Hingehört: Beans On Toast – „The Grand Scheme Of Things“


Künstler Beans On Toast

Das sechste Album von Beans On Toast zeigt: Er packt sein ganzes Leben in Songs.

Das sechste Album von Beans On Toast zeigt: Er packt sein ganzes Leben in Songs.

Album The Grand Scheme Of Things
Label Xtra Mile Recordings
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Es gibt elf neue Lieder von Beans On Toast (bürgerlich: Jay McAllister) auf seinem sechsten Album The Grand Scheme Of Things. Sie alle sind akustisch, oft minimalistisch, mit einer riesigen Portion Herzblut und einer guten Prise Humor gesungen. Sie alle sind, jedes auf seine Weise, besonders. Aber es gibt eines, das noch ein bisschen spezieller ist: Folk Singer.

Der Song steht gleich am Beginn des Albums und wird so etwas wie das Glaubensbekenntnis eines Überzeugungstäters. Beans On Toast singt da, mit akustischer Gitarre und Mundharmonika, vom Dasein als Folksänger, mit sagenhafter Bescheidenheit und ultimativer Hingabe. Er beteuert im Text, er würde auch ohne Gage, ohne Annehmlichkeiten und fast ohne Publikum durchs Land ziehen, um seine Musik zu spielen, denn – so sein Credo – „it’s all about the songs“. Das wäre eine erstaunliche Aussage als Manifest zum Beginn einer Karriere. Sie ist noch erstaunlicher nach fast zehn Jahren im Geschäft. „I love singing these songs every night, so I’m going to sing a couple more“, lautet eine der letzten Zeiten des Lieds und zugleich die Überleitung zum Rest von The Grand Scheme Of Things, das übrigens genau am 34. Geburtstag von Beans On Toast erscheint.

Das Album – produziert von Sam Beer, dem Mann, der Beans On Toast vor 18 Jahren das Gitarrespielen beibrachte – beweist, wie konsequent die Idee des Troubadours hier gelebt wird: Beans On Toast packt sein Leben in Songs. Alles, was ihm begegnet, ist potenzielles Material für ein Lied. The Chicken Song reflektiert die Methoden der Massentierhaltung, in Lizzy’s Cooking preist er die Kochkünste seiner Liebsten (er hat sich gerade verlobt), NYE bietet ein bisschen alltagstaugliche Philosophie zum Jahreswechsel, NOLA Honeymoon wird ein akustisches Souvenir aus New Orleans (inklusive Dixieland-Sound), in Stinging Nettles ermahnt er die Generation Kopf unten, wenigstens ab und zu auch mal raus in die Natur zu gehen (ohne dort Handyfotos zu machen) und lässt sich dabei von einem Banjo und dem zauberhaften Gesang von Brooke Sharkey unterstützen.

Natürlich sind es nicht nur die kleinen Beobachtungen des Alltags, die Beans On Toast umtreiben, sondern – allemal auf einem Album namens The Grand Scheme Of Things – auch die großen Themen. All I See Is Wagamama ist eine Tirade gegen die Gentrifizierung. Als Wahl-Londoner wundert er sich dabei natürlich nicht darüber, dass sich die Stadt verändert, sondern über die Kräfte, die hinter dieser Veränderung stecken. A Whole Lot Of Loving wendet sich gegen Fremdenhass, Intoleranz und Propaganda – wohl aber vor allem gegen den ignoranten Gedanken, man könne sich angesichts des Zustands der Welt ins Private oder Esoterische zurückziehen.

Flying Clothes Line wird eine Hymne auf die Freundschaft, die manchmal sogar mehrere Generationen umspannen kann. In The War On War bekräftigt Beans On Toast, dass er den (auf früheren Alben gerne besungenen) Drogen als Freizeitvergnügen abgeschworen hat, aber noch lange nicht seinem Willen, hinter die Fassaden der Welt zu blicken und das Gute im Menschen sehen zu wollen. Und Fuck You Nashville, eines von etlichen Stücken, in denen er die Erfahrungen verarbeitet, die er auf Tour mit Frank Turner gemacht hat, wird mit Zeilen wie „Nashville, you’re the Disneyland of country music“ zum Rapport einer enttäuschten Hoffnung. Aber so ist das eben im Leben des Mannes, der im Presse-Info zu dieser Platte recht treffend als „everyone’s favourite modern one-man band“ angepriesen wird: Selbst aus einer zerplatzten Illusion kann man immer noch einen guten Song machen.

Hühner kaufen Hühner – das Video zum Chicken Song.

Homepage von Beans On Toast.

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