Futter für die Ohren mit The Pop Group, Peter Kernel, Marcel Gein, And The Golden Choir und Joachim Witt


Zurück nach mehr als 30 Jahren: The Pop Group. Foto: Oktober Promotion

Zurück nach mehr als 30 Jahren: The Pop Group. Foto: Oktober Promotion

Marcel Gein kommt aus Saarbrücken, lebt jetzt in Hamburg und hat gerade sein Debütalbum Passanten veröffentlicht. Klingt nicht sonderlich spektakulär? Stimmt. Auch die Inhaltsangabe seiner Plattenfirma, er schreibe „über die Konflikte des Alltags, flüchtige Situationen, die ein kleines, aber wahres Stück Glück bedeuten“, lässt nur bedingt aufhorchen. Die Stärke des Singer-Songwriters ist allerdings auch nicht das große Brimborium, sondern die gute, alte Qualität. Nummer (***), der erste Track des Albums, den es derzeit kostenlos zum Download bei Soundcloud gibt, illustriert das schön: getragenes Tempo, klassische Instrumentierung, aber viel Feingefühl. Über die Erkenntnis, wie schlimm sich Hilflosigkeit in einer Freundschaft anfühlen kann, muss man als Mittzwanziger erst einmal so unpeinlich singen können.

Bleiben wir in deutschen Landen: Im April steht das neue Album von Joachim Witt ins Haus. Mit Über das Meer (*1/2), das aktuell als Free Track bei Pledge Music verfügbar ist, gibt es einen ersten Vorgeschmack. Seine Stimme klingt da erstaunlicherweise, als wolle er demnächst Maschine Birr bei den Puhdys ablösen, dazu kommt eine anämische E-Gitarre und ein kruder Text mit maritimer Metaphorik. Wer sich per Crowdfunding am neuen Album (mit dem schönen Namen Ich) beteiligt, wird übrigens mit ein paar speziellen Features belohnt. Im Herbst will Joachim Witt dann wieder auf Tour gehen.

Und nochmal deutsche Musik, allerdings mit englischen Texten: Hinter And The Golden Choir steckt Tobias Siebert, ehemals als Sänger und Gitarrist von Klez.e im Einsatz, dann mit einigen beachtlichen Leistungen als Produzent (beispielsweise für Juli oder Kettcar). Für sein Album Another Half Life hat er alles selbst eingespielt, auch live (ab März ist er wieder auf Tour) hat Siebert eine erstaunliche Methode gefunden, als Ein-Mann-Band wie ein Orchester zu klingen. Wer das mal austesten möchte, bekommt bei Soundcloud eine kostenlose Kostprobe: It’s Not My Life (***1/2) gehört mit vergleichsweise forschem Schlagzeug, E-Gitarre und Handclaps zu den muskulöseren Momenten (und zu den Höhepunkten) des Albums. Allen, die Get Well Soon mögen, sei das dringend ans Herz gelegt.

Das darf man wohl guten Gewissens ein Comeback nennen: Erstmals seit 35 Jahren gibt es wieder ein Studioalbum von The Pop Group. Mark Stewart (Gesang), Dan Catsis (Bass), Gareth Sager (Gitarre) und Bruce Smith (Schlagzeug) haben Citizen Zombie gemeinsam mit Star-Produzent Paul Epworth aufgenommen. Das Ergebnis wird bereits als gelungener Mix aus Funk, Rock und Dance gelobt, natürlich jeweils in einer superschlauen Variante. Zumindest beinahe gratis gibt es den Vorab-Track Mad Truth (***): Wer das Album hier bei iTunes vorbestellt, darf sich den Song sofort herunterladen. Die Vorschusslorbeeren scheinen durchaus angebracht: Der Track klingt tropisch, quietschlebendig und leidenschaftlich. “The years have divested this band’s music of none of its urgent potency”, hat der Guardian unlängst angemerkt – das scheint zu stimmen.

Zum Schluss wird’s wild: Peter Kernel haben gerade ihr drittes Album vorgelegt, den Song High Fever (***1/2) gibt es auf ihrer Bandcamp-Seite als Gratis-MP3. Das Duo, bestehend aus der Kanadierin Barbara Lehnhoff und dem Schweizer Aris Bassetti, zeigt darin wunderbar, wie innovativ, spannend und eigen seine Musik ist, mit wildem Schlagzeug, einer hypnotischen Gitarre und Spaß am Schrägsein, der sich vor allem im Gesang äußert. Und übrigens auch mit einem sehr sehenswerten Video, das die beiden ehemaligen Kunststudenten selbst gedreht haben.

 

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