Durchgelesen: Michel Faber – „Die Unvollendete“


Die sinnliche Sprache Michel Fabers ist die Stärke von „Die Unvollendete“.

Autor Michel Faber
Titel Die Unvollendete
Verlag List
Erscheinungsjahr 2002
Bewertung ***

Der deutsche Titel verrät fast schon ein wenig zu viel. Im englischen Original heißt der Roman „The Courage Consort“, ebenso wie das Vokalensemble, um das es hier geht.

Die Mitglieder des Quintetts verbringen zwei Wochen in einem einsamen Haus in Belgien, um dort ein neues Stück zu proben. Sie lernen sich dabei kennen, manche kommen sich näher, manche entfernen sich voneinander. Die komlexe zeitgenössische Partitur, die sie einstudieren, ist eine nur gelegentlich durchschimmernde Metapher für das Zusammenspiel der Charaktere.

Denn vor allem ist dies die Geschichte der Sopranistin Catherine, die depressiv und mutlos nach Belgien kommt und es als anderer Mensch verlässt. Wenn Michel Faber ihre existenziellen Zweifel in marternden Nächten schildert, ihre Paranoia bei einem Spaziergang durch den Wald, aber auch ihre kleinen Freuden und ihren erwachenden Lebensmut, hat „Die Unvollendete“ seine stärksten Momente.

Neben dieser beeindruckenden Figur verblassen die übrigen Protagonisten ein wenig. Auch das musikalische Motiv, dem Faber zumindest mit einer enorm sinnlichen Sprache gerecht wird, hätte noch mehr interessante Möglichkeiten geboten. So bleibt das Buch gelungen, aber nicht großartig. Eben ein bisschen unvollendet. Vielleicht doch kein schlechter Titel.

Beste Stelle: „Es gab keinen Ausweg mehr, es sei denn, sie sagte: Nein, ich will nicht, und das war Catherine schon immer unmöglich gewesen.“

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