Hingehört: Agent Blå – „Agent Blå“


Künstler Agent Blå

Agent Blå Kritik Rezension Album

Agent Blå versprechen uns Shoegaze-Death-Pop.

Album Agent Blå
Label Through Love Records
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

„Jugend will, dass man ihr befiehlt, damit sie nicht gehorchen muss“, hat Jean-Paul Sartre einst festgestellt. Die fünf Schweden von Agent Blå hat er zwar um rund 40 Jahre verpasst, aber sein Zitat scheint wie gemacht für dieses Debütalbum der Band aus Göteborg. Felix Skorvald (Gitarre), Lucas Gustavsson (Gitarre), Emilie Alatalo (Gesang), Josefine Tack (Bass, Gesang) und Arvid Christensen (Schlagzeug) sind zwischen 17 und 20 Jahre alt und zeigen hier immer wieder, wie genau sie um die Einschränkungen der Jugend wissen, wie entschlossen sie aber sind, darauf zu pfeifen und stattdessen die Möglichkeiten zu nutzen, die sie ihnen bietet.

„We’re so young and so naive“, heißt es schon im Auftakt Derogatory Embrace, aber der zweite Teil dieses Satzes wird keinen Moment lang bedauert. „Tell me what the fuck we’re doing“, singt Emilie Alatalo in Rote Learning. Auch darin steckt das Wissen um ihre Unvernunft, die vielleicht schlimme Konsequenzen haben wird, sich aber so verdammt gut und so sehr nach Leben anfühlt. Das Lied „handelt davon, eine Person kennenzulernen und anschließend nicht so richtig zu wissen, woran man bei dieser Person eigentlich ist“, erklärt die Sängerin, und diese Ungewissheit klingt äußerst spannend.

Erstmals getroffen haben sich die Mitglieder von Agent Blå bei einer Open-Mic-Night in ihrer Heimatstadt, bei der sie (in zwei unterschiedlichen Bands) Coverversionen von Joy Division spielten. Diesen Einfluss hört man der Platte an, ebenso wie ihre Vorliebe für britischen Indie-Sound der 1980er. Der Gesang ist oft nahe an Pop, das immer wieder (etwa in Lucid) sehr auffällige Schlagzeug wird manchmal beinahe Metal. Auch die Gitarren klingen durch die vielen Effekte zahmer als sie eigentlich sind, wie man etwa der feurigen Debütsingle Strand entnehmen kann. „Shoegaze-Death-Pop“ haben Agent Blå diesen Mix genannt.

„Die Songs auf Agent Blå handeln von schlechten Parties und dem lästigen Warten darauf, dass sie endlich zu Ende gehen, aber auch von Beziehungen, giftigen Freundschaften und der jungen Liebe“, beschreibt Emilie Alatalo die Themen des Albums. Red, White Rose ist ein typischer Song für diese Art von Momentaufnahmen eines Lebensabschnitts, denn auch hier gilt: Die Gefahr mag groß sein, als noch bedrohlicher erscheint aber die Langeweile, wenn man keine Risiken mehr eingeht. „Fuck me up / I feel so lost“, heißt es passend dazu in Frusterad, das man sich von The Sounds vorstellen könnte. In Faust reflektiert sie „all the promises I couldn’t keep“, freilich ohne allzu viel Reue. In Dream Boy Dream singt sie davon, „zu schnell erwachsen zu werden und Verantwortung für Dinge zu übernehmen, die man eigentlich noch gar nicht haben sollte”.

Ein Höhepunkt der Platte ist 21:38, das nach seinem Klavierintro eine hektische, atemlose Stimmung entwickelt. Vielleicht der Song, der den Kern dieser Band am besten erfasst, ist (Don’t) Talk To Strangers. „Er handelt davon, neue Leute kennenzulernen, die dich plötzlich gut finden und du denkst dir dabei nur: ’Bitte finde mich nicht gut, ich versau’ dir nur dein Leben!’“, erklärt Emilie Alatalo. Demnach heißt die (höchstwahrscheinlich vergebliche) Warnung im Refrain: „Don’t talk to strangers / you’ll fall in love with them.“ Auch diese Zeilen zeigen: Agent Blå sind überzeugt, dass sehr viel schief gehen wird in ihrem Leben, aber cool genug, das einfach hinzunehmen, und jung genug, es in jedem Fall trotzdem zu versuchen.

Agent Blå spielen Frustrerad live.

Agent Blå bei Facebook.

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