Futter für die Ohren mit Emeli Sandé, The Leisure Society, Phone Joan, The Unkindness Of Ravens und Sweet Sweet Moon


Weiter auf der Erfolgswelle: Emeli Sandé. Foto: Emi

Weiter auf der Erfolgswelle: Emeli Sandé. Foto: Emi

Platz 1 in England, fünfmal Platin und ein Auftritt bei den Olympischen Spielen – viel erfolgreich als Emeli Sandé kann man mit einem Debüt nicht sein. Mit einer Special Edition ihres ersten Albums Our Version Of Events (mit sechs Bonustracks) und einer Liveplatte hat die beinahe 26-Jährige mittlerweile nachgelegt. Bei so viel Grund zum Jubeln kann man auch mal großzügig sein: Auf ihrer Facebookseite verschenkt Emeli Sandé gerade den Youthkills Remix ihrer Debütsingle Heaven (***1/2). Im Vergleich zum Original wird es ein kleines Stück elektronischer, nervöser und wuchtiger. Und bleibt natürlich nach wie vor ein toller Popsong.

Nichts weniger als “genuine contenders for being one of the best underground electro bands out there at the moment” sind The Unkindness Of Ravens in den Augen der Kollegen vom Artrocker Magazine. Das Duo (Bassist Ben Raine, Sängerin Nina Wagner und dazu eine Drum-Machine) spielt im März ein paar Shows in London – der Stadt, in der die Band im Jahr 2009 auch gegründet wurde. Auch in Berlin sind The Unkindness Of Ravens öfter zu sehen, denn dort haben sie mittlerweile ihr Hauptquartier aufgeschlagen und auch ihr Debütalbum Virus aufgenommen, das im vergangenen Jahr digital und nun auch physisch veröffentlicht wurde. Bei Soundcloud gibt es daraus gerade den Track Last Call From The River (***) als kostenlosen Download. Der Track klingt, als würden The Kills die Freuden von Industrial für sich entdecken, und obwohl mit dem Bass unfassbare Dinge angestellt werden, ist es vor allem der Gesang von Nina Wagner, der beeindruckt. Cool.

Ebenfalls 2009 gegründet wurden Phone Joan, sie haben es aber schon auf zwei Alben gebracht. Das aktuelle Werk mit dem praktischen Titel +47 91799466 (keine Ahnung, was passiert, wenn man da anruft) hat schon ein knappes Jahr auf dem Buckel. Kein Grund, die Musik der Norweger nicht doch noch ins Herz zu schließen. Mit Do I Move You (***), ebenfalls gerade gratis als MP3 bei Soundcloud verfügbar, geben sie einen Einblick in ihren Sound: das ist schwerer Rock mit beiden Füßen in den Siebzigern (man kann auch sagen: Led Zeppelin), aber ohne unnötigen Ballast. Frontfrau und Sängerin Carina Moen klingt tatsächlich wie ein männlicher Shouter mit etwas zu engen Lederhosen. „Action“ wird auf „Satisfaction“ gereimt, und die Kraft des Quartetts aus Oslo belegt eindeutig: So etwas muss es nach wie vor geben.

Wie ihr wisst, bin ich ein Freund des schrägen Songtitels. Sweet Sweet Moon haben es mit Psalm For The Elks Lodge Last Call nicht ganz in meine Top70 des Jahres 2012 geschafft, dafür gibt es den Song (***1/2) aber hier umsonst zum Herunterladen. Hinter dem Projekt steckt der Multi-Instrumentalist Matthias Frey aus Wien. Live ist er mit seiner Violine, Synthesizern, reichlich Effektgeräten und einem eifrig genutzten Loop-Pedal unterwegs, im Studio lebt er seinen Ideenreichtum erst recht aus. Das Ergebnis ist in diesem Fall beeindruckend virtuos und ein kleines bisschen irre, dürfte Bright Eyes gefallen oder Owen Pallett.

Am 5. April kommt das neue Album von The Leisure Society raus. “We’ve fought, we’ve had tense days, bad days and incredible days during the making of Alone Aboard The Ark, but I could not be prouder of what we’ve achieved. There’s no question that this is ‚the one‘ in terms of us five working together to create something together”, schwärmt Christian Hardy über die neue Platte. Wer sich überzeugen möchte, ob das angemessen ist, kann sich im Tausch gegen eine E-Mail-Adresse hier einen ersten Eindruck verschaffen. Dem sehr hübschen The Sober Scent Of Paper (***) hört man an, dass die Engländer diesmal vor allem auf einen organischen Sound geachtet haben. Aufgenommen wurde die neue Platte in den Konk-Studios von Kinks-Sänger Ray Davies, mit viel altem Equipment und vorwiegend live eingespielt. Auch Dave Williamson und Nick Etwell, die Blechbläser von Mumford & Sons, haben mitgewirkt. Besenschlagzeug, Picking, sogar Flöten sind zu hören – als wollte Nick Hemming & Co. endlich dem Winter den Zahn ziehen.

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