Hingehört: Beyond The Wizard’s Sleeve – „The Soft Bounce“


Künstler Beyond The Wizard’s Sleeve

Beyond The Wizard’s Sleeve The Soft Bounce Kritik Rezension

Nach vier EPs gibt es Beyond The Wizard’s Sleeve jetzt auch in Albumlänge.

Album Soft Bounce
Label Fantasy
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Es verwundert nicht, dass The Soft Bounce, das heute erscheinende Debütalbum von Beyond The Wizard’s Sleeve, wie ein Sampler klingt. Denn hinter diesem Namen stecken Erol Alkan und Richard Norris. Ersterer ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Produzenten Englands, Letzterer schon seit mehr als 30 Jahren so etwas wie ein Hans Dampf im britischen Musikgeschäft, unter anderem als Produzent, Journalist und Remixer.

Nach vier EPs, die erste davon ist schon mehr als zehn Jahre alt, gibt es die Musik der beiden nun auf Albumlänge, als Gäste haben sie sich Blaine Harrison (Mystery Jets), Euros Childs (Gorky’s Zygotic Mynci), Jane Weaver, Holly Miranda und Hannah Peel hinzugeholt. Trotzdem klingt The Soft Bounce niemals wie das Werk von zwei Studiotüftlern, die nur mal ein paar neue Knöpfchen drücken oder interessante Stimmen ausprobieren wollen.

Delicious Light eröffnet das Album mit säuselnd-sphärischem Ooohoo und Ahhaa, bis ein kraftvolles und spektakuläres Space-Rock-Etwas daraus wird. Ähnliche Eigenschaften zeigen dann auch die zehn folgenden Tracks: Nie endet man dort, wo man hergekommen ist, und fast immer gelingt es Beyond The Wizard’s Sleeve, überraschende Kombinationen von Stilen und Genres zu entwerfen.

So ähnlich wie Tomorrow, Forever klingt wahrscheinlich die Fahrstuhlmusik im Himmel. Iron Age wird auf plakative Weise diabolisch wie U2, auch die Experimentierfreude von Beck und die Zerstörungslust von Primal Scream kann man da heraushören. Creation bietet ein balearisches Easy-Listening-Gefühl, Black Crow wäre als Bond-Theme geeignet, eigentlich wäre es sogar einer der stärksten Bond-Songs der vergangenen 25 Jahre gewesen.

The Soft Bounce setzt auf kreatives Schlagwerk und die Zeile “Please hold me in your arms / I only want to be your everything”, das Ergebnis ist gleichzeitig aufgewühlt und verträumt. Door To Tomorrow kombiniert Streicher mit Computerbeats und wird auf diese Weise sehr süß und sehr schön. Wenn die Chemical Brothers jemals romantisch geworden wären, hätten sie vielleicht einen Track wie Finally First gemacht.

Die Single Diagram Girl lässt an OMD denken – nicht nur wegen des Stimmeffekts und des Electro-Retro-Sounds, sondern vor allem wegen der Weigerung des Gesangs, sich jemals in die Nähe von so etwas wie Ekstase zu bewegen. Der Rausschmeißer Third Mynd kann sicher als programmatisch betrachtet werden: Der Track beschreibt einen psychedelischen Trip, in dem akustische Eindrücke zu optischen werden. Das ist eindeutig die Art von Wahrnehmung, von der Beyond The Wizard’s Sleeve träumen: eine Welt, in der man die Klänge sogar sehen kann.

The Soft Bounce lässt keinen Zweifel daran, dass hier Überzeugungstäter am Werk sind. Man ahnt, dass bei vielen Songs zuerst der Beat da war, unverkennbar ist diese Musik konzipiert und sogar kalkuliert. Aber in jedem Moment steckt genug Klasse, Enthusiasmus und Spaßfaktor, um dieses Album nicht wie einen abgehobenen Hirnfick oder eine halbherzige Fingerübung wirken zu lassen. Sondern wie eine Sammlung sehr guter, moderner Popsongs.

Das Video zu Diagram Girl hätte OMD bestimmt auch gut gefallen.

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