Hingehört: Band Of Skulls – „By Default“


Künstler Band Of Skulls

By Default Band Of Skulls Rezension Kritik

Mit „By Default“ will die Band Of Skulls eine neue Ära beginnen.

Album By Default
Label BMG
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

„I’m your favourite enemy“, singt Russel Marsden in Killer. Vielleicht kann man das so interpretieren, dass die Band Of Skulls trotz ihres respektablen Erfolgs in gewisser Weise immer ein Außenseiter geblieben ist, vom Rest der Musikszene ebenso mit einem Mix aus Skepsis und Respekt beäugt wie sie selbst auf diese Szene blickten. Vielleicht zeigt es aber auch bloß, wie gut der Sänger der Band aus Southampton weiß, wenn irgendwo ein Feind lauert.

Besagtes Killer ist der plakativste Track auf dem vierten Album der Band Of Skulls, die Stärke dabei ist aber nicht die Härte des Songs, sondern der Groove. Und das deutet eindeutig auf die zweite Interpretation hin. Wie leicht es ist, nach drei starken Platten wie Baby Darling Doll Face Honey (2009), Sweet Sour (2012)  und Himalayan (2014) bloß noch in der Standardeinstellung zu arbeiten, wie der Albumtitel By Default es andeutet, weiß er genau. Die Feinde heißen: Wiederholung, Langeweile, Genügsamkeit. Erst recht gilt das für die Band Of Skulls, die schon seit ihrer Gründung im Jahr 2004 im Prinzip so etwas wie Hard Rock spielt, als sei das gar kein durch Jeanswesten, Bierbäuche und missglückte Tattoos diskreditiertes Genre.

„Die ersten drei Alben waren eine Trilogie, ein abgeschlossenes Werk in sich. Wir wollten sie genauso machen. Dann haben wir eine Pause genommen, zurückgeschaut auf das, was wir gemacht haben und noch einmal ganz von vorn angefangen”, sagt Russell Marsden. Mit By Default will er nichts anderes als „eine neue Ära“ für die Band Of Skulls einläuten. So viel vorab: Die Feinde werden glorreich in die Flucht geschlagen.

Back Of Beyond begeistert mit einem geradezu berauschenden Refrain. Embers bietet eine bestechende Dramaturgie. Erounds zeigt, wie modern ein Rocksong klingen kann, sogar ganz ohne Studio-Gimmicks (für die sie mit Produzent Gil Norton sicher die Möglichkeiten gehabt hätten), bloß dank der Klasse der Komposition. Wenn die Ballade Something als letztes Lied auf By Default erklingt, wirkt das wie das Licht am Ende des Tunnels, aber man weiß gar nicht, ob man diese faszinierende Dunkelheit überhaupt verlassen möchte.

Der Schlüssel zum neuen Kapitel in der Geschichte dieses Trios war die Suche nach Einfachheit. Die Band mietete sich in einer Baptistenkirche in Southampton ein, richtete dort einen Proberaum ein und nahm nur das allernötigste Equipment mit. „Selbst beschissene Songs klingen beeindruckend mit teurer Technik”, hat Russell Marsden erkannt, deshalb wollte man bewusst reduziert arbeiten und trotzdem kraftvolle Songs erschaffen. „Wir gingen zurück zu Schritt Eins”, sagt Schlagzeuger Matt Hayward. „Es fühlte sich wieder neu und aufregend an.”

Die ersten Töne der Platte stammen von ihm: Eine Snare Drum eröffnet Black Magic und signalisiert sofort den Alarm-Modus, die dann beginnende Strophe könnte von Guns’N’Roses sein, der Refrain von Kula Shaker. Das ambitionierte Tropical Disease vereint einen Rhumba-Rhythmus mit Filmmusik-Flair und einem mächtigen Refrain à la Muse. Little Mama ist wuchtig wie eine unzerstörbare Kampfmaschine, zugleich mit allen Wassern gewaschen. „Dieses Album hätte auch aus 50 einminütigen Songs bestehen können, weil wir einfach so viele Ideen hatten”, sagt Russell Marsden, und es sind Lieder wie dieses, die ihm dabei die nötigen Argumente liefern.

Das vielleicht beste Stück ist This Is My Fix. Der Song hat Glam und Gefahr, Stil und Sex, Druck und Dreck. Bis dahin war By Default ein gutes Album, ab diesem Track wird es ein spektakuläres. Das von Bassistin Emma Richardson gesungene So Good lässt erahnen, wie Moloko klingen, nachdem sie die Freuden der Gitarre entdeckt haben. In Love By Default ist extrem lässig und dabei unverkennbar leidenschaftlich – eine Kombination, die vielleicht Michael Hutchence zuletzt so hinbekommen hat. Auch Bodies ist ein Highlight: Die Stimme ist verlebt, die Gitarre ist verkatert, das Schlagzeug ist primitiv, die Glöckchen im Hintergrund sind geistesgestört – und jede dieser Beobachtungen ist als Kompliment zu verstehen.

Fürs Video von Killer haben Band Of Skulls offensichtlich in ein Fernsehgeräte-Museum geplündert.

Website der Band Of Skulls.

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