Futter für die Ohren mit Zaz, The Kooks, Das Paradies, Blood Red Shoes und Jadu


The Kooks Pamela Review Kritik

Sonnenschein haben The Kooks im Gepäck – und Luftballons. Foto: Verstärker/Andrew Whitton

Mit Liedern, die nach Personen benannt sind, haben The Kooks ja beste Erfahrungen gemacht. Erinnert sei nur an Mr. Maker, Eddie’s Gun oder natürlich Jackie Big Tits. Auch das aktuelle Album Let’s Go Sunshine hält eine entsprechende Nummer bereit, die es jetzt als Single gibt. Pamela (***1/2) ist einer der energischsten Momente auf der Platte. Zum Gefühl der Ausgelassenheit, das etwa durch sehr kraftvolle Drums und einen Nanana-Chor zwischendurch verstärkt wird, passt auch die Location für das dazugehörige Video: The Kooks haben mit Regisseur Tom Ewbank in einem stillgelegten Outdoor-Schwimmbad im südost-englischen Margate gedreht. Dort versuchen sie sich sehr passabel an ein paar Beatles-Albereien. Die akustische Entsprechung von Sonnenschein bekommen sie eben weiterhin bestens hin, nicht nur im Albumtitel und auch dann, wenn längst keine Badegäste mehr da sind. Wer im Frühjahr noch gesteigerten Bedarf daran hat, kann bei den Deutschlandkonzerten sicher die nötige Dosis abbekommen, am 3. April 2019 werden die Kooks auch in Leipzig (Haus Auensee) zu erleben sein.

Auch Zaz wird im neuen Jahr bei uns Konzerte spielen, ihr gerade erschienenes Album Effet Miroir führt sie im Februar nach Frankfurt, Stuttgart und München. „All unsere Facetten mitsamt ihren Widersprüchen zu akzeptieren, ist für mich ein Weg, die Gegensätze unseres Seins zu vereinen“, sagt Zaz über den Titel der neuen Platte (übersetzt: Spiegeleffekt). Das passt natürlich zu ihrem kunterbunten Sound, den man auch Qué vendrá (***) anhören kann, wenn auch mit einer etwas melancholischen Note. Der Song könnte auch Laissez-faire heißen, denn er beschwört die Entschlossenheit, die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen und ihnen im Zweifel positiv zu begegnen. Einen besseren Schauplatz als Havanna hätte man für das sehr schöne Video, das diese Lebenseinstellung untermalt (und auch das Spiegelmotiv aus dem Albumtitel sehr originell aufgreift) natürlich nicht finden können. Dieser Mix aus Neugier, Weltoffenheit und Optimismus hat der Französin weltweit mittlerweile mehr als vier Millionen verkaufte Alben und 500 Konzerte auf fünf Kontinenten beschert – und er ist weiterhin ziemlich wirkungsvoll.

Das umwerfende Debütalbum Goldene Zukunft von Das Paradies kann man natürlich nicht oft genug anpreisen, ein neuer Anlass dazu ist die dritte Single Es gab so viel, was zu tun war (****). Florian Sievers aus Leipzig, der hinter Das Paradies steckt, erzählt darin von einem Freundeskreis, in dem die Abstände der einzelnen Personen mal größer und mal kleiner werden, ohne dass jemand den Kreis wirklich (nach außen oder von außen) durchbrechen würde. Er tut das mit der sehr einnehmenden Kombination aus sanften Sounds, intelligentem Blick auf die Welt und dem darunter liegenden Gefühl, dass es letztlich oft hilft, wenn man sich um Problemchen keinen großen Kopf macht. Im Video schweift die Kamera ohne Schnitt durch ein Haus mit wenig Möbeln und vielen Klamotten – wer möchte, kann vielleicht auch darin die Idee erkennen, sich nicht festlegen zu lassen. Anfang Dezember kann man Das Paradies übrigens live erleben.

Dass Musik aus Deutschland auch noch ordnungsgemäß plump sein kann, beweist Jadu, die am 8. Februar ihr Debütalbum Nachricht vom Feind vorlegen wird. „Ich habe mein bisheriges Leben überwiegend als Kampf empfunden“, sagt die Berlinerin. „Die Schule war ein Kampf, die Liebe sowieso, ich habe um Freundschaften gekämpft, um Anerkennung, um die Liebe meines Vaters, um Selbstakzeptanz und einiges mehr. Darüber habe ich ein Faible für militärische Ästhetik entwickelt.“ Das schlägt sich in Songtiteln wie Blitzkrieg oder Todesstreifen nieder, zusätzlich gibt es auf der Platte auch Lieder, die aus der Perspektive von Bäumen oder von Hitlers Gspusi Eva Braun erzählt werden. Sehr klar wird dieser martialische Ansatz auch im aufwändigen Video zu Uniform (*1/2): Die Ästhetik spielt mit Sado-Maso, Militaria-Fetisch und Pseudo-Provokation, der Sound dazu ist brachial und pompös, mit Streichern, einem Beat zwischen Industrial und Gothic und Zeilen wie „Jede Nacht muss ich träumen / von der GSG 9“ oder „Salutier vor mir / du Panzergrenadier“. Natürlich darf und sollte man thematisieren, wie hart das Leben sein kann. Aber dabei ausgerechnet auf militärische Metaphern zu setzen (also Gewalt cool zu machen, denn Militär ist Gewalt), ist leider kontraproduktiv: Gewalt löst keine Konflikte, sondern führt immer nur dazu, dass noch mehr Menschen noch mehr zu kämpfen haben. Jadu sollte eigentlich wissen, dass man die Geschichte von „Ich habe es nicht leicht gehabt, bin aber meinen Weg gegangen und setze mich für meine Überzeugungen an“ auch viel intelligenter (und musikalisch reizvoller) erzählen kann: Ein Künstler wie beispielsweise Marteria bekommt das blendend hin – er ist ihr Ehemann.

Deutlich erfreulicher ist die Rückehr der Blood Red Shoes, die am 25. Januar mit Get Tragic ihr fünftes Album veröffentlichen werden. Schon seit einer Weile gibt es die Vorab-Single Mexican Dress (****). Sie zeigt, wie frisch der Mix aus den innovativen Gitarrenriffs von Laura Mary-Carter und dem Schlagzeug-Groove von Steven Ansell (der hier durch sehr clevere Percussions ergänzt wird) nach wie vor ist. Entstanden ist die neue Platte mit Nick Launay (Yeah Yeah Yeahs, Arcade Fire, Nick Cave) in Los Angeles, der ihnen empfahl, noch mehr auf Melodien zu setzen, auch Synthesizer spielen diesmal eine prominentere Rolle. Dass es damit gelungen ist, ihr eigenes Konzept aktuell zu halten, deutet Mexican Dress mehr als an: So souverän und packend muss man erst einmal mit einer Nervensäge abrechnen.

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