Bloc Party – „Hymns“


Künstler Bloc Party

Bloc Party Hymns Kritik Rezension

Mit zwei neuen Mitgliedern gehen Bloc Party ihr fünftes Album an.

Album Hymns
Label Infectious
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Im Herbst 2011 gab es eine interessante Episode im Leben von Bloc Party. Der NME veröffentlichte damals ein Foto der Bandmitglieder, die – ohne Frontmann Kele Okereke – in ein Tonstudio gingen. Der Sänger merkte prompt an, dass er von diesen Sessions nichts wisse. Die Frage stand im Raum, erst recht angesichts etlicher Neben- und Soloprojekte, ob dies das Ende von Bloc Party wäre. Doch diese Band ohne diesen Sänger hätte man sich niemals vorstellen können. Ein knappes Jahr später gab es dann mit Four ein neues Album, und fast alles schien wieder gut im Reich des Quartetts aus London.

Nun gibt es mit Hymns wieder ein neues Album von Bloc Party, doch gar nichts ist gut. Schlagzeuger Matt Tong und Bassist Gordon Moakes haben die Band verlassen und man muss feststellen: Genauso wenig, wie man sich Bloc Party ohne Kele Okereke vorstellen konnte, funktioniert die Band nun ohne diese Rhythmussektion.

Das liegt nicht daran, dass die neuen Mitglieder inkompetent wären. Justin Harris (früher bei Menomena) spielt jetzt den Bass. Am Schlagzeug sitzt die 21-jährige Louise Bartle, die von den beiden verbliebenen Originalmitgliedern Kele Okereke und Russell Lissack bei YouTube entdeckt wurde. „It’s good to have someone bringing that energy of doing it for the first time. It’s made us all excited about going forward”, sagt Lissack über die neue Drummerin. Er unterstreicht auch die Legitimität der neuen Besetzung: “Bloc Party started with just Kele and I, and we used to write the songs together, and we found other people and grew from that. It feels like that’s happened again.”

Das Problem ist keineswegs, dass es nun neue Gesichter und neue Einflüsse gibt. Vielmehr sind mit der alten Besetzung offensichtlich auch etliche Konfliktfelder und Reibungspunkte verschwunden. Es scheint, als gebe es nun keine Spannungen mehr innerhalb der Band – und als Resultat auch keine Spannung mehr in der Musik.

Bloc Party waren immer eine Band, die Herausforderungen und das Besondere gesucht hat, jetzt ist vieles allenfalls Elektropop-Standard. Viele Lieder auf Hymns sind zu lang und fast alle frustrierend langweilig. Das schwülstige Exes ist ein treffendes Beispiel dafür: Kele Okereke klingt nicht wie jemand, der glücklich und zufrieden ist, was ihm ja zu gönnen wäre. Sondern wie jemand, der nichts mehr erwartet vom Leben.

Only He Can Heal Me bleibt unmotiviert und wirr. Fortress ist auf peinliche Weise pseudo-sexy. The Good News will tänzeln statt marschieren, wirkt dabei aber nicht elegant, sondern kraftlos. Bei The Love Within, das den Auftakt von Hymns macht, kann man glauben, jemand habe Dizzee Rascals Bonkers nachbauen wollen und auf halber Strecke die Lust verloren. „The melody is taking over“, singt Kele Okereke – schön wär’s.

So sehr man es auch versucht, muss man doch feststellen: Es gibt kein einziges Lied auf Hymns, das an den bisherigen Maßstab von Bloc Party herankommt. Das liegt keineswegs daran, dass Hymns reduzierter, subtiler und elektronischer ist als die früheren Alben von Bloc Party. Auf all ihren Platten, am deutlichsten auf Intimacy, haben sie bewiesen, dass sie auch in diesem Modus großartig sein können. Stattdessen scheitern viele der neuen Lieder daran, dass sie eitel, unausgegoren und selbstgefällig sind.

So Real fängt gut an, verkneift sich dann aber den Punch, den man erhofft (oder zu diesem Zeitpunkt des Albums fast schon herbeigesehnt) hätte. Different Drugs setzt fast nur auf Beat und Gesang, aber das reicht auch hier nicht; am Ende gibt es einen Stimmeffekt, der überhaupt nichts zu diesem Song beiträgt.

“It’s still a very live record,” sagt Russell Lissack trotz solcher Experimente. “Everything has been played, though it doesn’t necessarily sound like that. We take a lot of influence from electronic music, for example, and then try to bring that into a completely different environment.” In diesem Willen, unbedingt anders und elaboriert zu sein, liegt ein großes Stück vom Versagen dieser Platte. Into The Earth zeigt das: Als da plötzlich so etwas wie Spontaneität erkennbar wird, ist es fast ein Schock, wie viel Leben allein dadurch in diese ansonsten oft sterile Platte strömt. Das Ergebnis wirkt wie eine entschleunigte Version von The Seed 2.0 (The Roots) und ist einer der wenigen Lichtblicke auf Hymns, funky und organisch.

Es gibt ein paar weitere Momente, in denen man erkennt, dass Bloc Party noch zu guten Songs in der Lage sind. My True Name hat hübsche Einzelteile, aber es fehlt offenbar der Wille, notfalls auch etwas größere Mühe aufzuwenden, um daraus ein wirklich überzeugendes Ganzes zu machen. Living Lux deutet ebenfalls an, was in ihm steckt, formuliert es aber nicht aus. Und Virtue wird auch deshalb das beste Lied der Platte, weil hier das Schlagzeug wie ein Schlagzeug klingt und die Gitarre wie eine Gitarre.

Es ist eine seltsame Kombination aus Bequemlichkeit in der Umsetzung und Ehrgeiz in der Konzeption, die Hymns scheitern lässt. Okereke und Lissack hatten bereits eine übergeordnete Idee im Kopf, als sie vor zwei Jahren mit ihrer Arbeit am Album begannen. “The first music I ever heard was hymns at school. I started to think, if I was going to make music that had a spiritual dimension, that was sacred to me and to the things that I held important, how would I do it?”, erklärt Kele Okereke den Albumtitel.

Doch von Spiritualität ist fast nichts zu erkennen. Im Gegenteil: Allein die Stimme von Kele Okereke rettet manches Lied vor der völligen Ereignislosigkeit.

Ein Lichtblick: Virtue live in London.

Website von Bloc Party.

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