Futter für die Ohren mit The Wombats, Stereophonics, Bastille, The Darkness und John Carpenter


Wombats If You Ever Leave, I'm Coming With You Review

Getrennt voneinander haben The Wombats das neue Album aufgenommen. Foto: verstaerker.com

Raus aus den Federn zum Band-Appell! So sah im vergangenen Jahr das Leben bei den Wombats aus, denn das Trio tauschte sich jeden Morgen per Videokonferenz über den Fortschritt des neuen Albums und die Aufgaben für den jeweiligen Tag aus. Sänger Matthew „Murph“ Murphy wählte sich aus Los Angeles ein, Bassist Tord Øverland Knudsen aus Oslo und Schlagzeuger Dan Haggis aus London. Dann arbeitete jeder für sich an den entwickelten Ideen, bevor die Ergebnisse per Mail an die Produzenten Jacknife Lee (U2, The Killers), Gabe Simon (Dua Lipa, Lana Del Rey), Paul Meaney (Twenty One Pilots, Nothing But Thieves), Mark Crew (Bastille, Rag’n’Bone Man) und Mike Crossey (The 1975, The War On Drugs) geschickt wurden. „Ehrlich gesagt war diese Arbeitsweise der helle Wahnsinn“, sagt Murph im Rückblick. Doch auch mit dieser Methode haben die Wombats ein fünftes Album hinbekommen, Fix Yourself, Not The World wird am 7. Januar 2022 erscheinen. Nach Method To The Madness (wie passend) gibt es jetzt mit If You Ever Leave, I’m Coming With You (****) eine zweite Vorab-Single. Das ist insbesondere im Refrain so mitreißend, wie man es von dieser Band kennt, dazu gibt es im Text einen augenzwinkernden Blick auf den schmalen Grat zwischen riesiger Verliebtheit und ungesunder Obsession. Im Video sind auch die Erfahrungen aus der Pandemie eingeflossen. „Ich habe gemerkt, dass die vergangenen beiden Jahre viele zwischenmenschliche Beziehungen stark belastet haben“, sagt Murph. „Ich hatte das Gefühl, dass die Menschen um mich herum wirklich zu kämpfen hatten. Für mich greift If You Ever Leave, I’m Coming With You all das auf und stellt die Frage: Sind es die Umstände, die die Menschen übermäßig belasten? Oder haben die Umstände bloß ein Licht darauf geworfen, dass diese Menschen nicht zusammen passen?“

Auch Bastille haben mit der neuen Single Thelma + Louise (***1/2) jene Zeiten im Leben im Blick, in denen es wegen Stress und Konflikten nicht gut läuft – und sie wissen, dass es dann helfen kann, die Flucht zu ergreifen wie die beiden Heldinnen des Films, den Frontmann Dan Smith sehr schätzt, und sei es nur im Gedanken. „Days like these / you wanna get away“, heißt das Grundgefühl, das wohl jedem Menschen vertraut ist. Am Song haben Rami Yacoub (er hat beispielsweise Hit Me Baby One More Time für Britney Spears geschrieben und war eine treibende Kraft beim Chromatica-Album von Lady Gaga) und Mark Crew, der schon seit vielen Jahren mit Bastille zusammenarbeitet, mitgewirkt und dem Ganzen einen ziemlich klaren Eighties-Sound mit Retro-Drumcomputern und Synthies verpasst – und einen kraftvollen Refrain, der darin erinnert, dass auch ein Popsong die Macht hat, zu so einer kleinen Flucht zu verhelfen.

The Darkness wissen das nur zu genau, lebt die Band um Frontmann Justin Hawkins doch ohnehin in ihrer eigenen Welt voller Spandexhosen, Windmaschinen und Dosenbier. Die neue Single Motorheart (**1/2) beweist das. Natürlich rockt sie „härter als alles, was wir bisher gemacht haben“, sagt Hawkins, wie man das in diesen Kreisen eben beteuern muss. „Es macht mich glücklich und stolz, wenn ich das Lied so laut aufdrehen kann, dass es mein Schweizer Chalet buchstäblich in seinen Grundfesten erschüttert.“ Der Track bietet seinen berüchtigten Falsettgesang, eine komplexe Dramaturgie und eine ziemlich rasante Gitarre von Dan Hawkins, der von seinem Bruder ein Extra-Lob bekommt: „Dan hat einen fantastischen Job bei der Produktion gemacht. Das Album wird dir das Gesicht wegblasen, aber dein Schädel wird von Schädeldecke zu Schädeldecke grinsen. Bitte, genießt es!“ Der Titel Motorheart ist so gut, dass The Darkness auch gleich ihr neues Album so benannt haben, das am 19. November herauskommt. Im Februar 2022 ist die Band dann im Rahmen ihrer Europatour live in Deutschland zu sehen.

Mit geplatzten Schädeln kennt sich auch John Carpenter bestens aus, schließlich ist der Mann im Hauptberuf Horrorfilm-Regisseur. Mit Michael Myers hat er 1978 eine der legendärsten Figuren dieses Genres erschaffen und damals auch gleich selbst den Soundtrack komponiert. Daraus ist eine lange Karriere als Musiker geworden, die er seit dem ersten Lost Themes-Album von 2015 gemeinsam mit seinem Sohn Cody Carpenter und Daniel Davies weiterverfolgt. Auch zum zweiten Teil der neuen Halloween-Filmtrilogie haben sie wieder die Musik beigesteuert. Unkillable (***) wartet mit all seinen Markenzeichen auf, von durch ihre Atonalität gruseligen Klaviermelodien über einen nervenaufreibenden Beat und unheilvolle Streicher bis hin zu schweren, analogen Synthesizer-Klängen. Der komplette Soundtrack erscheint am 15. Oktober parallel zum Kinostart des Films Halloween Kills, bei dem David Gordon Green Regie geführt hat und Jamie Lee Curtis die Hauptrolle spielen wird.

Ihr 25-jähriges Bestehen feiern die Stereophonics im nächsten Jahr, natürlich soll es da neue Musik geben. Am 4. März erscheint das neue Studioalbum Oochya!, das an die bisherigen Erfolge (sieben #1-Alben, zehn Top-10-Alben, 23 Platinauszeichnungen, ein Brit-Award und 8,5 Millionen verkaufte Alben allein in Großbritannien) anknüpfen soll. Der erste Vorbote ist die Single Hanging On Your Hinges (***1/2), die laut Sänger Kelly Jones von „frühen ZZ Top und düsteren Sachen wie Masters Of Reality und vielleicht auch ein wenig Iggy Pop“ beeinflusst ist. Entsprechend rumpeln die Drums wie aus der Garage, der Gitarrenverstärker scheint sein letztes Stündchen schon zu ahnen und auch der Gesang ist verzerrt. Der Albumtitel ist natürlich nicht Walisisch, sondern Ausdruck von Kraft und Tatendrang. „Nachdem wir auf dem letzten Album einige sehr gefühlsbetonte und introspektive Songs gemacht hatten, beschlossen wir, dieses Mal mit einem Knall zurückzukommen und den Fans etwas zu geben, zu dem sie ein bisschen locker werden können. Oochya! war eine Redewendung, die ich und die Band im Studio immer benutzten, um ‚Lass es krachen‘ zu sagen, eine Explosion von Energie und Optimismus“, sagt Jones. Im Jubiläumsjahr wird es eine große UK-Tour der Stereophonics geben, auch Termine für Deutschland sind geplant.

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