Hingehört: Bosco Rogers – „Post Exotic“


Künstler Bosco Rogers

Bosco Rogers Post Exotic Kritik Rezension

„Post Exotic“ enthält auch die besten Tracks der beiden Vorab-EPs von Bosco Rogers.

Album Post Exotic
Label Bleepmachine
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

“We enjoy the music of the past but we’re neither purists nor particularly nostalgic,” sagt Delphinius ‘Del’ Vargas, die englische Hälfte von Bosco Rogers. “The aim was to create what we could using just drums, synths, a guitar.” Sein Mitstreiter Barthélémy ‘Barth’ Corbelet, die französische Hälfte dieses Duos, ergänzt: “Bosco Rogers exist for pleasure and the pursuit of harmonies. We wanted to create  something direct and emotional, but which isn’t over-thought.”

Genau so klingt das Debütalbum der Band, die einst im Good Mixer in Camden zueinander fand und auf Post Exotic etliche der besten Stücke der Vorab-EPs Googoo (2014) und French Kiss (2015) wiederverwendet: Songs wie Buttercup sind so rasant und spaßig, dass man gar nicht dazu kommt, „Retro“ zu sagen. Diese Band kann klingen wie die Raveonettes auf der Kirmes (Post Exotic mit dem schönen Gesang von Danielle Wadey). Sie kann Punk-Attitüde mit Melodieseligkeit vereinen, wie das etwa auch Supergrass hinbekommen haben (In Stereo). Sie kann schlüpfrig sein (Licky Licky Lick) und auf elegante Weise packend (The Middle).

Das Besondere bei Post Exotic ist, dass all dieser Schönklang bei weitem nicht so oberflächlich ist, wie er zunächst erscheint. Das liegt zum einen an den eigenwilligen franzenglischen Texten (“Barth always wants me to write the lyrics because I’m the English speaker. But when he translates from French to English a new, odd type of message seems to emerge”, erklärt Vargas deren Zustandekommen).

Zum anderen sehen Bosco Rogers ihre Vorliebe für Melodien, Harmonien und eine gerne auch mondäne Atmosphäre durchaus programmatisch. So bezieht sich der Albumtitel beispielsweise auf eine Idee des französischen Schriftstellers Antoine Volodine. “His works are very dream-like and explore strange realities. But there’s a B-movie aspect to it too, where there’s always some kind of sexual adventure. It’s fresh, it’s tongue-in-cheek. It’s post-exotic”, erklärt Corbelet, und die Parallelen dieses Ansatzes zum Sound des Duos sind unverkennbar.

“Look around and now is really not the time to be wearing brightly coloured shirts with palm trees on”, meint Corbelet in Anspielung auf die eher gewagten Outfits des Duos. “We’re conscious of the era we’re living in. But then perhaps now is exactly the right time to be wearing crappy clothes and doing what we do. I think the trick is to be aware of the world, but not get dragged down by the darkness that surrounds us. We prefer life.”

Für diesen Wahlspruch ist Post Exotic eine wunderbare Entsprechung. Der Auftkat Anvers ist auf seltsame Weise bedrohlich und provisorisch wie ganz frühe Rock’N’Roll-Versuche, Beach! Beach! Beach! scheint durch seine Orgel und die Kombination aus Fuzz- und Surfgitarre direkt aus den Sixties zu kommen. Später nimmt man in Roses staunend zur Kenntnis, dass Shoegaze offensichtlich auch eine Erfindung der Sechziger war. Googoo versucht derweil, mit treibendem Beat und aufreizendem Bass schmutzig zu sein, ist aber etwas zu unschuldig dafür.

French Kiss und The Million zeigen, dass Bosco Rogers durchaus auch Psychedelik mögen, vielleicht ebenso sehr wie Pop, sodass die Bezugsnahme zu den Last Shadow Puppets nicht ganz verfehlt scheint. “It’s a song about beautiful mistakes, small town love affairs, drinking too much, being a hot mess,” umschreibt Vargas das perfekt zu diesem Sound passende Thema. “It’s about saying the wrong thing at the wrong time, missed opportunities and the fatalistic nature of love.”

Mit der Single True Romance gelingt Bosco Rogers als Schlusspunkt des Albums dann sogar eine Indiehymne, mit der sie tatsächlich in der Gegenwart ankommen. „We want to live, we want to die / we want tonight to last until the end of time / we want to love, we want to dance / want to fill our hearts with a true romance”, heißt der umwerfende Refrain, aber auch diesmal ist damit kein blinder Hedonismus gemeint. “The world is burning and people couldn’t care less as long as the party doesn’t stop”, hat Vargas erkannt. “We are not those kinds of people. True Romance is about never losing your sense of curiosity or wonderment at the world.”

Wie konsequent (und überzeugend) Bosco Rogers auf Post Exotic den Fragen von „Gab es das nicht alles schon einmal?“ oder „Wer braucht das?“ aus dem Weg gehen, zeigt vielleicht Drinking For Two am deutlichsten. „Heart skpis a beat and then you mess around“, heißt der Refrain, der Background-Gesang vermittelt derweil noch wichtiger Botschaften, nämlich „Bababa“ und „Huhuhu“. Das zeigt nicht nur, wie sehr diese beiden Herren dem Pop und ihren Helden (sie nennen beispielsweise The Monks, Suicide, The Gories und die B-52s als Vorbilder) verfallen sind. Es zeigt vor allem: Ihnen geht es um das Vergnügen, die Euphorie, die Wirksamkeit eines Drei-Minuten-Rausches.

Nicht von Tarantino: das Video zu True Romance.

Bosco Rogers bei Tumblr.

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