Hingehört: An Early Cascade – „Alteration“


Künstler An Early Cascade

An Early Cascade Alteration Kritik Rezension

Ein Jahr lang haben An Early Cascade an „Alteration“ gearbeitet.

Album Alteration
Label Midsummer Records
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Das ist bezeichnend: Der beste Moment auf Alteration, dem zweiten Album von An Early Cascade, ist eine Sekunde beinahe vollständiger Stille. Nach 19 Sekunden in Wrong Things wirkt der Song plötzlich, als sei er abgebrochen, bevor es dann kurz nach dieser Irritation stoisch weitergeht. Es ist der kreativste Moment dieser am Freitag erscheinenden Platte, an der die 2004 gegründete Band aus Stuttgart ein Jahr lang gearbeitet hat.

Mehr Schweigen wünscht man sich bei An Early Cascade ansonsten in erster Linie wegen der albernen Texte, die von einem elfjährigen Mädchen stammen könnten, das von einem Philosophie-Studium träumt. Wenn Alteration als Instrumental-Album daherkäme, wäre schon viel erreicht – auch wegen der dünnen Stimme von Sänger Maik Czymara, der meist gequält intoniert und oft erst ganz am Ende eines Songs zeigt, dass er auch kraftvoll sein kann.

Doch auch die Musik selbst bietet reichlich Anlass zum Haareraufen: Dependents zeigt so viel schlechten Geschmack und so viel Selbstgerechtigkeit, wie man es selbst im Genre des Progressive Rock selten erleben muss. Resolute ist peinlich, Everything Is Alright. Nothing Is Okay bleibt lahm und unglaubwürdig, in einem Lied wie Asunder fällt es schwer, ein Element zu benennen, das noch plumper sein könnte.

Auch die Versuche, durch Variation für ein bisschen Spannung zu sorgen, gehen fast durchweg in die Hose. Die Single Blue-Eyed ist etwas softer und melodiöser als der Rest des Albums, aber genauso hohl. All I Need setzt auf ein bisschen Offbeat in der Strophe und ein bisschen mehr Power im Refrain, trotzdem kommt Schema F heraus. Narrow schafft es immerhin in die Kategorie „erträglich“, weil am Schluss tatsächlich ein Ausmaß an Metal-Härte erreicht wird, das An Early Cascade sonst nur simulieren. Auch Desolate ist immerhin okay, wenn auch vollkommen gestrig.

Der vielleicht schlimmste Aspekt dieser Platte ist, wie unaufrichtig sie klingt, wie leicht An Early Cascade hier als Poser zu entlarven sind. Die Single Living In Exile ist das Richtige für alle, die heimlich Sunrise Avenue hören, aber so tun wollen, als seien sie ein deutlich härterer Typ. Den dritten Song von Alteration hat die Band Without You I’m Nothing genannt. So hieß auch mal ein Album von Placebo – noch so eine Horde schlecht getarnter Weicheier.

„Schau, wie hart wir sind!“, sagt auch das Video zu Blue-Eyed.

Website von An Early Cascade.

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