Geliefert


Film Geliefert

Geliefert Review Kritik

Volker (Bjarne Mädel) arbeitet als Paketbote.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2021
Spielzeit 88 Minuten
Regie Jan Fehse
Hauptdarsteller*innen Bjarne Mädel, Nick Julius Schuck, Anne Schäfer, Stefan Merki
Bewertung

Worum geht’s?

Mit seinem Job als Paketbote kommt Volker als alleinerziehender Vater gerade so über die Runden. Die knüppelharte Arbeit bietet wenig Erfüllung: Die Kunden sind arrogant, der Chef ist gehässig, die Bezahlung ist mies. Wenn unvorhergesehene finanzielle Belastungen entstehen wie eine hohe Nebenkostenabrechnung oder die Reparatur einer Waschmaschine, wird es für Volker schon prekär. Trotz allem versucht er, dem Leben mit einem Lächeln zu begegnen und seinem Sohn ein Vorbild zu sein, während er als ehrenamtlicher Fußballtrainer zumindest ein bisschen Ausgleich und Anerkennung findet. Die Beziehung zum 16-jährigen Benny wird durch die Geldprobleme aber ebenfalls immer wieder strapaziert: Der Sohn schämt sich, als er bei einem romantischen Spaziergang mit seiner Freundin ausgerechnet den eigenen Vater beim Containern beobachtet. Und die 350 Euro für die Fahrt nach Mallorca zum Schulabschluss – falls Benny ihn denn schafft – sind für Volker auch nicht drin. Als der Sohn mit dem Gedanken spielt, wieder zu seiner Mutter zu ziehen, nimmt Volker einen zweiten Job an. Er hofft, Benny damit etwas mehr bieten und somit bei sich halten zu können. Doch die Zusatztätigkeit ist erstens illegal und lässt zweitens das wacklige Gebäude seines Alltags völlig zum Einsturz bringen.

Das sagt shitesite:

Geschichten über die stillen Helden des Alltags, über sozialen Abstieg, über Knochenjobs, Ausbeutung und Hamsterrad versprechen wenig Glanz. Ex-Kameramann Jan Fehse, der hier zum zehnten Mal Regie führt und erstmals auch das Drehbuch geschrieben hat, weiß indes, wie viel Drama auch in solchen Stoffen stecken kann. „Helden finden wir auch unter uns. Menschen, die an ihre Ideale glauben und anderen helfen, auch wenn ihre eigene Welt dabei zusammenbricht“, sagt er zu seinem Ausgangspunkt für Geliefert. Das ist erstaunlich nah an dem Ideal, das einst schon Ernest Hemingway für seine (meist deutlich glamouröseren) Helden formuliert hat: Sie sollten „grace under pressure“ beweisen.

Genau diesen Anspruch stellt Volker an sich, freilich ohne sich dabei in der Nähe einer Romanfigur zu wähnen. Auch wenn sich seine Karriere als aufstrebender Fußballtrainer zerschlagen hat, auch wenn seine alkoholkranke Frau ihn sitzen ließ und er sich nun im Niedriglohn-Sektor durchschlagen muss: Er bleibt hilfsbereit, pflichtbewusst und vor allem anständig. Bjarne Mädel ist die perfekte Besetzung für diese Figur, in der sich Fallhöhe und Spannung von Geliefert fast komplett abspielen, und er liefert hier eine großartige Verkörperung des Mannes, der gutmütig und ein bisschen naiv erscheint, aber auch schnell gekränkt ist, wenn sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn verletzt wird.

Gerade dieser Stolz ist es, der zum Konflikt des Films führt: Volker will auf dem Pfad der Tugend bleiben, so schwer es in seinem zermürbenden Alltag auch fällt, so offenkundig die soziale Ungerechtigkeit ist, unter der er leidet, und so groß die Verlockung manchmal ist, es sich einfacher zu machen. Genau darin ist er seinem Sohn ein Vorbild. Als er Benny zuliebe aber von diesem Prinzip abweicht, muss er nicht nur erkennen, dass nun erst recht alles gegen ihn läuft, sondern auch, dass er sich selbst verraten hat. Er hat sich korrumpieren lassen, weil dabei ein paar schnelle Euros winkten, damit zugleich aber sein Gefühl von Selbstachtung verloren.

Geliefert zeigt diesen Konflikt authentisch, rührend und einfühlsam und ist ein sehr lohnender Blick auf die Menschen im Online-Handel, die sonst meist unsichtbar oder zumindest gesichtslos bleiben – und auf den Kampf um ein würdevolles Leben unter prekären Bedingungen.

Bestes Zitat:

„Versprich mir, dass du genau so bleibst wie du bist, hörst du? Von den anderen gibt es schon genug.“

Der Trailer zum Film.

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