Durchgelesen: Dietmar Sous – „Filme mit Studentinnen und einer Hausfrau“


Dietmar Sous könnte der deutsche Nick Hornby sein.

Autor Dietmar Sous
Titel Filme mit Studentinnen und einer Hausfrau
Verlag Europäische Verlagsanstalt
Erscheinungsjahr 2006
Bewertung ***1/2

Musik („Vomittag eines Rock’n’Roll-Beraters“, 2004) und Fußball („Abschied vom Mittelstürmer“, 2001) sind zwei der Lieblingsthemen von Dietmar Sous. Trotzdem ist er – zum Glück – nicht bloß der deutsche Nick Hornby. Sous, 1954 im Rheinland geboren und mittlerweile in Belgien lebend, hat seine ganz eigene Sprache gefunden. Sehr lakonisch, sehr scharf und sehr unterhaltsam.

Jetzt legt er mit „Filme mit Studentinnen und einer Hausfrau“ vier Erzählungen vor, die einige Gemeinsamkeiten haben. Es sind Geschichten von Verlierer-Figuren (natürlich hat die Hausfrau aus dem Titel „kein Haus und keinen Mann“) mit ganz viel Moral und ganz wenig Anstand. Und es geht um Systeme, die sich selbst korrumpieren und außer Kontrolle geraten.

Diese Fehlfunktionen seziert Sous knapp und gekonnt: ein Pornofilmer wird mit der Fortpflanzung konfrontiert; ein Weihnachtshasser sehnt sich plötzlich den Heilgabend herbei; berechtigte Beschwerden eines Häftlings führen zu noch mehr Erniedrigung durch die Wärter; Fußballfans hoffen darauf, dass ihr Verein nicht aufsteigt.

Die Protagonisten sind manchmal beinahe Stereotypen, aber es geht Sous mindestens ebenso sehr um die Milieus wie um die Menschen. Trotz gelegentlicher Klischees sind seine Erzählungen niemals billig, immer überraschend und bei „Die Schwester des Kameramanns“ sogar ergreifend.

Beste Stelle: „Brender begrüßte mich wie jemand, der Pferde mit mir stehlen wollte, doch nachdem ich ihn gebeten hatte, die Schuhe auszuziehen, schaute er mich an, als kämen höchstens noch Zwergkaninchen in Frage.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.