Cullen Omori – „New Misery“


Künstler Cullen Omori

New Misery Cullen Omory Kritik Rezension

„New Misery“ ist das Solodebüt von Cullen Omori, ehemals The Smith Westerns.

Album New Misery
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Zwei Dinge sind besonders schön an New Misery, dem heute erscheinenden Solo-Debütalbum von Cullen Omori. Erstens: Dass die Platte so gut ist. Zweitens: Dass Cullen Omori weiß, wie gut sie ist, sich aber lieber in Demut als in Großspurigkeit übt.

No Big Deal heißt der Opener (das erste Lied auf dem ersten Album einer Solokarriere!) tatsächlich voller Understatement, doch der Sound steht erfreulicherweise im Widerspruch dazu: Das Lied bietet sehr klassische Songwriting-Kunst, eine John-Lennon-Stimme, ein Flanger-Gitarrensolo und eine herrlich angenehme Atmosphäre. Später folgen Lieder wie das sehr entspannte Two Kinds, selbst das programmatisch betitelte Be A Man bleibt akustisch und zurückhaltend.

Dass Cullen Omori nicht auf den Big Bang aus ist, hat seine Gründe. Mit den Smith Westerns hat er drei Alben veröffentlicht, das erfolgreichste davon erreichte 2011 Platz 114 in den US-Charts, bevor die Band Ende 2014 zu Grabe getragen wurde. Das nicht als Niederlage zu begreifen, sondern als Möglichkeit, hat eine Weile gedauert, erwies sich dann aber als enorme Motivation, erklärt Cullen Omori: “I had this overwhelming feeling that perhaps the apex of my life both as a musician and as an individual would be relegated to five years in my late teens/early 20s. This fear really forced me to work hard as to not see the Smith Westerns as an end but as a point along a bigger trajectory.”

Wie viel Potenzial er auch als Solist zu bieten hat, macht New Misery schon beim ersten Durchlauf klar. Synthesizer sind im Vergleich zu seinem bisherigen Werk deutlich wichtiger geworden, auch Chöre kommen gerne zum Einsatz. Viele Lieder durchlaufen erstaunliche Verwandlungen wie der Titelsong, andere überraschen mit ungewohnten Zutaten: Die Single Cinnamon wird dank New-Wave-Discobeat sehr hübsch und sehr eingängig. Synthetic Romance lässt mit wuchtigen Drums und effektvoller Orgel erkennen, warum Omori in der Liste der Einflüsse für dieses Album (neben Roxy Music, INXS, Kate Bush, Spiritualized, Wilco, Garbage, Hall & Oates und Sparks) auch U2 benennt.

Ryan Mattos (Bass, Keyboards), Loren Humphrey (Schlagzeug) und James Richardson (Gitarre) hat sich Omori als neue Mitstreiter gesucht, sie beleben beispielsweise das sehr schmissige Hey Girl. Der Sänger selbst bleibt darin zwar beherrscht, trotzdem kommt hier keine Gemütlichkeit auf. Omori weiß, dass er kein Geschrei und nicht viel Theatralik braucht, weil der Song aus sich heraus stark genug ist. Das mitreißend-optimistische LOM zeigt, wie sehr er sich auch für Pop geöffnet hat. “I can’t sit down and say I’m going to write a Sam Smith or an Adele song or whatever. The closest I can get to that is making like this weird hybrid of what I think is a pop song”, sagt er dazu.

Es ist eine der größten Stärken von New Misery, dass die Platte von Beginn an einnehmend ist, ohne deshalb nur einen Moment lang auf das Gewöhnliche setzen zu müssen. “I came out of Smith Westerns at 25 with no real job experience, I only knew how to play music. Writing and recording these songs for myself was cathartic, and I didn’t know my destination or future, but picking up my guitar and playing was the only way I knew I’d get close to figuring it out”, sagt Cullen Omori. Dass er das Ende seiner Band als zweite Chance begriffen hat, erweist sich mit New Misery als Glücksfall.

Erinnerungen verfolgen Cullen Omori durch das Video zu Cinnamon.

Cullen Omori bei Facebook.

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