Hingehört: BirdPen – „O‘ Mighty Vision“


Künstler BirdPen

BirdPen O' Mighty Vision Kritk Rezension

Kaum ein Jahr nach dem letzten Album legen BirdPen schon nach.

Album O‘ Mighty Vision
Label Fintage
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Komplexität ist nicht sonderlich überraschend, wenn Mike Bird und Dave Pen aus Southampton zusammen in Aktion sind. Das liegt an ihrem ausgesucht kreativen Hintergrund (früher haben sie bloß die Visuals für andere Bands gemacht, dann wollten sie auch selbst musizieren), war auf den drei bisherigen Alben On/Off/Safety/Danger (2009), Global Lows (2012) und In The Company Of Imaginary Friends (2015) bereits nachzuhören und passt auch zur Beschreibung, die das Duo für ihre eigene Musik gewählt hat: „Standing at the end of the world with a smile on your face.“

Verwunderlich sind eher zwei andere Tatsachen. Erstens der Fakt, dass BirdPen nun mit O’Mighty Vision bereits ein neues Album vorlegen. Der Beschluss, nach dem gerade erst ein paar Wochen alten Vorgänger sehr schnell wieder eine Platte nachzulegen, fiel am Tag, als in England ein neues Parlament gewählt wurde. Wie viel Lügen, Manipulation und Betrug dabei (und danach) im Spiel ist, empörte sie so sehr, dass sie ein Album darüber machen wollten. Man kann das nun Liedern wie dem bedrohlichen und doch anziehenden Traitors anhören: Alle Lügner, Manipulatoren und Betrüger sollen zusammen kommen, lautet die Einladung – aber man ahnt, dass ihnen dann die Leviten gelesen werden, mindestens.

Zweitens erstaunt, wie BirdPen, die beide auch bei Archive und in anderen Projekten aktiv sind, diesen vielschichtigen Sound hinbekommen. O’Mighty Vision wirkt komplex, groß und hymnisch, erreicht diesen Eindruck aber mit vergleichsweise einfachen Mitteln wie Wiederholung und zweistimmigem Gesang. The Solution Is The Root Of All My Problems ist ein gutes Beispiel dafür: Der Track ist aufgebaut auf gefühlt nur zwei Klaviertönen, dann klingt er, als würde sich ein Sonnensystem aus Sequenzern herausbilden, bis nach sechs Minuten wieder eine greifbare (und tanzbare) Struktur da ist. Als kurz vor der 10-Minuten-Marke der Gesang wieder einsetzt, hat das eine Majestät wie die Lieder von Arcade Fire.

O‘ Mighty Vision sounds like Talking Heads meets Pink Floyd’s Welcome To The Machine„, meinen BirdPen über ihre neue Platte und treffen damit natürlich den Nagel auf den Kopf. Die Talking Heads sind vor allem in Tookit präsent, wenn Dave Pen singt: „It’s not my fault I’m beautiful / but you should see the inside.“ The Underground wirkt zerfasert, strahlt aber auch eine kriegerische Entschlossenheit aus. Zu Beginn von Trust ist alles reduziert, außer der Gestus, am Ende erreicht der Song Stadionpathos in einer Qualität, die sogar U2 neidisch machen dürfte. Der Titelsong als Auftakt von O‘ Mighty Vision pirscht sich an und wirkt auch danach recht sanft, lässt aber zugleich eine große Unerbittlichkeit erkennen.

Die Visuals dazu müssten bunt, psychedelisch und romantisch aussehen – O’Mighty Vision ist märchenhaft schöne Musik.

BirdPen spielen The Chairman live.

Website von BirdPen.

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