interpretation der Thematik von Enemy hat. Für mich geht es in dem Song um den Konkurrenzkampf der heutigen Musikwelt, in der oft glattgebügelte Stars anstatt authentischer Menschen gesucht werden“, sagt die 24-Jährige, die bürgerlich Lenka Filipová heißt. Im Video streitet sie entsprechend mit ihrem niedlichen Alter Ego, später ist sie noch im Street-Look zu sehen und singt dazu: „I’m not going to lose my style / This is me and I’m comfortable with it.“ So richtig rund ist das nicht, auch wenn die Tschechin, die am Modern Music Institute in London studiert hat, selbst im Video reichlich Energie transportiert und der Song zumindest in der Middle-8 aufhorchen lässt. Insgesamt wirkt Enemy aber so plump und etwas verkrampft wie die meisten Songs beim ESC – als sitze der Single die Angst im Rücken, den Mega-Erfolg von Hell.o nicht wiederholen zu können.

„You could give an Aspirin the headache of its life“ – das ist nicht nur eine fein-charmante Boshaftigkeit, wie man sie von den Wombats schon lange liebt, sondern auch eine von vielen großartigen Zeilen in Turn (****1/2), der neuen Single des Trios. Den Song hatten sie schon als Vorgeschmack aufs wundervolle Album Beautiful People Will Ruin Your Life veröffentlicht, jetzt gibt es dazu auch ein Video (Regie: Brother Willis) mit etwas, das wie die Wachsfigur der hier besungenen Dame aussieht, Sänger Matthew „Murph“ Murphy im Samtanzug mit passendem Einstecktuch und dazu noch einem Verweis auf Drake. Natürlich formidable Kost für Indie-Melancholiker. Ein Fest.

Auch Words 4 U (***) gibt es als Tonspur schon eine Weile, die zweite Singleauskopplung aus dem Debütalbum von Tim Kamrad erschien im Februar. Jetzt hat der Wuppertaler ebenfalls ein Video nachgelegt, in dem unter anderem sein Hund erzählen darf, wie er das Lied findet. „Ich hatte den Bass in der Hand und die Bassline für den Refrain vorgeschlagen und plötzlich wussten wir, wohin die Reise geht. Das Songwriting lief dabei fast von alleine“, erinnert sich der 21-Jährige an die Entstehung des Stücks. „Dieser Song macht genau das mit mir, was ich mir von meinen Songs wünsche. Er schafft es immer wieder meine Aufmerksamkeit zu bekommen und verbindet musikalisch verschiedenste Elemente miteinander.“ Das ist zwar nicht ganz so meisterhaft umgesetzt wie etwa beim geistesverwandten Roosevelt, und auch bis zum angesichts des Mixes aus Funk und RnB womöglich angestrebten Ehrentitel als „der deutsche Justin Timberlake“ ist es noch ein gutes Stück hin, aber solide und angenehm ist das allemal. Im September darf man sich überzeugen, wie das live klingt, am 17. September schaut Tim Kamrad dabei auch im Leipziger Täubchenthal vorbei.

Erstmal nur als „Official Audio“ gibt es Spells (***), die erste Kostprobe aus der neuen EP von Jenny Hval. Die Norwegerin hat dabei verschiedene Motive ausgesucht, die sie in allen Stücken der EP verwendet, jeweils unterschiedlich bearbeitet – im Ergebnis soll sowohl die Struktur eines Songs als auch der Prozess des Songwritings selbst möglichst transparent werden. Anhand eines einzelnen Tracks lässt sich dieser Effekt zwar naturgemäß schwer nachvollziehen, dennoch deutet Spells bereits an, was die wichtigste Erkenntnis dieses Experiments sein könnte: Es gibt ein Geheimnis in jedem guten Song, das sich auf keinen seiner Bestandteile zurückführen lässt. The Long Sleep, das mit Håvard Volden, Lasse Marhaug und etlichen Jazzmusikern aufgenommen wurde, erscheint am 25. Mai.

Schon am kommenden Freitag erscheint Dirty Computer, das dritte Album von Janelle Monáe. Um die bereits beträchtliche Spannung noch ein wenig anzuheizen, legt die Grammy-Preisträgerin jetzt PYNK vor (****), die neue Single mit einem Gastauftritt von Grimes. Der Song sei „eine Feier von Schöpfung, Selbstliebe, Sexualität und Pussy Power. Pink ist die Farbe, die uns alle vereinigt, da Pink die Farbe ist, die man in den tiefsten und dunkelsten Ecken und Winkeln der Menschen überall findet. PYNK ist, wo die Zukunft geboren wird…“ Entsprechend omnipräsent ist die Farbe im Video (Regie: Emma Westenberg). Das Album soll ein „Emotion Picture“ werden, hat die 32-Jährige angekündigt. Dass damit nicht nur ein Bezug auf ihre gerade Fahrt nehmende Schauspielkarriere gemeint ist, zeigt auch PYNK: Statt protziger Beats setzt der Song auf eine sehr elegante Melodie und filigrane Elektronik, sogar die im Refrain hereinbrechende E-Gitarre verkneift es sich, allzu plakativ zu wirken – genau dadurch bleiben Stimme und Stimmung im Zentrum.

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