Futter für die Ohren mit Emika, Hercules & Love Affair, Heaven´s Basement, Sera Cahoone und Susanne Sundfør


Emika glänzt mit einem Chris-Isaak-Cover. Foto: verstaerker.com

Emika glänzt mit einem Chris-Isaak-Cover. Foto: verstaerker.com

Bis zum Juni muss man noch auf das neue Album von Emika warten, das den Titel Dva (ob da wohl jemand ein i vergessen hat?) tragen wird. Einen Teaser gibt es aber derzeit schon gratis auf ihrer Homepage zum Herunterladen: eine Coverversion des Chris-Isaak-Klassikers Wicked Game (***1/2). Das ist durchaus erstaunlich und gelungen: Viel Hall, ein freischwebendes Klavier und sparsam dosierte Drums verleihen dem Track einen seltsamen Zauber. Der Musikexpress attestierte der Wahl-Berlinerin einst „das große Talent, die vielen Farben der Düsternis in schillernde Soundscapes mit kurzen Melodie-Streifen zu verwandeln“ – Wicked Game bestätigt das ziemlich eindrucksvoll.

Dass man auf Red Bull Records keinen Kuschelpop veröffentlichen kann, liegt auf der Hand. Was die Engländer von Heaven´s Basement auf dem Label herausbringen, ist trotzdem einigermaßen überraschend. Denn hier wird die Sorte Hardrock gepflegt, die man seit 20 Jahren für ausgestorben hielt. „We’re proud to come from the country that has without doubt produced some of the greatest rock’n’roll bands of all time. There’s now a void that needs filling. Everything we do revolves around filling that void“, lautet das Selbstverständnis der Band. Im Tausch gegen ein „Gefällt mir“ gibt es auf ihrer Facebookseite die Single Fire Fire (**) als kostenlosen Download. Wer Basssoli, Breaks mit virtuosen akustischen Gitarren und Refrains vermisst hat, bei denen man förmlich Windmaschine, Bühnennebel und Pyrotechnik mithört, könnte da Tränen in die Augen bekommen. Alle anderen dürfen gerne den Kopf schütteln.

Das Kontrastprogramm gibt es von Sera Cahoone. Mit Pyrotechnik ist sie zwar als Tochter eines Sprengstoffhändlers ebenfalls verbunden, doch ihre Musik könnte kaum zurückhaltender sein. Filigranen Folkpop gibt es von der Dame, die in Colorado aufwuchs, jetzt in Seattle lebt und im Herbst ihr drittes Album vorgelegt hat. Gleich drei Lieder daraus bekommt man auf der Homepage ihrer Plattenfirma Sub Pop geschenkt. Die schwelgerische Single Naked (***) setzt auf satte Drums (das Schlagzeugspielen lernte Sera Cahoone übrigens schon als 11-Jährige, später trommelte sie mal für Band Of Horses), Banjo und Geige. Deer Creek Canyon (***1/2), der Titelsong des aktuellen Albums, schafft es ebenfalls, zugleich flott und zerbrechlich zu klingen, Sehnsucht und Souveränität zu vereinen. Only As The Day Is Long (***1/2) beginnt herrlich reduziert, um sich dann zu einer Klasse-Ballade über das komplette Verlorensein auszuweiten. Schnell entdecken, bevor der Frühling wirklich kommt!

Zwei Welten will Susanne Sundfør auf ihrem aktuellen Album The Silicone Veil vereinen: „die alte Welt, Wälder und Ruinen, und die moderne Welt, Technologie und Silikon. Und alles ist von Schnee bedeckt, genau wie in Die Toten von James Joyce“. Wer wissen möchte, wie sich das anhört, kann auf den Maps-Remix der Single White Foxes (***) zurückgreifen, den es gerade bei Soundcloud umsonst gibt. Der Track klingt, wie schon die Originalversion, zum Zerreißen gespannt und vereint den Sound von Ellie Goulding mit Gesang, der auch von Melanie stammen könnte. Auch die „melodramatischen Melodien, die keine Scheu vor Pathos zeigen“, die die FAZ in einem Konzert von Susanne Sundfør ausgemacht hat, lassen sich neben Beats und immer zahlreicher werdenden Synthie-Flächen noch gut erkennen. Spannend.

Schräg ist man beim Berliner Label !K7 schon aus Prinzip, und deshalb nimmt man das 27. Jubiläum auch gerne zum Anlass, um sich selbst mal richtig zu feiern. Die schiefe Jahreszahl haben acht Künstler mit exklusiven Tracks gewürdigt. Einige davon gehören zum !K7-Stall, andere haben unlängst zur DJ Kicks-Reihe beigetragen. Jeweils im Zweierpack kann man sie auf der Seite von !K7 herunterladen. Mit dabei sind Hercules And Love Affair, Apparat, Motor City Drum Ensemble, New Look, Brandt Brauer Frick, Wolf + Lamb & Soul Clap, When Saints Go Machine und Close. Mein Favorit ist der Doppelpack aus New Look und Hercules And Love Affair. Erstere machen aus Janet (***) eine schöne Modernisierung von Soul-Selbstmitleid, ergänzt um ein bisschen Spandau-Ballet-Atmosphäre und reichlich quirlige Computerspielsounds. Letztere glänzen mit Release Me (***1/2), das ebenso Retro-Charme mit einem Höchstmaß an Lebendigkeit verbindet.

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