Deaf Wish – „Pain“


Künstler Deaf Wish

Cover des Albums "Pain" von Deaf Wish bei Sub Pop

Deaf Wish erklären, wie Punk wirklich mal gemeint war.

Album Pain
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Man kann Deaf Wish wirklich nicht vorwerfen, sie würden um den heißen Brei herum reden. Ihren Bandnamen kann man als „Ich wünschte, ich wäre taub“ übersetzen. Ihr in zwei Wochen erscheinendes neues Album haben sie Pain genannt. Und die ersten Worte darauf lauten: „You’re sentenced.“ Genau so kommt die Musik der vier Australier auch daher. Was Deaf Wish machen, ist Anti-Wohlklang. Der Treibstoff dazu ist eine Aggressivität, die ohne Umwege in die Instrumente zu fließen scheint, und das passende Outfit dazu ist die Zwangsjacke.

Eyes Closed wirkt wie eine Lehrstunde darüber, wie Punk eigentlich gedacht ist, und „Got my eyes closed“ reimt sich da natürlich auf „fucking asshole“. Newness Again ist brachial und dreckig und wahrscheinlich schon allein aus dem Grund nach 73 Sekunden vorbei, weil man einfach nicht länger so sagenhaft wütend sein kann. Der Auftakt The Whip besteht aus einer monotonen Gitarre, kaputtem Gesang und einer Trommel, die vermutlich das einzige ist, was den Dreißigjährigen Krieg überlebt hat.

Dass Nick Pratt (Bass), Daniel Twomey (Schlagzeug), Sarah Hardiman (Gitarre) und Jensen Tjhung (Gitarre; den Gesang teilen sich die Bandmitglieder nach Belieben) sich für jeden Track auf Pain maximal drei Takes gegönnt haben, glaubt man sofort. “It’s a simple thing”, benennt Jensen Tjhung das Motto. “Simple takes the worry out of it. If we try to step it up and go sideways, it just doesn’t seem to work. But we’ve grown up and been through some shit. To get to this point you have to bust through a few walls. It’s easy to be new, and I think, in the end, this is what it is. When you put these people in the room, it’s Deaf Wish.”

Das mag nach einem Allgemeinplatz klingen, hat aber einen speziellen Hintergrund: Gegründet wurden Deaf Wish zwar schon 2007. Allerdings mit dem Credo, dass es auch nicht schlimm ist, wenn die Band nur zwei Auftritte lang halten sollte. Und bis zu den Aufnahmen zu dieser Platte in Melbourne hatten sie eigentlich nur dann Zeit miteinander verbracht, wenn sie gemeinsam auf Tour waren. “We didn’t really know what this band was”, hat Tjhung mittlerweile erkannt. “We had something, but it wasn’t clear— we had to figure out what that was.”

Der Geist von Spontaneität und Vorläufigkeit prägt auch ihre Songs. Sunset’s Fool gönnt sich etwas Jangle. Das instrumentale Dead Air schwelgt in Feedback. In Songs wie They Know oder On kann man eine faszinierende Mischung aus Drone und Drive erkennen, die mit etwas Fantasie ein paar Spuren des Black Rebel Motorcycle Club aufweist. Mit dem infernalischen Titelsong kann man Eltern wahrscheinlich sogar dann ärgern, wenn die selbst einmal Punks waren. Und in Sex Witch scheinen Tjhung und Sarah Hardiman den Preis für das dissonanteste Duett der Welt gewinnen zu wollen. Den vielleicht größten Schock des Albums gibt es allerdings ganz am Schluss: Calypso ist tatsächlich so etwas wie eine Ballade.

So klingt Eyes Closed von Deaf Wish.

Deaf Wish bei Facebook.

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