Highfield-Festival, Großpösna, Tag 2 3


Kommunikation ist eine wichtige Sache. Und beim Festival ist es mit dem Reden  manchmal gar nicht so einfach (Nachtrag zu gestern: Dringend erfunden werden, um Festivals noch besser zu machen, sollte auch eine App, die per Orts- und Zeiterkennung weiß, auf welchem Festival man gerade ist, welche Band dort gerade spielt und wann Pause ist. Die könnte dann eine automatische, individuelle Ansage generieren: „Lieber Anrufer! Es tut mir leid, ich bin gerade beim Highfield und es ist tierisch laut hier. Jupiter Jones stehen gerade auf der Bühne und machen sinnlosen Lärm. Um 21.15 Uhr sind sie hoffentlich endlich fertig, ruf doch dann einfach nochmal an!“). Deshalb ist es gute Tradition, seine Botschaft in Schriftform unters Volk zu bringen, am besten als T-Shirt-Spruch. War man dabei früher auf einen simplen Edding angewiesen oder auf den noch simpleren Humor der Leute, die Witz-T-Shirts bei einschlägigen Versandhändlern gestaltet haben („Lesbian trapped in a man’s body“), kann dank Firmen wie Spreadshirt heute jeder höchst professionell seine Individualität, Geistesgröße oder politische Gesinnung auf der Brust durch die Welt tragen. Ich hatte ja versprochen, mich diesem Phänomen am Samstag beim Highfield 2012 anzunehmen. Hier sind sie also: Meine 10 wundersamsten T-Shirts aus Großpösna.

Shirt 1: Das Motto „Ladies first“ gilt natürlich auch hier. Dieser Entwurf besticht durch das wundersame Zusammenspiel von Botschaft auf dem T-Shirt und passenden Hintergrundinformationen unter dem T-Shirt. Die Farben sprechen für zeitlosen Chic. Ich befürchte, dass dieses Modell spätestens nach neun Monaten trotzdem aus der Mode kommt.

Shirt 2: Einen Tag nach dem Pussy-Riot-Urteil (das am Freitag übrigens von Bonaparte und Kraftklub thematisiert worden war), musste in Großpösna natürlich auch Platz für Politik sein. Dieser Herr hat offensichtlich wichtige Anregungen für die laufende Bundeswehrreform. Oder er dokumentiert einfach einen Fall von sehr schlechtem Einparken.

Shirt 3: Ein schönes Beispiel dafür, dass es in Modefragen meist darauf ankommt, geschickt zu kombinieren. Das vergleichsweise neutrale Poloshirt bekommt reichlich Pfiff durch das nicht ganz unauffällige Accessoire. Sehr stilsicher platziert – hoffentlich vom Model selbst, und nicht von seinen Kumpels, die sich da einen Scherz erlaubt haben.

Shirt 4: Die genau gegenteilige Strategie propagiert dieser Festivalbesucher. Hier ist nicht Askese angesagt, sondern der Versuch, die Party einem guten Zwecke dienlich zu machen. Wahrscheinlich hat dieser T-Shirt-Träger sich die Aufforderung von Wombats-Sänger Matthew Murphy vom Vortag sofort zu Herzen genommen: destroy responsibly! Zudem versteht er es wunderbar, der dezenten Farbe und dem blassen Schriftzug das passende, beinahe extrovertierte Posing entgegen zu setzen.

Shirt 5: Auch dieser Entwurf beweist, dass Alkohol das absolute Trendthema des Sommers ist. Zudem wird hier der lobenswerte Ansatz in die Tat umgesetzt, die Kleidung passend zum Anlass zu wählen, was bei Festivals sonst mitunter ausbleibt. Das Karohemd ist allerdings eine modische Todsünde. Nicht, weil es nicht schick wäre, sondern weil es das Potenzial zum verschämten Verbergen der T-Shirt-Botschaft in sich trägt. Pfui!

Shirt 6: Auch die Rückseite bietet reichlich Platz für Amüsantes. Besonders reizvoll ist das Zusammenspiel von Botschaften auf Brust und Rücken, wie in diesem Falle: Das harmlose „Highfield 2012“ auf der Front bekommt eine abgründige Dimension, wenn dieser T-Shirt-Träger erst einmal anfängt, sich im Kreis zu drehen.

Shirt 7: Höchst subtil funktioniert die Botschaft dieses Entwurfs: Am Ende lässt sich alles schöntrinken, lautet womöglich die Philosophie dahinter.

Shirt 8: Das Phänomen der Lautverschiebung hat sprachgeschichtlich ja schon die eine oder andere Seltsamkeit hervorgebracht. Hier wird es durch die passende Zeichenkunst illustriert. Das Shirt wartet aber noch auf einen Träger. Es ist in einem der Merchandising-Stände beim Highfield erhältlich.

Shirt 9: Die Abwesenheit von Fernsehprogramm ist einer der angenehmsten Nebeneffekte von Festivals. Dieser Highfield-Fan will sich damit offensichtlich nicht ganz abfinden, wie sein T-Shirt (immerhin in den Lieblingsfarben von Karl Lagerfeld) beweist. Es steht zu befürchten, dass er abends im Zelt auf dem Laptop noch einmal die komplette siebte Staffel schaut – und dann die fiesesten Sprüche gleich an seinen Camping-Nachbarn ausprobiert.

Shirt 10: Dieser junge Mann bestand darauf, dass sein Tattoo mit aufs Bild kommt. Die T-Shirt-Botschaft („Ich bin kein Berliner“) ist deshalb schwer zu erkennen. Trotzem ein klarer Fall: Kraftklub-Fan.

Übrigens: Alle der Abgebildeten haben sich einverstanden erklärt, fotografiert und hier abgebildet zu werden. Ich habe die schwarzen Balken trotzdem draufgemacht, sieht einfach viel spektakulärer aus.

Bands haben natürlich auch gespielt am Highfield-Samstag. Ganz kurz also: Die Beatsteaks waren ein großes Fest und zogen eine deutlich größere (und schwungvollere) Menge vor die Green Stage als die Sportfreunde am Tag zuvor. Me First & The Gimme Gimmes waren sehr spaßig und sorgten mit ihren Coverversionen (vor allem R. Kellys I Believe I Can Fly) für ebenso viele lachende Gesichter wie tanzende Füße (zudem hatten sie das perfekte Outfit für den Highfield-Samstag: weiße Schuhe, weiße Anzüge und Hawaiihemden). H-Blockx zeigten sich, wie zuletzt auf Platte, erstaunlich solide und frisch. Bosse hatten nach eigener Auskunft den besten Tag ihres ganzen Festivalsommers („Wir waren baden und haben Kaulquappen geschluckt“) und dürften etliche ihrer Fans zu ähnlichen Hochgefühlen gebracht haben, vor allem mit dem Rausschmeißer Frankfurt/Oder. Kettcar bewiesen, dass sie famos rocken können (Highlight: Money Left To Burn) und hatten für die Fans beim Highfield eine Botschaft dabei, für die sicherlich jeder bereit war: „Habt die Zeit eures Lebens und lasst es krachen!“

Weitere sehr hübsche Fotos vom Highfield habe ich hier versammelt.


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