Bo Ningen – „III“


Künstler Bo Ningen

Zwischen Hardcore und Psychedelik toben sich Bo Ningen aus.

Zwischen Hardcore und Psychedelik toben sich Bo Ningen aus.

Album III
Label Stolen Recordings
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

„Shall we dance?“ „Thüringen.“ „Dynamo, Dynamo!“ „Bikinimann.“

Das sind, in dieser Reihenfolge, die Bruchstücke, die ich beim Hören von III aufgeschnappt und gemeint zu verstehen habe. Keine allzu beeindruckende Ausbeute für insgesamt zehn Tracks und rund 54 Minuten, aber auch nicht verwunderlich: Auf dem dritten Album von Bo Ningen wird gerne mal geschrien, so dass der Gesang schwer zu verstehen ist. Die Stimme hüllt sich oft ein in dicke Schichten von Gitarren und Effekten. Und, nicht zuletzt: Bo Ningen singen auf Japanisch. Dass auch nur eines der von mir vermeintlich verstandenen Wörter tatsächlich in ihren Texten vorkommt, ist äußerst unwahrscheinlich.

Taigen (Gesang und Bass), Yuki, Kohhei (beide Gitarren) und Mon Chan (Schlagzeug) stammen aus Gunmma, Tajimi, Nishinomiya und Tokio, lernten sich aber 2007 in London kennen, wo sie nach wie vor residieren. Ihre eigene Clubnacht in ihrer Wahlheimat nennen sie „Far East Electric Psychedelic“, und das vermittelt schon einen guten Eindruck ihres Sounds. Auch die Charakterisierung der NZZ ist zutreffend: „Bo Ningen nimmt aus der Psychedelik die Verspieltheit und aus Hardcore die Intensität.“

Schräg ist III also bei weitem nicht nur wegen der exotisch anmutenden Sprache (auch wenn Bo Ningen auf der Platte angeblich erstmals zumindest teilweise auf Englisch singen). Meist kann man ob der hohen Stimme von Taigen Kawabe auch nicht ausmachen, ob hier ein Mann oder eine Frau singt. Und was sich in den Köpfen der vier äußerst langhaarigen Japaner abspielt, will man vielleicht gar nicht wissen angesichts von Liedern wie CC, das neben einem Gastauftritt von Jehnny Beth (Savages) reichlich Gebolze und Geschrei zu bieten hat.

Der Opener DaDaDa gönnt sich am Ende zwar eine kurze Passage voller Putzigkeit, ist ansonsten aber brachial. In Slider (mit Roger Robinson von King Midas Sound) liefern sich Bass und Schlagzeug ein Armdrück-Duell um die Frage, wer nun wirklich aggressiver ist. Maki-Modoshi entwickelt mittels Slap Bass eine enorme Wucht, Psychedelic Misemono Goya (Reprise) schafft es, ein wenig Funk im Stile der Spin Doctors zuzulassen, zugleich will die Basstrommel darin aber alles plattmachen.

Ein Höhepunkt und Ausreißer ist Mukaeni Ikenai, eine atmosphärische Ballade mit Shoegaze-Anleihen, die man gut in der Nähe der Smashing Pumpkins ansiedeln könnte. Auch Ogosokana nimmt ein bisschen Tempo raus, als würde sich das Quartett in eine wundersame Trance spielen.

Das ist sicher nicht jedermanns Geschmack und kann mitunter auch mächtig auf die Nerven gehen. Aber wer es gerne laut und heavy, aber mehrdimensional mag, der ist bei Bo Ningen genau richtig. III ist wohl eines der ganz seltenen Alben, die sofort mit dem Klang eines Crash-Beckens beginnen und dieses Energielevel dann bis zum Ende durchhalten.

Schräg, nackt, undefinierbar (und kariert) ist das Video zu Slider:

Homepage von Bo Ningen.

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